Die Produzenten Uli Aselmann und Sophia Aldenhoven

Als Motiv dient ein leerstehender Gasthof in Köln Hürth: 32 Kameras, 24 Kameraleute, 2600 Meter Kabel.
Als Motiv dient ein leerstehender Gasthof in Köln Hürth: 32 Kameras, 24 Kameraleute, 2600 Meter Kabel. | Bild: WDR / Wolfgang Ennenbach

Die grösste Freude für eine(n) Filmproduzenten/in ist immer die Besondere Herausforderung.

Der Autor, Regisseur und Schauspieler Jan Georg Schütte hat mit seinen letzten Filmen sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, die sich auch aus der Art des unkonventionellen Herstellungsverfahrens ergab. Als Jan Georg Schütte auf uns zukam mit der Frage, ob wir interessiert seien, seinen nächsten Film mit ihm zu machen, war das für uns eine Ehre und eben eine große Herausforderung zugleich.

In den Monaten und Wochen der inhaltlichen Vorbereitung, bewunderten wir, wie euphorisch Schütte nach jedem Treffen mit jenen Schauspielern war, die wir gern besetzen wollten und die auch bereit waren, sich auf dieses Experiment einzulassen, nämlich ein fiktives Klassentreffen in einer Realzeit von guten vier Stunden zu improvisieren.

Als Motiv diente uns ein leerstehender Gasthof in Köln Hürth, der für 32 Kameras hergerichtet wurde. 24 Kameraleute brachten sich in Position, 2600 Meter Kabel mussten unsichtbar verlegt werden, für Bildmonitore und einen guten Ton. Jeder Darsteller hatte in seiner Kleidung ein unsichtbares Mikrophon versteckt, das über Funksignal auf das Mischpult des Tonmeisters übertragen wurde. Zwei Tage vor dem Eintreffen unseres Ensembles haben wir eine technische Durchlaufprobe mit Schauspielstudenten aus Köln aufgezeichnet, um alle technischen Details zu konkretisieren und die verschiedenen Räume, die in dem Gasthof bespielt werden sollten, so auszuleuchten, dass man für den eigentlichen Dreh gut gerüstet war.

Am Vorabend des Drehtages trafen sich Regie, Redaktion, die Produzenten und Schauspieler zu einem ersten gemeinsamen Abendessen. Die Stimmung war gut und liebevoll, freundlich, aber die Aufregung vor dem, was am nächsten Tag bewerkstelligt werden sollte, war jedem anzusehen. Auf einem größeren Parkplatz in der Nähe unseres Drehortes hatten wir eine Wagenburg aufgestellt, wo die Darsteller in ihre Kostüme gekleidet und in den Maskenmobilen geschminkt wurden. Für diesen Drehtag war das gesamte Team inzwischen auf fast 80 Personen angewachsen, die in der Wagenburg am Cateringtrailer verpflegt wurden und sich mit Getränken versorgen konnten.

Am Nachmittag war es dann soweit. Die Aufregung erreichte ihren Höhepunkt, Nervosität wie vor einer Theaterpremiere. Die einzige Klappe für die folgenden vier Stunden wurde vor allen 24 besetzten Kameras geschlagen, dann gab Regisseur Jan Georg Schütte das Startzeichen, und das Spiel begann. An ihren Monitoren waren in unterschiedlichen Bereichen die Produzenten und die Redaktion damit beschäftigt, die Kameraleute über Funk dahin zu führen, wo es zwischen den "ehemaligen Mitschülern" interessant, emotional, streitsam und spannend wurde.

Nach genau 4 Stunden und 12 Minuten beendete Schütte die einzigartigen Dreharbeiten in denen 7800 Minuten Material aufgezeichnet wurden. Eine große kreative Anspannung hatte sich aufgelöst in ein einzigartiges Miteinander, und allen Beteiligten war nicht wirklich klar, was da eigentlich entstanden war. Das haben wir erst begriffen, nachdem das Material gut elf Monate später zu einem besonderen Film und einer unterhaltsamen Serie fertiggestellt war. Es war eine wirklich große Herausforderung, wie wir sie vorher noch nie bewerkstelligt hatten und der wir uns jederzeit wieder gern stellen würden!

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