Ein Gespräch mit Iris Berben

Ebba (Iris Berben) ist am Strand eingeschlafen
Ebba ist am Strand eingeschlafen. | Bild: ARD Degeto / Conny Klein

»Leichtigkeit und Vielschichtigkeit«

In "Mein Altweibersommer" spielen Sie eine Frau auf der Suche nach sich selbst. Beschreiben Sie uns doch Ebba? Was ist sie für ein Mensch?

Ebba ist eine starke, impulsive und kluge Frau in ihren Sechzigern, die eigentlich gar keinen besonderen Grund hat, auszubrechen. Doch in ihrem Kopf sind diese Gedanken: Was habe ich vom Leben noch zu erwarten? Bin ich glücklich und zufrieden oder fehlt mir doch etwas? Sie beginnt, ihren Status Quo zu hinterfragen. Es scheint, als würde sie ein Resümee ziehen. Plötzlich spürt sie Sehnsucht und auch eine gewisse Ungeduld, und sie fragt sich, ob sie die Gefühle ignorieren oder ausleben soll.

Was genau bedeutet für Ebba das Bärenkostüm? Wofür steht die Verwandlung? Und was löst es in ihr aus?

Das Kostüm ist natürlich als eine Metapher zu verstehen. Allein das Tragen des Bärenkostüms verändert alles und gibt Ebbas Sehnsucht nach Freiheit eine Form. Die Verwandlung in einen Bären löst in ihr eine Veränderung aus: Sie fühlt sich plötzlich frei. Sie kann unter dem Kostüm alles sehen, aber niemand sieht sie. Dadurch wird sie eine andere: die tanzende, losgelöste Bärin.

Kennen Sie persönlich auch Phasen der Neuorientierung? Und können Sie Ebbas Entscheidung verstehen?

Ich verstehe Ebbas Entscheidung absolut. Als analytisch denkender Mensch stellt man sich und sein Leben oft in Frage. Auch in meinem Leben gab es Phasen der Neuorientierung – privat wie beruflich. Solche Situationen sind nie einfach, aber wichtig. Meistens sind das mutige, aber auf keinen Fall leichtfertige Entscheidungen. In Ebbas Fall stellt sich die Frage: Verlasse ich mein altes Leben oder verändere ich etwas darin? Nach ihrer Erfahrung im Zirkus entscheidet sich Ebba für ihre Beziehung, aber nicht für ihr altes Leben, sie wird eine andere sein.

Wie würden Sie das Verhältnis von Ebba zu ihrem Ehemann Markus beschreiben? Warum lässt sie sich auf eine Affäre mit Arne ein?

Ich glaube, die Affäre hat mit dem Ausbruch aus einer Beziehung zu tun, in der manches für allzu selbstverständlich angesehen und auch nicht mehr hinterfragt wird. Denn eigentlich gibt es keinen besonderen Anlass für Ebba auszubrechen. Es ist eher dieses Bedürfnis nach mehr Leichtigkeit im Leben. Diese Affäre ist schlichtweg eine Erfahrung, etwas was sie unbedingt leben will. Die Gedanken an die Konsequenzen kommen ihr erst im Nachhinein. Ebba wusste von Anfang an, dass es keinen Mann braucht, um sie zu verändern – das war auch nicht ihr Antrieb. Durch den anderen Mann fühlt sie sich zwar als Frau wahrgenommen, aber ihre Sehnsucht ist eine andere: Wer bin ich? Was will ich noch im Leben? Was ist es, das ich brauche?

Dies ist ihre zweite Zusammenarbeit mit der Drehbuchautorin Beate Langmaack nach dem Drama "Hanne", welches mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Was zeichnen aus ihrer Sicht ihre Drehbücher und Figuren aus?

Beate Langmaack ist das, was man sich als Schauspielerin oder Schauspieler nur wünschen kann. Sie erzählt so intensiv. Ihre Dialoge sind auf den Punkt und lassen dabei Freiraum zum Spielen. Ihre Figuren zeichnet sie mit einer solchen Genauigkeit – speziell bei "Hanne" und "Mein Altweibersommer" sind es Frauen, die im Vordergrund stehen. Beide Frauen haben so viel Leben hinter, aber auch noch vor sich. Das beschreibt sie mit einer wunderbaren Sensibilität, aber auch mit Humor, ohne moralisch zu werden. Selbst ernstere Themen erzählt sie mit großer Leichtigkeit und Vielschichtigkeit – und das in nur 90 Minuten.

Sie feiern im August 70. Geburtstag. Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken, was war für Sie das Prägendste? Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Das Prägendste war sicherlich die Geburt meines Sohnes. Ab da traf ich Entscheidungen im Hinblick auf meinen Sohn. Geprägt haben mich außerdem die 1960er Jahre, die Zeit, in der ich groß geworden bin. Wir wollten ein anderes Leben und nicht nahtlos so weitermachen wie die Generation vor uns. Diese Zeit hat mich gelehrt, vieles zu hinterfragen, und mir verdeutlicht, was mir wichtig ist im Leben: Haltung. Ich wollte als Schauspielerin nie in einem Elfenbeinturm sitzen, sondern mich einbringen und auch Verantwortung für die Gesellschaft tragen. Mein Wunsch für die Zukunft ist deshalb, dass die Gesellschaft nicht weiter auseinanderdriftet, sondern wir einen gemeinsamen Konsens finden. Wir merken, die Welt kann uns in kürzester Zeit vor neue Herausforderungen stellen. Sich diesem Prozess zu stellen, flexibel zu bleiben, hört also nie auf.

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