Fragen an Jonas Hämmerle

Pierre (Jonas Hämmerle) trifft auf Jennifer Reitwein (Emma Bading) in der Schule.
Kürzlich mit ihren Eltern Frank und Ariane umgezogen, findet sie keinen richtigen Anschluss bei den neuen Mitschülern. Pierre trifft auf Jennifer Reitwein in der Schule. | Bild: ARD Degeto/BR / Alexander Fischerkoesen

Fragen an Jonas Hämmerle

Jennifer bewundert Pierre, verliebt sich in ihn, traut sich aber nicht, es ihm zu sagen. Erst über den virtuellen Weg nähern sich die beiden an. Können Sie nachvollziehen, warum Jennifer diesen Weg wählt?

Ich kann das absolut nachvollziehen. In vielerlei Hinsicht wird die Hemmschwelle durch einen virtuellen Weg verringert: Man traut sich Sachen, die man in der realen Welt vielleicht nicht tun oder sagen würde, weil man komplett anonym sein oder zumindest durch ein Pseudonym eine bestimmte Identität erschaffen kann. Ich glaube, dass Jennifer darin die Möglichkeit sieht, eine "bessere" Version ihrer selbst zu kreieren, durch die sie viel selbstbewusster ist.

Es entspinnt sich eine zarte Beziehung. Was fasziniert Pierre an Jennifer?

Es ist vielleicht ein Klischee zu sagen, dass Pierre Jennifers Einzigartigkeit am faszinierendsten findet, aber ich glaube, dass es auf jeden Fall zutreffend ist.

Dann verändert sich Jennifer zusehends und Pierre distanziert sich von ihr. Was hat sich geändert?

Jennifer ist sich dem sozialen Druck, sich ihrer neuen Umgebung anzupassen, schmerzlich bewusst, geht darauf jedoch kaum ein und weiterhin ihren eigenen Weg. Das wird nur leider auch zu ihrem Verhängnis, weil es als Katalysator ihrer Sucht wirkt. Sie verliert sich zunehmend in der virtuellen Welt, weil sie sich dort wohler und nicht als Außenseiter fühlt. Ihr Ringen mit den beiden Welten und die Auswirkungen ihrer Sucht führen dazu, dass ihre sozialen Kontakte und nicht zuletzt die Beziehung zu Pierre scheitern.

Pierre fällt es leichter als Jennifer, Abstand zum Game zu gewinnen. Wie geht es Ihnen mit der Games-Welt? Sind Sie selbst Gamer? Können Sie die Faszination der virtuellen Welt nachvollziehen?

Ich selber spiele auch hin und wieder mal, jedoch fast ausschließlich mit meinem Mitbewohner. Es ist also, wie für Pierre, eher in einem sozialen Kontext und nicht ein Weg, der Realität zu entfliehen. Trotzdem meine ich, diesen grundlegenden Aspekt des Spielens sehr gut verstehen zu können. Ich sehe wie bei Büchern oder Filmen die Faszination darin, in eine andere Welt eintauchen zu können. Beim Gamen wird dies durch die Möglichkeit, in der Welt zu handeln oder gar Einfluss zu nehmen, verstärkt. Aber auch ich muss mir manchmal an die eigene Nase fassen und klarmachen, dass ich vielleicht zu viel Zeit am Handy oder vorm Laptop verbringe. Es ist leider viel zu einfach, sich vor die Dinger zu klemmen und berieseln zu lassen, nur um sich die Zeit zu vertreiben und Langeweile vorzubeugen.

Jennifer gleitet ab in eine Welt, in der sie jeglichen Kontakt zur Außenwelt verliert. Finden Sie das realistisch? Was meinen Sie, kann man tun, um nicht den Kontakt zur Realität zu verlieren?

Ich selber kenne kein Beispiel dafür, finde es aber durchaus realistisch. Die Sucht nach Gaming ist auch nicht grundlos seit letztem Jahr offiziell anerkannt; es ist ein ernstzunehmendes Problem. Bei der Frage, was man dagegen tun kann, tue ich mich allerdings schwer, was für mich den Kampf von Jennifers Eltern, das Richtige tun zu wollen, umso glaubhafter und nachvollziehbarer macht. Ich wüsste es nämlich genauso wenig. Ich glaube, es wäre in erster Linie wichtig, der Sucht durch eine gute Balance zwischen den beiden Welten vorzubeugen. Ansonsten würde ich sicherstellen, dass die süchtige Person etwas in der realen Welt hat, wofür es sich lohnt, den Kontakt dazu nicht zu verlieren.

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