Imogen Kogge im Interview

Angela Merkel (Imogen Kogge) holt sich Rat bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (Rüdiger Vogler).
Angela Merkel holt sich Rat bei Finanzminister Wolfgang Schäuble. | Bild: rbb/carte blanche / Volker Roloff

Imogen Kogge spielt Angela Merkel

Jeder hier im Land kennt Angela Merkel und hat sich über ihre Politik und über ihre Person eine Meinung gebildet. Wie frei konnten Sie in Ihrer Arbeit beziehungsweise in der Darstellung sein und was war Ihre Herangehensweise?

Dass jeder innner- und außerhalb unseres Landes meint, Frau Merkel gut zu kennen, hat die Annäherung an meine Rolle nicht unbedingt einfacher gemacht. Aber da es, in Übereinstimmung mit dem Regisseur Stephan Wagner, nicht darum ging, sie zu kopieren oder auch nur eine größtmögliche Ähnlichkeit herzustellen, sondern in erster Linie bestimmte Zeichen der Erkennbarkeit zu finden, fühlte ich mich relativ frei und bei mir. Natürlich habe ich sie studiert, Haltung, Gang etc. Sie ist ja medial, weiß Gott, genug vertreten.

Hat der Stoff von "Die Getriebenen" Ähnlichkeiten mit der Struktur einer klassischen Tragödie? Und falls ja, warum?

Die klassische Tragödie definiert sich ja meines Wissens dadurch, dass sich das Individuum gegen das göttliche, herrschende Recht stellt und daran scheitern muss. Ich finde, dass das hier nicht zutrifft. Es geht eher darum, das Recht neu zu gestalten, zu definieren und zwar eben nicht als Individuum, sondern im Konsens mit vielen, unter großem zeitlichen Druck. Wir legen gerne die Schablone einer "Klassischen Tragödie" an, da es für uns eine vertraute Lesart ist.

Hat sich Ihr Bild von Politik und davon, wie Entscheidungen entstehen, durch diese Arbeit verändert?

Sicherlich hat sich mein Blick auf die Politik durch diese lange Beschäftigung verändert. Mein Respekt ist gewachsen vor denen, nicht nur vor Angela Merkel, die tagtäglich, und zwar gemeinsam, um ernsthafte Entscheidungen ringen, sich kompromissbereit zeigen müssen und doch ihren Idealismus behalten. Und das tägliche Pensum einer Frau Merkel lässt uns alle als Schwänzer dastehen!

Würden Sie für einen Tag lang mit irgendeiner Politikerin / einem Politiker tauschen wollen?

Ein ganz entschiedenes Nein. Ich könnte das nicht einen Tag lang durchhalten.

Hat die Zeit dieser deutschen und europäischen Krise die Komplexität des politischen Systems offenbart oder vielleicht sogar in Frage gestellt?

Ja, diese schwierige Zeit hat die Komplexität des politischen Systems offenbart, wenn man so will, sie unterstrichen. Das "Diktat des Konsens" ist ja im eigenen Parlament schon schier unmöglich, nervenzerrüttend und wahnsinnig zeitaufwändig; um wieviel schwieriger mag es dann sein, wenn die unterschiedlichsten Länder daran beteiligt sind, alle mit ihrer eigenen Geschichte und eigenen Interessen. Und dann noch Entscheidungsfindungen unter diesem enormen zeitlichen Druck. Das "System" ist sicherlich gefährlich überstrapaziert – aber gibt es eine Alternative?

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