Interview mit Wolfram Koch

Harry (Wolfram Koch) sucht Rat bei seinem ehemaligen SEK Kollegen Kato.
Verzweifelt sucht Harry Rat bei seinem ehemaligen SEK Kollegen Kato. | Bild: WDR

Herr Koch, der Fernsehfilm "Gefangen" ist ein sehr ungewöhnlicher Film. Was hat Sie überzeugt, die Rolle von Harry anzunehmen?

Ich fand das Drehbuch extrem interessant und habe sofort zugesagt. Dass die Geschichte von Elke Hauck auf einem wahren Fall beruht, hat mich besonders beeindruckt. Mir gefiel die Idee, einen Mann zu spielen, dessen Leben sich nach einem traumatischen Erlebnis ganz leicht verschiebt. Der Polizist Harry, den ich darstelle, versucht, nachdem er eine vierköpfige Familie nach einem Unfall tot aus dem Auto ziehen musste, so weiter zu leben und zu arbeiten wie bisher, aber dann geschieht plötzlich etwas mit ihm. Diese sanfte Verschiebung, wie ich es nenne, beginnt in dem Moment, in dem er nach diesem schrecklichen Ereignis auf dem Nachhauseweg mit seinem Kollegen am Haus der ausgelöschten vierköpfigen Familie anhält. Er kannte deren Adresse, weil er einige Tage vorher mit dem Familienvater bei einer Verkehrskontrolle locker geplaudert hatte. Wie magisch fühlt sich Harry von dem Haus und der Familie angezogen.

Während eines seiner Besuche badet er in dem benachbarten See, malt sich mit Schlamm an, als wolle er jemand anderer sein …

Er möchte in eine andere Haut schlüpfen, vielleicht auch ganz verschwinden. Die Situation kippt, als Harry sich nach dem Schwimmen in dem See einen Pullover des Familienvaters anzieht und sich seinen Bart so rasiert wie dieser. Obwohl Harry versucht, sich gegenüber seiner neuen jungen Frau und seinen Kollegen im Polizeipräsidium so normal wie möglich zu verhalten, arbeitet der Schock in ihm. Dieser hat so etwas wie einen Baustein in ihm verrückt. Mir gefällt, dass Elke Hauck sich bei der Inszenierung der Geschichte nicht irgendwelcher Horrorelemente bediente, sondern sich für eine mystische Erzählweise entschied. Durch die Untermalung der Geschichte mit einer eher ungewöhnlichen Filmmusik hat "Gefangen" aus meiner Sicht etwas vom Stil und Inhalt eines "Film noir".

Warum sperrt sich Harry gegen die ihm angebotene professionelle Hilfe?

Wie meist in solchen Fällen meint man, selbst damit fertig zu werden.

Auch Harry glaubt das.

Hatten Sie keine Berührungsängste beim Drehen mit dem Wolf?

Der Wolf hat mich sehr fasziniert, aber Angst hatte ich nicht, weil sein Trainer die ganze Zeit dabei war. Aber ein Wolf bleibt natürlich ein wildes Tier, das darf man nicht unterschätzen. Das zeigte sich in der Szene, in der ich mit ihm am Boden balgte. Der Wolf hatte Angst und wollte plötzlich nur raus aus dieser Situation. Wir haben das respektiert, mit dem Ergebnis, dass wir diese Szene nur das eine Mal drehen konnten.

Ohne zu viel zu verraten: Gibt es am Ende eine Perspektive für Harry?

Harrys letzter Blick in dem Film fällt auf das Haus. Wie es mit ihm und seiner neuen Familie weitergeht, ist der Fantasie der Zuschauer*innen überlassen. Vieles in dieser Geschichte ist unvorhersehbar, rätselhaft und widersprüchlich, und vieles wird nicht erklärt – was mir persönlich sehr gefällt.

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