Fragen an Victoria Mayer

Adriane Reitwein (Victoria Mayer).
Adriane Reitwein. | Bild: ARD Degeto/BR / Alexander Fischerkoesen

Fragen an Victoria Mayer

Sie spielen Ariane am Anfang als sorgende und aufmerksame Mutter. Ab einem gewissen Moment reißt der Kontakt zu Jennifer ab. Es hat sich eine Wand zwischen Mutter und Tochter aufgebaut. Kennen Sie dieses Unverständnis zwischen den Generationen?

Mein Vater hat mir erzählt, dass er als Schüler in den 60ern in der Garage seiner Eltern eine Jeans versteckt hatte, die er vor der Schule heimlich angezogen hat, weil meine Oma die schrecklich fand und es ihm nicht erlaubt hat. Als ich ein Teenager war, gab es auch Situationen, in denen meine Eltern z.B. meinen Kleidungs- oder Musikgeschmack nicht nachvollziehen konnten. Genauso kann ich heute auch nicht immer verstehen, warum meine Kinder dies oder jenes gut finden. Diese Form von Fremdheit zwischen Generationen, das unterschiedliche Erleben der Welt und ihrer Moden, hat es wohl immer schon gegeben – und wird sich wahrscheinlich auch nie ändern.

Muss es dieses "Fremdwerden" zwischen Eltern und Kindern geben, braucht es unterschiedliche Welten, um ein Kind in die Adoleszenz zu führen?

Wichtig ist doch, dass es eine gemeinsame Schnittmenge gibt, in der man sich treffen und auseinandersetzen kann. Zwei unterschiedliche Welten können sich ja auch gegenseitig bereichern. Wenn es keine Verbindung mehr zwischen diesen Welten gibt, wenn der Kontakt abreißt – wie in unserem Film – dann wird es ein Problem.

Jennifers Verhalten ist mehr als nur Abnabelung, sie hat ein ernstes Problem. Sie ist einsam und nicht mehr in der Lage, nach außen zu kommunizieren. An welche Grenzen stoßen Sie in Ihrer Rolle als Mutter von Jennifer?

Vor Drehbeginn hatten wir während der Proben eine intensive Improvisation, in der ich als Ariane irgendwann laut schrie: "Diese Spiele sind so wertlos!" Hinterher wurde mir an Emmas Reaktion bewusst, wie sehr ich sie in der Rolle von Jennifer damit verletzt hatte. Ariane urteilt über Jennifers Leidenschaft fürs Spielen, aber sie ist nicht bereit zu verstehen, was Jennifer dort sucht – und ja auch findet. Ariane verliert in dem Moment die Verbindung zu ihrer Tochter, wo sie aufhört, sich für ihre Welt zu interessieren. Das erlebe ich selbst als Mutter, wie unglaublich wichtig es ist, sich für die Themen der Kinder zu interessieren, selbst wenn man ihre Begeisterung dafür nicht immer verstehen kann.

Können Sie Spielesucht nachempfinden?

Mit Mitte 20 habe ich in München mit zwei Freunden in einer WG gewohnt. Der eine hatte eine Playstation und da habe ich zum ersten Mal Computerspiele gespielt. Vorher hatte ich damit wenig Berührung. Manchmal sind wir für Stunden darin abgetaucht, das hat ziemlich viel Spaß gemacht. Aber ich habe das auch als erschreckend in Erinnerung, wie sich die eigene Wahrnehmung ändert und man hinterher den Spielmodus für eine Weile mit in die Realität zurücknimmt. Ich kann die Faszination schon verstehen, in so eine fremde, ja auch sehr phantasievolle Welt abzutauchen. Aber ich selbst bin nicht wirklich ein Suchtmensch, zumindest seitdem ich mir vor 14 Jahren das Rauchen abgewöhnt habe...

Glauben Sie, dass eine bessere oder auch von außen begleitete Kommunikation, z.B. das frühere Einbeziehen eines Therapeuten, das Kind vor Schlimmerem bewahrt hätte?

Wenn ein Mensch suchtkrank wird, ist das für seine ganze Familie eine sehr große Belastung. Da reicht auch viel Liebe alleine nicht aus. Dann ist jemand mit neutralem Blick von außen wirklich wichtig, wie ein Therapeut, der – in unserem Fall – dem Mädchen helfen könnte, überhaupt ein Bewusstsein für ihre Sucht zu erlangen. Das als Angehöriger zu leisten, ist fast nicht möglich. Das hat mich an der Geschichte von "Play" sofort sehr berührt: zu verfolgen, wie diese drei Menschen, obwohl sie sich lieben, die Offenheit, das Vertrauen zueinander verlieren, bis sie sich gegenseitig nur noch als Gegner erleben, mit Misstrauen und Wut.

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