Fragen an Charly Hübner

Andy (Charly Hübner) zeigt Annett (Christina Große) den anonymen Brief.
Andy erhält einen anonymen Brief. Zuerst hält er ihn für einen Scherz, doch die Vorwürfe wiegen schwer. Der anonym verfasste Brief wirft ihm vor, im Sommer 1990 eine junge Frau vergewaltigt und damit ihr Leben zerstört zu haben. | Bild: ARD Degeto / Manju Sawhney

Sie wurden damals im Osten Deutschlands geboren und wuchsen dort auf. Können Sie kurz resümieren, welche Auswirkungen die Wiedervereinigung auf Ihre persönliche Geschichte hatte?

Naja, ich wurde 17 als der innerdeutsche Zaun fiel – will heißen, ich saß rein pubertär schon auf Kohlen und da fühlte sich die biografische West-Erweiterung als weiteres Rumtummelgebiet an. Wäre diese Grenze geblieben, hätten mich einige Machtstrukturen der DDR gefordert: Mitglied in der SED, Militärdienst und die Stasi hätten bei mir als Kind zweier SED-Genossen*in auch geläutet. Das blieb mir alles erspart, weil die Berliner Betonplatten bröckelten.

Sie spielen in "Für immer Sommer 90" Andy Brettschneider. Was ist er für ein Typ Mensch?

Andy ist ein windiger, sehr zielbewusster und zielorientierter Satellitenmensch. Er braucht das beständige Gefühl von Dynamik und Veränderung – geografisch und seelisch. Er will gewinnen und das mit Schläue und ohne großen Lärm. Er ist charmant und hart. Er lebt allein aus Überzeugung und schaut im Prinzip nur nach vorn.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Mit Jan Georg Schütte, Lars Jessen und unserer Redakteurin Carolin Haasis gab es ein halbes Dutzend Gespräche, um herauszufinden, was und wen es für diesen Film braucht.

Hatten Sie bestimmte Charaktere im Kopf?

Nein, es ist ja immer ein Aufspüren von Momenten, die im Leben zuvor meinen Weg kreuzten, mich durcheinanderbrachten oder begeisterten. Und durch die Aufgabenstellung des Sujets mischen sich dann diese Erfahrungen mit den Gegebenheiten vor Ort.

Sie spielen nicht nur die Hauptrolle, sondern sind auch Mit-Autor beim Drehbuch. Wie kamen Sie auf die Idee für das Buch?

Es entstand aus unterschiedlichen Überlegungen. Ich fragte mich rein formal, wie das Improvisationskonzept von Jan Georg Schütte sich wohl im Roadmovie umsetzen ließe. Und Lars Jessen trieb ein Artikel eines Magazins um, in dem über die unterschiedlichen Biografien eines 1990erJahrgangs berichtet wurde. Dann kam der Lockdown mit all seinen Veränderungen und wir suchten nun nach den Möglichkeiten, dies alles zu bündeln.

"Für immer Sommer 90" ist ein Improvisationsfilm und zugleich eine Improvisationsserie. Was reizt Sie an dem Impro-Genre? Wie kann man sich einen typischen Drehtag am Set eines Impro-Projekts vorstellen?

Den offenen Moment so lange als möglich offenhalten und trotzdem etwas gestalten – das ist eine sehr große Freiheit. Das einzig Typische in all der Zeit ist die turmhohe Konzentration bei allen Spieler*innen und die gigantische Vorfreude auf den Spielmoment – du hast nur eine Chance! Wie Reispapier – fragil und stabil zugleich! Herrlich!

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