Interview mit Felix Klare

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Tom (Felix Klare), Anni (Lisa Marie Trense) und Julia (Julia Koschitz) als glückliche Familie.
Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Tom, Anni und Julia als glückliche Familie. | Bild: SWR/FFP New Media GmbH / Martin Valentin Menke

Interview mit Felix Klare

Was ging Ihnen beim Lesen des Drehbuchs durch den Kopf, welche Emotionen hatten Sie dabei?

Als ich das Drehbuch in die Hände bekam, habe ich sofort gemerkt, dass dies ein sehr brisanter Stoff ist, den es zu erzählen gilt. Das Buch ist sehr genau recherchiert und absolut realistisch geschrieben. Hier erst mal einen großen Dank an die Autorin Katrin Bühlig und die Macher des Films: Produzenten Simone Höller, Producerin Anemone Müller, Redakteurin Claudia Gerlach-Benz, und Regisseur Alexander Dierbach, dass sie sich dieses wichtigen Themas angenommen haben.

Was hat Sie an der Darstellung von Tom gereizt?

Für meine Figur Tom hätte der Film auch den Untertitel tragen können: »Weil du mir gehörst – ein Vater dreht durch«. Es hat mir eine emotionale Kurve abverlangt, die sich von einer passiven Rolle hin zu einem Pulverfass der Ungerechtigkeiten empor geschraubt hat, dem aber immer ein gesetzmäßiger Riegel vorgesetzt wurde. Ein Horror für Tom – eine Herausforderung, ein Geschenk für mich als Spieler. Ich liebe Rollen, die mich an Grenzen bringen, die mich fordern, für die es Mut braucht, die Emotionen nachvollziehbar zu zeigen, denn das ist aus meiner Sicht das größte Wagnis und die Pflicht des Spielers: seine Figur für den Zuschauer, im direkten Sinne, erlebbar zu machen, dass man mitgeht, mitfühlt, sich verbindet – durch die Leinwand hindurch. Manchmal gibt es Rollen mit großen Herausforderungen, mal mit weniger, aber ich kämpfe immer dafür, es zu versuchen. Hier hat es mir großen Spaß gemacht, und ich bin den Verantwortlichen dankbar, dass sie ihr Vertrauen in mich gesetzt haben.

Wie sahen die Vorbereitungen auf Ihre Rolle aus?

In den Vorbereitungen haben wir uns sehr detailiert mit dem Thema Eltern-Kind-Entfremdung auseinandergesetzt, diskutiert und an den Dialogen und Situationen gefeilt. Auch über die Vorgeschichte zwischen Tom und Julia, ihre Beziehung, Ehe, Trennung haben wir gesprochen. Darüber könnte man schon einen eigenen Film machen. Aber hier geht es in erster Linie um das Kind und die Eltern-Kind-Entfremdung.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihren Kolleginnen bei dieser schwierigen und aufwühlenden Thematik?

Die Arbeit, allen voran mit Julia Koschitz und Lisa Marie Trense, hat sehr gut funktioniert, weil unser Regisseur eine äußerst behutsame Atmosphäre während der Dreharbeiten geschaffen hat. Wir konnten ausprobieren, hinspüren, konzentriert arbeiten. Alle Teammitglieder waren absolut fokussiert auf das, was wir da erzählen. Das war außergewöhnlich. Hier noch einmal einen großen, herzlichen Dank an Alexander Dierbach!

Was kann oder sollte ein Film wie »Weil du mir gehörst« bewirken? Wie wichtig finden Sie es, diese Thematik in den Mittelpunkt einer fiktionalen Geschichte zu stellen?

Dass unser Film in dem Ausmaß, wie er jetzt Gehör findet, Aufmerksamkeit bekommt – auch auf Filmfestivals – war mir nicht klar. Da haben wir den Nerv der Zeit getroffen. Das ist toll, besonders für die betroffenen Menschen. Ich hoffe, dass wir mit diesem Film dazu beitragen werden, dass sich diesbezüglich etwas ändert, besonders für die Kinder, denn das sind allen voran die Leidtragenden. Auf deren Schultern all dies lastet oder besser, deren Seelen wir uns gegenüber verantwortlich zeigen müssen! Ich finde es großartig und wichtig, auch Filme machen zu können, die Sinn und Aufklärung beinhalten, und wünsche mir, dass solche Filme in der Branche mehr Aufmerksamkeit und auch Auszeichnungen für alle Gewerke bekommen. In diesem Sinne wünsche ich diesem Film eine effektive Reise und dass er vor allem die Leute erreicht, die die Macht haben, etwas an unseren bisherigen Strukturen ändern zu können – für die Kinder, für die Eltern, für Familien, für uns alle.

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