Simon Urban zu seiner Erzählung 'Nachspiel'

Sich gegen den mächtigen Konzernboss zu stellen, wird gefährlich für Linus (Friedrich Mücke).
Sich gegen den mächtigen Konzernboss zu stellen, wird gefährlich für Linus.

»In meiner Erzählung 'Nachspiel'geht es um die älteste aller menschlichen Utopien: Den Wunsch, nicht sterben zu müssen, beziehungsweise den Wunsch, dass geliebte Menschen möglichst ewig leben sollen. Die Form der 'Unsterblichkeit', von der diese Geschichte handelt, könnte in naher Zukunft allerdings tatsächlich Realität werden – denn nicht der Körper, nur das Wissen und die Stimme eines Menschen werden konserviert und sind mit Hilfe einer Audio-K.I. jederzeit abrufbar. Man könnte dann zum Beispiel, so lange man lebt, die eigene Mutter anrufen, und Gespräche mit ihr führen, die sich in nichts von echten Telefonaten unterscheiden würden. Geliebte, Freunde, Verwandte, sie alle wären für immer akustisch abrufbar und stünden rund um die Uhr zur Verfügung.

Mich hat dieses Thema interessiert, weil hier die größte Hoffnung der Menschheit – die, den Tod zu besiegen – und die moderne, sich rasant entwickelnde K.I.-Technik erstmals auf eine reale Schnittmenge zuzusteuern scheinen: Wenn schon wahre Unsterblichkeit nicht möglich ist, dann vielleicht wenigstens das ewige Leben einer toten Stimme. Während die meisten Science-Fiction-Szenarien in Literatur und Film getrost als unterhaltsame Unmöglichkeiten gelten können, ist das in Nachspiel bzw. 'Exit' anders, denn hier kommt das, was uns berichtet wird, langsam näher. Vielleicht ist diese Geschichte also schon bald keine Genreerzählung mehr.
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Die Sammlung von Erzählungen '2029 – Geschichten von morgen', in dem auch 'Nachspiel' von Simon Urban veröffentlicht wurde, ist im Suhrkamp Verlag erschienen, herausgegeben von Stefan Brandt, Christian Granderath und Manfred Hattendorf. Elf Autorinnen und Autoren der Gegenwart erzählen darin von ihrer Sicht auf die nahe Zukunft. Ihre atmosphärischen, spannenden und emotionalen Near-Future-Geschichten, die die subtilen Veränderungen unseres Alltags durch die derzeitigen technologischen Veränderungen nachvollziehen, bergen viele Überraschungen jenseits der üblichen Dystopien. Neben Simon Urban finden sich Erzählungen von Emma Braslavsky, Dietmar Dath, Karl Wolfgang Flender, Thomas Glavinic, Olga Grjasnowa, Vea Kaiser, Dirk Kurbjuweit, Leif Randt, Clemens J. Setz und Nis-Momme Stockmann. Das besondere Irisdruckverfahren, in dem die Umschläge gedruckt sind, macht jedes Exemplar zu einem Unikat.

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