Mario Adorf und Tilo Prückner im Gespräch

Unterstützt von Henne (Hermann Beyer, m) wagen Boxer (Mario Adorf, l) und Wallberg (Tilo Prückner, r) den Ausbruch in die Freiheit. Doch die Welt draußen hat sich verändert, und nichts läuft so einfach, wie Boxer es sich vorgestellt hat.
Unterstützt von Henne wagen Boxer und Wallberg den Ausbruch in die Freiheit. Doch die Welt draußen hat sich verändert, und nichts läuft so einfach, wie Boxer es sich vorgestellt hat. | Bild: WDR / Roland-Guido Marx

„FREUNDSCHAFT IST EINES DER GROSSEN THEMEN DIESES FILMS“

Mario Adorf und Tilo Prückner im Gespräch

Sie beide kennen sich schon seit einer ganzen Weile.

Mario Adorf (MA): Zum ersten Mal zusammen gespielt haben wir in „Bomber und Paganini“.

Tilo Prückner (TP): Neunzehnhundert ...

MA: ... sechsundsiebzig. Damals kannte ich Dich gar nicht.

TP: Aber ich Dich schon!

MA: Ich war ja damals auch schon über 20 Jahre im Beruf. Und Du hattest grade angefangen.

TP: Mit dem Drehen. Vorher habe ich auch schon Theater gespielt, aber nicht so viel wie Mario. Ich habe Mario damals sehr verehrt. Okay, das mache ich heute noch ...

MA: Ja, ja, schon gut.

TP: Und als ich gehört habe, ich soll mit ihm spielen, da war ich schon sehr nervös. Aber es ging dann sehr gut. Er hat mir auch seine Tricks verraten.

MA: 1976 haben wir uns also kennengelernt und in Wien „Bomber und Paganini“ gedreht. Tilo wollte immer eine Art Fortsetzung machen, also dass es noch einmal zu einer solchen Zusammenarbeit kommt, in der wir zwei Gangster spielen. Und das hat dann ja auch geklappt, 42 Jahre später.

„Bomber und Paganini“ scheint jedenfalls Eindruck auf Sie gemacht zu haben ...

MA: Es war eine sehr gute Atmosphäre. Wir hatten viel Spaß und haben auch einige Stunts und Unfälle gemeinsam überstanden. Es war eine sehr schöne Zusammenarbeit. Ich hatte selten einen so guten jüngeren Partner.

In welcher Beziehung stehen Boxer und Wallberg, die Nachfolger von Bomber und Paganini?

MA: Als sie noch jung waren, waren sie Komplizen in einer Bande. Meine Figur, Boxer, war zwar der Chef, Wallberg jedoch das Hirn.

TP: Ein bisschen so wie bei „Bomber und Paganini“.

MA: Dann kam eine Zeit der Rivalität, einer erotischen Rivalität. Wegen einer Frau. Und daraus entwickelte sich eine Feindschaft, die sich in unserer Geschichte langsam wieder in eine Freundschaft verwandelt. Und Freundschaft ist eines der großen Themen dieses Films.

TP: Es geht auch um das Älterwerden. Dass der Boxer nicht mehr so richtig zuschlagen kann ...

MA: Er kann, er kann!

TP: Aber er ist danach erschöpft. Der Film ist eine etwas melancholische Komödie, in der auch das Älterwerden reflektiert wird.

MA: Aber es ist keine Greisengeschichte. Es sind zwei alte Männer ...

TP: ... die gerne leben!

MA: ... die gerne leben und dem Alter in manchen Dingen dann doch ein Schnippchen schlagen. Es geht gar nicht darum, dass man sie bedauert oder so. Man soll sie eher bewundern für ihre Vitalität.

Kommen wir noch einmal zurück zum Thema Freundschaft ...

MA: Eines der großen Versäumnisse meines Privatlebens ist es, Freundschaften nicht gepflegt zu haben. Ich habe es für geradezu selbstverständlich genommen, bei den Dreharbeiten immer wieder Menschen kennenzulernen, die man sehr mag, sogar an sich binden möchte. Aber nach der großen Intimität während des Drehs ist man am Ende dann wieder alleine, geht zum nächsten Film und wird den anderen vielleicht 20, 30 Jahre nicht wiedersehen. Ich bedaure, dass ich da etwas versäumt habe. Da habe ich Shakespeare nicht ernst genommen, der Polonius zu seinem Sohn sagen lässt, dass man Freunde mit stählernen Banden an sich fesseln soll. Das habe ich verpasst.

TP: Das ist auch ein Ergebnis der Filmerei. Man hat eine Scheinintimität, eine Scheinfreundschaft.

MA: Scheinfreundschaften würde ich das nicht nennen. Ich glaube, im Ansatz sind sie wie eine echte Freundschaft. Sie werden nur nicht fortgeführt.

Inwieweit ist das Drehen eines Films eine intime Erfahrung?

MA: Man lernt da eine Frau, eine Partnerin, kennen, und schon am ersten oder zweiten Drehtag muss man eine Liebesszene im Bett spielen.

TP: Muss!

MA: Man muss also sehr schnell dieses private Visier, den Schutz, den wir im Laufe der Zeit ausgebildet haben, fallen lassen, damit es zu dieser Intimität kommt. Man muss ja glaubhaft sein. Man muss in diesem Augenblick alle seine Vereidigungsmechanismen vergessen. Das ist schon eine delikate Sache. Und bei männlichen Kollegen habe ich halt öfter mal gedacht, den möchte ich gerne als Freund haben, und dann bemüht man sich doch nicht. Und das ist manchmal eben schade.

Herr Adorf, Sie sprechen in „Alte Bande“ rheinischen Dialekt, und man sieht bei den Außenaufnahmen auch immer wieder Köln. Welche Verbindung haben Sie zu dieser Stadt?

MA: Für mich als Eifler war Köln immer die nächste, die wichtige Stadt. Ich erinnere mich noch, wie es war, gleich nach dem Krieg in das völlig zerstörte Köln zu kommen. Schon von 20, 30 Kilometern sah man den Dom in seiner Gänze – nicht nur die Spitzen. Alles andere war platt. Köln hatte immer eine große Anziehungskraft auf mich. In meiner Jugend war ich auch ein Karnevalsjeck. Das hat mir Spaß gemacht, habe ich aber später abgelegt, weil ich ja in München lebte und der Karneval und der Fasching nichts miteinander zu tun haben.

Und der rheinische Dialekt?

MA: Der Eifler Dialekt ist sehr hart und unverständlich. Mein Heimatdialekt ist das Rheinische. Vom ersten Film an. Ich habe immer wieder Rheinländer gespielt, in der „Blechtrommel“, in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ ... Wenn ich Kölsch spreche, sagt ein richtiger Kölner allerdings: „Er is et nit, ävver er maat et janz jot. “

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