Susanne Wolff im Gespräch

Ellen (Susanne Wolff) ist zwar Vormund des kleinen Franz, das Sorgerecht hat sie ohne Adoption aber nicht. Es beginnt ein Kampf um „Unser Kind“.
Ellen ist zwar Vormund des kleinen Franz, das Sorgerecht hat sie ohne Adoption aber nicht. Es beginnt ein Kampf um "Unser Kind". | Bild: WDR / Martin Valentin Menke

Nana Neul erzählte, dass Sie von Anfang an für die Hauptrolle feststanden und alle anderen um Sie herum gecastet wurden. Passiert Ihnen das öfter?

"Öfter" würde ich nicht sagen, aber ich bin durchaus schon ein paarmal in diesen Genuss gekommen. Es ist tatsächlich ein Genuss, wenn man derart entspannt in ein Casting gehen und gemeinsam ausprobieren kann, wie man zueinander passt. Darüber hinaus ist mir gerade bei dieser Produktion aufgefallen, dass man durch die unterschiedlichen Schauspielkollegen, die zu so einem Casting kommen und zu denen man sich in den Spielszenen jeweils anders verhält, auch noch mal etwas über seine eigene Figur erfährt. Das fand ich sehr lustvoll und sehr, sehr gut.

Waren Sie selbst auch sofort der Meinung, dass Sie zur Rolle der Ellen passen?

Auf jeden Fall habe ich sofort einen Zugang zu ihr gefunden. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich jetzt schon ein paarmal Mütter gespielt und mit kleinen Kindern gedreht habe. Es war also nicht so, dass das für mich etwas erschreckend Neues war und ich nicht wusste, wie man das darstellt. Und weil das ja eine hundertprozentig realistische Geschichte ist, musste ich mich auch nicht in einen verqueren Charakter hineindenken – im Gegenteil.

Wieso "im Gegenteil"?

Als Schauspielerin ist man ja immer auf der Suche nach etwas, was die Figur auszeichnet und herausstellt. Im Theater ist das noch stärker so als im Film. Dieses Mal bestand die Herausforderung aber darin, die Figur ganz der Geschichte unterzuordnen. Wir erzählen zwar keine Geschichte, die sich genauso ereignet hat, aber wir machen auf ein Problem in unserer Gesellschaft aufmerksam, von dem viele betroffen sind und das es gesetzlich zu lösen gilt. Daraus ergibt sich eine Verantwortung, der wir gerecht werden mussten. Es ging uns nicht darum, die Frage aufzuwerfen, welche Figur das Kind bekommen soll. Sondern es ging darum zu zeigen, dass homosexuelle Paare beim Abstammungsrecht nach wie vor benachteiligt werden.

Was bedeutete das konkret für Ihre Arbeit?

Mir war klar, dass es auf keinen Fall einen Moment geben darf, in dem die Zuschauerinnen und Zuschauer Ellen wegen irgendeiner von mir angelegten Schrägheit, wegen eines unsympathischen Charakterzuges verlassen und sagen: "Also, mit dieser Frau hätte ich auch meine Probleme, ich fände es besser, wenn dem Samenspender das Kind zugesprochen wird." Es wäre aber auch nicht im Sinne der Geschichte gewesen, Ellen dermaßen sympathisch zu spielen, dass alle sagen: "Die Witwe der Mutter ist dermaßen nett, sie muss unbedingt das Kind bekommen" Als Schauspieler mussten wir dafür Sorgen tragen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Sicht auf die Dinge nicht an den Figuren und deren Charakter festmachen.

War Ihnen vor der Lektüre des Drehbuchs klar, was für Probleme das Abstammungsrecht für homosexuelle Paare mit sich bringt?

Nein, das war mir in dieser Dimension nicht bewusst. Das fand ich mit am Schmerzhaftesten, dass Ellen nicht nur irgendwie mit dem Verlust ihrer geliebten Frau klarkommen muss, sondern dass sie zudem auch noch realisiert, was sich da auf einmal aus einer freundschaftlichen Verabredung heraus entwickelt. Diese Verabredung lautete ja: Die beiden Frauen bekommen den Samen, und damit ist die Sache für den Samenspender erledigt. Dass sich dann zeigt, dass ein Samenspender mehr Rechte hat als die Witwe der leiblichen Mutter, das finde ich schon erschreckend. Ich höre in letzter Zeit immer häufiger von Kindern, die in unterschiedlichen Paarkonstellationen geboren werden. Vor dem Hintergrund dieses Films hoffe ich für die Kinder, dass die Eltern im Hinblick auf Sorgerecht und Adoption alles frühzeitig klären.

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