Interview mit Barbara Auer

Arnold (Ulrich Matthes) und Karin (Barbara Auer) im gemeinsamen Haus. Die Situation ist auf Grund des Auslandseinsatzes Ihres Sohnes angespannt.
Arnold und Karin im gemeinsamen Haus. Die Situation ist auf Grund des Auslandseinsatzes Ihres Sohnes angespannt. | Bild: WDR / Schiwago Film

Sie spielen Karen, eine Mutter, die ihren Sohn bei einem Auslandseinsatz verliert. Was gab für Sie den Ausschlag diese Rolle anzunehmen?

Ich wollte meiner größten Angst begegnen. Der Ur-Angst, die alle Eltern begleitet: dass meine Kinder vor mir sterben könnten und dass ich dann mit diesem Verlust und Schmerz leben muss.

Wie reagiert Karen als Chris seiner Familie mitteilt, dass er sich aus Überzeugung freiwillig für einen Auslandseinsatz gemeldet hat? Welche Haltung hat sie zu seiner Entscheidung?

Sie lehnt seine Entscheidung ab, wie überhaupt, dass er zur Bundeswehr gegangen ist. Sie hatte sich für Chris vorgestellt, dass er studieren würde, wie sie und ihr Mann. Das war selbstverständlich für sie. Dass ihr Sohn Soldat würde, lag außerhalb ihrer Vorstellungskraft und ihres Weltbilds.

Wie verändert sich das Verhältnis der Eheleute zueinander, während sie auf die Rückkehr des Sohnes warten?

Karen zieht sich zurück, wird depressiv, fängt an zu trinken. Sie kann ihren Alltag nicht mehr bewältigen und kann nicht arbeiten. Ihr Mann hält einerseits natürlich den Kontakt zu Chris, was Karen verweigert, und versucht anderseits, seine Frau wieder aus ihrem depressiven Loch zu ziehen, was ihm sogar ansatzweise fast gelingt. Aber Karen, die eigentlich der Mittelpunkt der Familie und gewohnt ist, den Ton anzugeben, reagiert umso starrsinniger und unnachgiebiger in dieser Situation, wo sie es plötzlich ist, die Hilfe braucht. Sie kann und will sich nicht helfen lassen.

Warum verweigert sich Karen, die Mails von Chris selbst zu lesen? Ist es Selbstschutz oder hat sie eine dunkle Vorahnung?

Nein, ich glaube, es ist Selbstschutz und diese Starrköpfigkeit, die ich gerade benannt habe. Ich hatte beim Drehen oft das Gefühl, dass Karen nicht nur Kummer und Sorgen umtreiben, sondern auch eine latente Wut.

Das Kind zu verlieren, ist die größte Angst einer Mutter. Wie schwer ist es nach einem Drehtag zu einem Film, wie "Fremder Feind", die innere Distanz zu schaffen? Wie sehr nimmt Sie so eine Figur, wie die der Karen, emotional mit?

So eine Figur braucht viel Raum, sie besetzt einen gewissermaßen. Obgleich die Figur der Karen keine große Rolle ist. Aber man kann sich natürlich der Energie dieses Schicksals und auch der Energie dieses Charakters nicht entziehen. Das begleitet einen in der Vorbereitung, während der Dreharbeiten und wirkt hinterher auch noch nach. Und dann merkt man plötzlich, wie viel Kraft sie einen gekostet hat.

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