Tim Oliver Schultz ist Mick Sommer

Mick Sommer (Tim Oliver Schultz, Mitte) ist so etwas wie der Rockstar der Herstatt-Bank: das hell leuchtende Zentrum der "Goldjungs", der Garant für große Gewinne durch den Devisenhandel.
Mick Sommer ist so etwas wie der Rockstar der Herstatt-Bank: das hell leuchtende Zentrum der "Goldjungs", der Garant für große Gewinne durch den Devisenhandel. | Bild: WDR / Frank Dicks

Tim Oliver Schultz ist Mick Sommer

Mick Sommer ist so etwas wie der Rockstar der Herstatt-Bank: das hell leuchtende Zentrum der Goldjungs, der Garant für erkleckliche Gewinne durch den Devisenhandel. Seine Kleidung, sein Auftreten, seine Lässigkeit und auch seine Risikobereitschaft – all das unterscheidet den Sportwagenfahrer vom Banker der alten Schule. Tagsüber genießt er den Rausch der schnellen Geschäfte, abends den von Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll. Sein Selbstbewusstsein scheint grenzenlos zu sein, doch in seiner Biografie gibt es einen wunden Punkt.

Tim Oliver Schultz im Gespräch

Hatten Sie vor der Lektüre des Drehbuchs schon mal von der Herstatt-Bank gehört?

Ich kannte die Geschichte vorher nicht. Und ich bin tatsächlich sehr spontan zu diesem Projekt gekommen. An einem Montag habe ich das Drehbuch bekommen, am Dienstag habe ich es dann gelesen. Und dann kam auch schon der Anruf, dass ich mich noch am selben Tag entscheiden müsste. Zum Glück hat mir Jennifer, eine Maskenbildnerin, die ich schon kannte, eine Sprachnachricht geschickt. Sie erzählte mir, wie toll das Projekt sei und auch der Regisseur. Dass alles so bunt sei. Und dass es tolle Kostüme gebe. Ich habe mir Moods schicken lassen, also Stimmungsbilder, wie meine Figur gekleidet sein soll, mir noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen und gesagt: "Ja. Ich bin am Start."

Höre ich da eine gewisse Begeisterung bei Ihnen für die 70er heraus?

Die 70er waren eine verdammt coole Zeit. Gleich zu Beginn des Projekts habe ich eine Playlist erstellt und sie während der Dreharbeiten ständig gehört. Ich liebe die 70er sehr und habe, wenn ich nach einer Traumrolle gefragt wurde, immer gesagt: "Lou Reed in den 70er Jahren in Berlin." Dieses Jahrzehnt war tatsächlich immer schon ein bisschen mein Sehnsuchtsort. Ehrlich gesagt aber in Berlin und nicht in Köln. Aber jetzt war es halt Köln, und ich durfte die ganze Zeit mit einem wahnsinnig schönen 1971 gebauten, gelben Oldtimer durch die Gegend fahren und diese wunderschönen Klamotten tragen, in denen ich mich sehr wohl fühlte. Je mehr man sich mit den 70ern beschäftigt, desto klarer wird einem, wie spannend diese Zeit war.

Sie spielen einen Devisenhändler, der sehr viele Menschen um ihr Erspartes gebracht hat.

Mick Sommer würde jetzt sagen: "Na ja, spekulieren heißt nun mal, darauf zu wetten, dass etwas eintritt, was man nicht bestimmen kann. Und wenn mir die Leute ihr Geld geben, damit ich damit spekuliere und es vermehre, dann kann ich nichts dafür, wenn es sich nicht immer nur vermehrt, sondern eben auch mal etwas schief geht." Fakt ist, dass die Goldjungs tatsächlich viele Menschen reich gemacht haben. Dass das Geld von vielen Leuten dann auf einmal weg war, ist aber natürlich bitter und tut mir sehr leid. Wahrscheinlich sind Existenzen zugrunde gegangen, das ist total furchtbar.

Ist der Mensch von Natur aus gierig?

Ich würde nicht sagen, dass der Mensch von Grund auf gierig ist. Aber wenn er eine Chance wittert, dass sein Hab und Gut vermehrt werden kann, dann springt er auch schon mal darauf an. Natürlich gibt es Leute, die immer mehr haben wollen und den Hals nicht voll kriegen. Aber es gibt eben auch solche, die eher auf Nummer sicher gehen. Ich selbst zum Beispiel auch. Ich bin nicht so auf das Vermehren aus.

Was machen Sie stattdessen mit dem Geld, das Sie übrig haben?

Ich kaufe mir irgendetwas Konkretes. Gerade baue ich zum Beispiel auf dem Land eine kleine Datsche aus, mit Außenküche, Außendusche und Terrasse. Freunde und Kollegen von mir kaufen sich kleine Wohnungen und kriegen dann davon monatlich ein bisschen Miete rein, aber ich stecke das Geld lieber in dieses Grundstück, mache es mir dort schön und habe etwas davon.

Was ist das eigentlich für ein Geldstück, mit dem Mick Sommer offenbar gern herumspielt?

Ein Heiermann, also ein Fünf-Mark-Stück. Mick Sommer ist so ein Player-Typ, raucht unentwegt und lässt diesen Heiermann zwischen seinen Fingern umherwandern. Ich habe übrigens erst mal einen Riesenschreck bekommen, als ich im Drehbuch las, dass er die ganze Zeit raucht. Ich selbst rauche nicht mehr. Aber letztendlich ist es einfach ein Merkmal, das zu diesem Typen und in die Zeit passt, in der der Film spielt.

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