Statement des Regisseurs Dustin Loose

Ebba (Iris Berben) schlüpft in ein Bärenkostüm.
Ebba schlüpft in ein Bärenkostüm. | Bild: ARD Degeto / Conny Klein

»Nur wenige Zeilen des Drehbuchs zu 'Mein Altweibersommer' genügten, um mich – im wahrsten Sinne des Wortes – mit auf eine Reise zu nehmen. Die Autorin Beate Langmaack schafft es in ihren Geschichten immer wieder, die Figuren miteinander schweben zu lassen, mit all ihren Sorgen und Gedanken, wach und auf der Suche nach dem Besonderen, der Poesie im Alltäglichen, voller Selbstironie und immer mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern.

Die Geschichte von Ebba und ihrem 'Ausbruch' hat mich vor allem deswegen überzeugt und gefesselt, weil es scheinbar keinen auslösenden Anlass gibt. Keine offensichtliche Not, nur diese flirrende Sehnsucht, die sie plötzlich erfasst hat, der Wunsch und die Frage nach dem, was da in ihrem Leben noch so kommen mag. Teil eines Wanderzirkus zu sein, so unabhängig und frei in der Wahl der Reiseroute, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und in den Bann zu ziehen, ist ein Katalysator für Ebbas Sehnsucht. Dabei gibt ihr der Bär, in dessen Haut sie schlüpft, Schutz und Wagemut zugleich. Ein Tier, wie aus einem Märchen, weise und liebenswürdig, aber von einer Sekunde zur anderen auch gefährlich und wild. Und wer nicht aufpasst, kann von der Bärenstärke auch übermannt und mitgerissen werden.

Ich bin überzeugt, dass sie vielen der sogenannten 'best ager' damit aus der Seele spricht. Obwohl ich als Filmemacher nun selbst noch nicht zu dieser Generation gehöre, aber selbst Kind und Sohn bin, habe ich den starken Wunsch verspürt, mit diesem Film unseren Müttern und Vätern Ebbas Mut zuzusprechen, um genau diesen Fragen nach- und dieses Risiko einzugehen. 'Mein Altweibersommer' ist für mich jedoch keine Geschichte über das Weglaufen, sondern über das Ankommen.

Auf die Arbeit mit Iris Berben habe ich mich sehr gefreut. Eine so wandelbare, ehrliche und kluge Schauspielerin, die Generationen von Menschen begeistert, berührt und fasziniert, ist ein Geschenk für unseren Film und auch für mich als Filmemacher. Die Schonungslosigkeit, mit der Iris Berben sich ihrer Rolle hingegeben, sie immer wieder hinterfragt und ihre Darstellung dennoch so intuitiv und voller Humor gestaltet hat, hat mich sehr beeindruckt. Ebenso wie das große Vertrauen, das sie mir als jungem Filmemacher – trotz all ihrer langjährigen Erfahrung – geschenkt hat, voller Neugier und sprühend vor Inspiration und Mut. Was kann man sich als Regisseur mehr wünschen?

Die Dreharbeiten zu 'Mein Altweibersommer' haben nahezu vollständig an der polnischen Ostseeküste stattgefunden. Es hat mich fasziniert, welche eindrucksvollen Motive das Team um meinen Kameramann Clemens Baumeister und die Szenenbildnerin Marion Foradori gefunden hat, die sowohl Ebbas Sehnsucht, ihre Kraft, aber auch Verlorenheit immer wieder bebildern und an die wir das für unsere Produktion angefertigte, wunderschöne Zirkuszelt stellen konnten. Auch für Dreharbeiten sehr komplexe Motive, wie das Containerterminal zu Filmbeginn und das Krankenhaus, in dem unsere Geschichte mehrfach spielt, konnten wir mit tatkräftiger Unterstützung der polnischen Produktionspartner für unseren Film gewinnen.«

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