Interview mit Friedrich Mücke

Wem kann Linus (Friedrich MŸcke) noch trauen?
Auf der Suche nach Luca entwickelt Linus langsam aber sicher Zweifel an seinen Freunden, an seinen Feinden und letztendlich an sich selbst. Ist die ganze Welt überhaupt noch real oder nur eine Simulation?

Interview mit Friedrich Mücke

Linus

Im Near-Future-Thriller "Exit" spielen Sie Linus. Wie würden Sie Linus charakterisieren? Was zeichnet ihn aus? An welchem Punkt befindet er sich gerade in seinem Leben?

Linus ist begabt, intelligent und ehrgeizig. Er möchte etwas bewegen, gerade im technischen Fortschritt eine führende Position einnehmen. Die Welt, so wie wir sie kennen, möchte er verändern und die Frage nach Leben und Tod neu stellen. Er ist sensibel, einfühlsam und nicht ohne Empathie. Das ist allerdings nicht immer von Vorteil in einer Welt, in der zwischen Intuition und technischem Beweis alles möglich scheint.

Luca ist Linus‘ Geschäftspartnerin und seine Ex-Verlobte. Wie würden Sie die Beziehung von Linus und Luca beschreiben?

Die Beziehung beider zueinander zeichnet sich durch die Jahre aus, die sie bereits dauert. Von Vertrauen geprägt, scheint sie die einzig wahre zu sein. Luca kennt Linus seit der Schule und beide sind auf Augenhöhe miteinander verbunden. Beide spüren zum Beispiel sehr stark Verunsicherungen bei dem jeweils anderen. Auch das wird zum Motor dieser Geschichte.

In "Exit" geht es um Hologrammtechnik, die nicht nur Aussehen, Sprache und Stimme eines Menschen digitalisiert, sondern auch dessen Wesen, Geist und Humor. Welche Möglichkeiten würde solch eine Technik eröffnen und welche Gefahren birgt sie gleichzeitig dabei?

Ich behaupte, dass alles was uns wegbringt vom Natürlichen, vom Urtümlichen des Menschen, so wie wir es kennen oder kannten – also alles was uns vom rein menschlichen zu einer Mischform oder darüber hinaus zu einer neuen Spezies werden lässt, bedeutet den Untergang des Menschen als soziales Wesen. Die Vermischung von Homo Sapiens und Technik ist gewissermaßen gleichzeitig sein eigenes eigentliches Verschwinden. Für mich spielt es keine so große Rolle welche Vor-oder Nachteile das hat. Es ist vielleicht sogar zutiefst menschlich. Nur wir, die wir 2000 Jahre Kulturgeschichte in uns tragen, wovon vielleicht 30 Jahre zur digitalen Revolution zu zählen sind, können noch gar nicht ermessen was da noch kommen wird.

Linus sagt in "Exit", dass es im Leben um Liebe und Zeit ginge. Die Liebe mache das Leben sinnvoll und die begrenzte Zeit mache das Leben wertvoll und zerbrechlich. Inwiefern unterläuft die Erfindung von Linus, Luca, Bahl und Malik, INFINITALK, diese These? Würden solche Hologramme den Verlust eines geliebten Menschen erleichtern oder erschweren?

Er unterläuft sie in gewisser Weise. Linus möchte aus echten Leben ein Digitales machen. Insofern Gott spielen. In einer neuen Form. Hier wäre er der Bestimmer von Zeit und Wertigkeit des Lebens. Allerdings möchte er es nicht negativ einsetzen, sondern positiv. Er glaubt tief an die Vorteile dieser Erfindung. Was das Thema des Verlusts eines Menschen angeht, denke ich: Wenn es derartige Hologramme gäbe, würden wir vermutlich über das Wort Verlust völlig anders nachdenken und es vielleicht sogar völlig anders empfinden.

"Exit" ist Ihr erster gemeinsamer Film mit Regisseur Sebastian Marka. Wie war die Zusammenarbeit?

Sebastian Marka ist sehr interessant, somit war die Zusammenarbeit das auch. Ein unheimlich intelligenter Regisseur, der die Geschichte fest im Blick hat und dramaturgisch einiges aufbietet; das gibt Sicherheit und schafft Vertrauen. Zudem liebt er das Kino. Vor allem im seinem LARGER THAN LIFE-Anspruch. Diesen macht er sich in seinem Erzählen zu eigen. Das alles konnte ich erkennen, somit war unsere Zusammenarbeit geprägt von vielen Gesprächen und einem nicht zu geringen Austausch über das Filmemachen.

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