Statement von Regisseur Dominik Moll

Das Lehrerehepaar Silke und Jürgen (Juliane Köhler und Wolfram Koch) rechnet nicht damit, an einem entspannten Tag am griechischen Strand mit einem Flüchtlingsboot konfrontiert zu werden.
Szene aus dem Film: Das Lehrerehepaar Silke und Jürgen Hennings wird am griechischen Strand mit einem Flüchtlingsboot konfrontiert. Sie beschließen, nicht länger untätig zu bleiben und möchten einen Flüchtling aufnehmen.  | Bild: SWR / Pierre Meursaut

»Eines der Bilder, das mich getroffen hat, als ich damit begann, über Flüchtende und Migranten zu recherchieren, war ein kurzes Amateur-Video, aufgenommen mit einem Smartphone am Strand in der Nähe von Cadiz Südspanien: Sommerurlauber in Badeanzügen wurden Zeugen der plötzlichen Ankunft eines Schlauchbootes, voll von afrikanischen Migranten. Die Migranten sprangen von ihrem Boot, rannten über den Strand und verschwanden in den Dünen. Alles passierte so schnell, dass wir, wie die Leute am Strand, uns fragten, ob das wirklich passiert ist und ob diese Ankunft wirklich real war. Dieser Eindruck summiert alles: eine Friktion, eine Reibung einer Welt mit der anderen.

Die Serie zielt darauf ab, über individuelle Geschichten Berührungspunkte, Friktionen und Konflikte zwischen diesen zwei Welten zu untersuchen. Was machen die, die angekommen sind, um zu überleben, und wie reagieren die, die Zeuge ihrer Ankunft waren? – Der vorausgegangene Kampf, der nötig war, um ihren Platz zu finden und das späte Wunder, wie sie ihn finden. Das ist vielleicht die zentrale Frage von "Eden": Was bedeutet es, am richtigen Platz zu sein? Zum ersten Mal befasse ich mich als Regisseur mit einer Geschichte, die sich so dramatisch und komplex mit aktuellen Ereignissen beschäftigt. Die beste Art, diesem schwierigen Thema gerecht zu werden, ist, ihm mit Demut zu begegnen. Natürlich erschaffen wir Fiktion und wollen Emotionen hervorrufen. Wir wollen, dass das Publikum darauf erpicht ist, unseren Charakteren zu folgen. Wir müssen keine Angst vor den Mitteln fiktionaler Möglichkeiten haben, sondern sollten sie freudig nutzen. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass der humane Aspekt und unsere Charaktere das Zentrum unserer Geschichte bilden. Es ist wichtig, sich auf sie zu konzentrieren, in der Lage zu sein, uns (präzise!) in ihre Sichtweise hineinzudenken, egal, ob wir nun einen äthiopischen Migranten oder ein Mittelschicht-Ehepaar aus Deutschland zeigen.

Das ist, was ich an dem Amateurvideo vom Strand bei Cadiz mag. Die Sommerurlauber, die ihren sicherlich wohlverdienten Urlaub genießen, sind nicht zu verurteilen. Sie wirken etwas überwältigt und erstaunt wie wir. Beim Anschauen dieses Videos ist mir noch etwas aufgefallen: Während ich noch dachte, dass dieses Sujet sich ziemlich von meinen sonst üblichen fiktionalen Themen unterscheidet, bemerkte ich letztendlich doch eine Gemeinsamkeit: Wie in mehreren meiner Filme, geht es um den Einbruch des Unerwarteten in die gut regulierte Routine. Einen Einbruch, der das Wohletablierte, Gewissheiten und Überzeugungen herausfordert.«

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