Drehbuchautor Florian Oeller im Interview

Nachtarbeit bei Kanzleramtschef Peter Altmaier (Tristan Seith).
Nachtarbeit bei Kanzleramtschef Peter Altmaier. | Bild: rbb/carte blanche / Volker Roloff

Was mussten Sie bei der szenischen Interpretation des Sachbuchs von Robin Alexander beachten?

Das Sachbuch bildete den inhaltlichen Rahmen und die Basis an Fakten und zeitlichen Abläufen. Die szenische Umsetzung, die Belebung der Figuren und ihre emotionale Ausformung habe ich mit dem Drehbuch erarbeitet. Wichtig war mir dabei, die Ereignisse für den Zuschauer zugleich unterhaltsam und authentisch zu zeigen.

Wieviel Fiktion erlaubt ein Drehbuch, das auf einem Sachbuch basiert?

Die Lücken, die das Sachbuch im Hinblick auf das tatsächliche Geschehen, die konkreten Dialoge und die Emotionalität der handelnden Personen notwendigerweise lässt, habe ich im Drehbuch ausgefüllt. "Die Getriebenen" ist keine Dokumentation der Ereignisse, wir haben bei den dramaturgischen Verdichtungen und der Führung der Figuren aber stets den Anspruch verfolgt, so tatsachengetreu wie nur möglich zu arbeiten.

Welche Schwerpunkte dieser 63 Tage, die zum Offenhalten der Grenze im September 2015 führten, wollten Sie setzen?

Eine besondere Stärke von "Die Getriebenen" ist es, dass wir die Geschehnisse in der Nacht vom 4. auf den 5. September 2015 nicht isoliert betrachten. Wir schildern sowohl die Ereignisse, die zu der Entscheidung, die Grenzen offen zu halten, geführt haben, als auch die Konsequenzen, die daraus für die deutsche Innenpolitik und die Bundeskanzlerin ganz persönlich erwachsen sind. Mir war es wichtig, die Geschichte hinter dieser besagten Nacht zu erzählen. Die dramatische Entscheidung der Bundeskanzlerin steht ja am Ende einer jahrelangen verfehlten Flüchtlingspolitik in Europa sowie heftiger politischer und zum Teil persönlicher Konflikte, etwa mit Ungarns Premier Orbán oder mit Horst Seehofer. Ich bin davon überzeugt, dass die Ereignisse nur zu verstehen sind, wenn man sie eingebettet in ihr Davor und Danach zeigt. Und genau das haben wir mit "Die Getriebenen" gemacht.

Wie haben Sie diese Zeit für den Film aufgearbeitet?

"Die Getriebenen" zeigt die sogenannte Flüchtlingskrise als vorläufigen Endpunkt einer atemberaubenden Aneinanderreihung krisenhafter Ereignisse in jüngster Zeit: "Finanzkrise" – "Währungskrise" – "Flüchtlingskrise". Politik findet heute unter Rahmenbedingungen statt, in denen die Krise den Normalfall darstellt. Das ist extrem herausfordernd. Für Entscheidungen von enormer Tragweite bleiben den Politikerinnen und Politikern häufig nur wenige Stunden Zeit, Gruppen mit ganz unterschiedlichen Interessen zerren an ihnen und versuchen Einfluss zu nehmen, Medien und Öffentlichkeit haben ein berechtigtes Informationsinteresse – Politikerinnen und Politiker werden unter diesen Umständen sprichwörtlich zu "Getriebenen". Was das alles mit den Menschen macht, die politische Verantwortung tragen, und wie sie unter diesen dramatischen Bedingungen Entscheidungen treffen, über die noch Jahre später hochemotional und kontrovers diskutiert wird, zeigt unser Film.

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