Interview mit Antje Traue

Ellen (Antje Traue) findet heraus, dass Harry ein Doppelleben führt.
Ellen macht sich zunehmend Sorgen um Harry findet heraus, dass er ein Doppelleben führt. | Bild: WDR

Frau Traue, was hat Sie an dem Buch gereizt?

Als ich das Drehbuch las, mochte ich die leisen Töne und die beklemmende Atmosphäre zwischen den Zeilen. Das gefiel mir. Die Brutalität der Geschichte besteht darin, dass ein einziges äußeres Ereignis das Leben vieler anderer komplett verändern kann. Die innere Verschiebung, die Harry nach dem schweren Unfall erlebt, finde ich sehr sensibel beobachtet und damit auch die Hilflosigkeit und Ohnmacht, die sich daraus für die anderen Figuren ergibt. Als ich Elke Hauck dann zum ersten Mal traf, konnte ich schnell spüren, dass diese Geschichte eine tief persönliche ist und sie Biographisches verarbeitet oder zur Sprache bringt. Dass die Geschichte meiner Figur Ellen in verschiedenen Aspekten ihrer eigenen nahe kommt, reizte mich.

Wie charakterisieren Sie Ellen und wie ihr Verhältnis zu Harry?

Ellen ist eine klare, selbstständige und warmherzige Frau. Ihre Entscheidung, als Polizistin den Dienst zu quittieren und angehende Polizisten*innen zu unterrichten, war sicherlich eine Entscheidung für ein ruhigeres Leben. Sie trifft in Harry den Mann, mit dem sie eine Familie gründen möchte und ist das erste Mal schwanger – von ihm. Harry hingegen hat bereits eine Familie. Das löst in ihr und damit auch in der Beziehung zu ihm eine große Spannung zwischen den gemeinsamen Träumen und Ängsten aus, die beide bisher nicht kannten. Nie vorher war Ellen so angewiesen auf eine verlässliche Bindung, die den Wunsch nach Nestbau und ihr Bedürfnis nach Geborgenheit tragen kann. Sie vertraut der Beziehung und glaubt an eine gemeinsame Zukunft. Stabil, verlässlich, mit beiden Beinen im Leben war Harry bisher stets ein Fels in der Brandung, bis er durch diesen tragischen Unfall und dessen Konsequenzen ins Wanken gerät und Ellen nur zusehen kann, wie er ein beinahe beängstigender Mann wird.

Wie beziehen Sie „Gefangen“, den Titel des Films, auf Ihre Figur?

Ellen versteht ihren Mann nicht mehr, findet zu ihm keinen Zugang mehr. Es breitet sich eine Ratlosigkeit in ihr aus. Insofern bezieht sich das Gefangensein vor allem auf Ellens Sprach- und Hilflosigkeit.

Wie erlebten Sie denn die Dreharbeiten mit dem Wolf?

Mit Tieren zu drehen ist immer, aber auch wirklich immer, ein Abenteuer. Ich war nie vorher Wölfen begegnet. Wir arbeiteten mit zwei Tieren. Eines von ihnen war wild, das andere bis zu einem bestimmten Grad dressiert. Es war ein besonderer Moment, als uns beide Tiere vorgestellt wurden und wir den ersten Kontakt mit ihnen hatten. Eine große Ehrfurcht stieg in mir auf, denn etwas tief Ursprüngliches umgibt sie. Ich empfand es als eine Herausforderung, die Schlussszene zu entwickeln. Es entspricht nun einmal nicht der Natur von Wölfen, Anweisungen zu folgen. Außerdem war es spät am Abend, als die Szene gedreht wurde, wir alle waren müde, die Wölfe auch. Die Kamerafahrten auf die Wege des Wolfes und der Schauspieler abzustimmen, verlangte Geduld. Ich glaube, dass wir alle erleichtert waren, als die Wölfe „Drehschluss“ hatten.

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