Wanda Perdelwitz im Interview

"Großstadtrevier - St. Pauli, 06:07 Uhr" - am 19. Mai 2021, 20:15 Uhr im Ersten
"Großstadtrevier - St. Pauli, 06:07 Uhr" - am 19. Mai 2021, 20:15 Uhr im Ersten | Bild: NDR / Thorsten Jander

Eigentlich wirft Nina Sieveking nichts so schnell aus der Bahn. Sie ist eine toughe, junge Polizistin, die den Widrigkeiten des Lebens und den Gesetzesbrechern im Job mit einem Lächeln die Stirn bietet. Nina nimmt sich, was sie will. Und muss nun schmerzhaft erfahren, wie ihr etwas genommen wird: Vertrauen und Würde.

Wanda Perdelwitz über Nina Sieveking

Sie füllen Ihre Rolle als Nina Sieveking auf neue, andere Weise mit Leben. Wie war diese Erfahrung?

Obwohl sie schon viel erlebt hat in ihrer Polizeilaufbahn, traumatisiert diese Gewalterfahrung Nina schwer. Sie versucht, sich wieder zu fangen, zu integrieren, aber es gelingt ihr nicht, die Flashbacks loszuwerden und erneut Vertrauen zu fassen. Diesen Abgrund, diese dunkle Seite zu spielen, war eine Herausforderung, die viel Recherche und Vorbereitung bedurfte. Es war für mich, auch durch die wundervolle Zusammenarbeit mit dem Regisseur Félix Koch, eine wirkliche Bereicherung.

Worauf haben Sie bei der Darstellung Ihren Fokus gelegt?

Es ging darum, Nina zu zeigen, wie sie versucht, ihr Leben zu leben, als wenn nichts wäre und die schlimme Erfahrung so zu negieren. Da sie sich am Anfang niemandem öffnen kann, war es kaum möglich, auch die Verletzung der Figur zu zeigen. Die Herausforderung bestand darin, diese bei aller Härte und Aggression trotzdem durchblitzen zu lassen.

Warum hat das Thema Zivilcourage in Ihren Augen nach wie vor große Bedeutung?

Als ich Freunden von der Geschichte erzählte, waren sie begeistert und fühlten sich davon gleich angesprochen. Es ist ein universelles Thema, da fast jeder schon mal in einer Situation steckte, in der er sich wehrlos fühlte oder er kennt zumindest die Angst davor. Die Hoffnung, dass dann jemand aufsteht, den Mund aufmacht und hilft, ist groß. Wie schön wäre es, wenn wir in solchen Momenten zusammenhielten.

Mit der Filmrolle verschwanden Ihre langen Haare: Was macht das Äußere mit dem Inneren?

Mehr, als ich erwartet hatte. Davon abgesehen, dass man anders wahrgenommen und behandelt wird, ändert sich auch die innere Haltung. Deswegen war es mir so wichtig, keine halben Sachen zu machen. Ich wollte nicht, dass Nina noch irgendwie hübsch aussieht, nachdem sie auf brutalste Weise misshandelt wurde und die Täter auch ihre Haare abschnitten. Es macht auch ihr Trauma verständlicher. Ich fühlte mich plötzlich viel angreifbarer, verletzlicher und nackter und das war genau das Richtige für Nina in der Situation. Privat ist es ein interessanter Typwechsel. Ich empfinde es als irre befreiend, nicht mehr festgelegt zu sein auf die langen, mädchenhaften Haare.

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