Kurzinterview mit Ernst Stötzner

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, kümmert sich Katharinas Vater Johannes (Ernst Stötzner) liebevoll um seinen kleinen Enkel. Er würde auch auf Franz aufpassen, wenn seine Schwiegertochter Ellen (Susanne Wolff) arbeiten geht. Doch die wehrt ab.
Wenn sich die Gelegenheit ergibt, kümmert sich Katharinas Vater Johannes liebevoll um seinen kleinen Enkel. Er würde auch auf Franz aufpassen, wenn seine Schwiegertochter Ellen arbeiten geht. Doch die wehrt ab. | Bild: WDR / Martin Valentin Menke

Ihre Figur verhält sich definitiv nicht immer fair, trotzdem erscheint sie keinesfalls unsympathisch. Wie schwierig war dieser Balance-Akt, und wie sind Sie diese Rolle angegangen?

Naja, "fair" ist in diesem Zusammenhang etwas kompliziert, denn wir haben es ja mit Gemütsbewegungen zu tun, die der Selbstbeobachtung auch entzogen sein können. Und gerade Verhaltensweisen, die man bei sich toleriert, toleriert man nicht zugleich bei anderen. Wie oft weiß ich über Normen und Ideale Bescheid, kann sie auch bei anderen einfordern und sie gleichzeitig bei mir selbst geflissentlich missachten. Da können Menschen leicht einen blinden Fleck entwickeln. Gerade, wenn es um Herzensangelegenheiten geht, denen gerne zugeschrieben wird, dass sie von höheren oder tieferen Instanzen bestimmt werden, will man auf manche Reflexion erst mal verzichten. Wenn wir nicht überlegen müssen, glauben wir gerne, unsere Gefühle, unser Denken und unser Handeln wäre noch richtiger, weil das Gefühl in solchen Zusammenhängen als die höhere Instanz angesehen wird, einschließlich aller Täuschungen. Im Falle von Johannes denke ich, dass er keine Kontrolle über sich hat und absolut nicht die Statur besitzt, ein Kind groß zu ziehen, dass er aber dieses Kind liebt und der Überzeugung ist, dass nur er solche besonderen Gefühle besitzt. Er befindet sich in einer sehr besonderen Ausnahmesituation und entwickelt die Obsession, der eigentliche Vater zu sein. Insofern ist das Spielen wiederum leicht, denn die Rolle kommt ja zu mir, ich muss nicht unbedingt auf schwierigen Pfaden zu ihr hin.

Wie wichtig ist Ihnen als Schauspieler, dass Filme gesellschaftspolitische Themen aufnehmen?

Interessant ist die Geschichte für mich deshalb, weil mir noch einmal sehr deutlich geworden ist, wie sehr ja das, was wir so groß emotional besetzen wie die Familie, in seinem Kern erst mal doch etwas ganz und gar Fernes und Freies ist. Dazu müssen erst mal Menschen zueinander finden, die gerade nicht Familie sind. Als Kind ist uns zwar die Beziehung zu den Eltern das Vertrauteste, aber die Eltern mussten erst für sich selbst Vertraute werden, das können sie von sehr entfernten Punkten aus geworden sein. Das heißt, Familie ist eben immer auch in vieler Hinsicht etwas ganz Offenes und Wählbares. Eigentlich eben grenzenlos. Das Typische ist eben nicht alles, sondern nur typisch.

Nana Neul findet, dass Sie und Victoria Trauttmansdorff ein gutes Paar seien. Was zeichnet das Zusammenspiel mit ihr aus?

Blindes Vertrauen … eine große Zuneigung.

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