Statement von Katrin Bühlig

Auch nach der Scheidung der Eltern haben Anni (Lisa Marie Trense) und Tom (Felix Klare) ein entspanntes und inniges Verhältnis zueinander.
Auch nach der Scheidung der Eltern haben Anni und Tom ein entspanntes und inniges Verhältnis zueinander. Tom hat, anders als Julia, eine neue Partnerin. Mit Jenny und ihrer kleinen Tochter Mia versteht Anni sich gut, es wächst so etwas wie eine neue Familie zusammen.  | Bild: SWR/FFP New Media GmbH / Bernd Spauke

Statement der Drehbuchautorin Katrin Bühlig

Es gibt Filme, die kann man als Autorin schreiben, weil sie unterhaltsam, spannend oder lustig sind. Und es gibt Filme, die man schreiben muss, weil sie eine gesellschaftliche Relevanz haben, weil sie nötig sind und weil sie vielleicht etwas im realen Leben verändern könn(t)en. Das mag vielleicht naiv klingen, aber ich glaube fest daran, dass wir Filmemacher auch eine gesellschaftliche Verantwortung haben. Wenn hoffentlich viele Millionen Zuschauer unseren Film sehen werden, könnten wir es schaffen, ein Thema bekannt zu machen, das bis dahin öffentlich unter dem Radar lief, obwohl es viele Eltern und ihre Kinder betrifft.

»Eltern-Kind-Entfremdung«, also das systematische Manipulieren des Kindes durch einen Elternteil, damit es den anderen Elternteil aus seinem Leben verbannt, ist kein »Kavaliersdelikt«, das niemanden außerhalb der betroffenen Familie etwas angeht. Ganz im Gegenteil. Ich würde es sogar mit völliger Überzeugung als psychische Kindesmisshandlung bezeichnen.

Fast jeder von uns kennt ein Paar, die Eltern sind und sich gerade trennen. Eine Trennung ist immer mit verletzten Gefühlen verbunden. Diese verletzten Gefühle nicht auf die Kinder zu übertragen, ist schwer, aber trotzdem ein Muss. Eltern können sich als Paar trennen, aber niemals als Eltern. Dass diese Aussage oft Wunschdenken ist, habe ich bei meinen vielen Recherchen erfahren. Betroffene Mütter und Väter haben mir ihre ganz persönlichen Geschichten erzählt und ihre sehr subjektive Sicht auf ihre komplizierte Familiensituation.

Um den Film »Weil Du mir gehörst« schreiben zu können, musste ich mich ganz intensiv mit der Eltern-Kind-Entfremdung und deren Folgen für das Kind auseinandersetzen. Ich habe mich durch das Familienrecht, insbesondere durch das Sorge- und Umgangsrecht quälen müssen, um überhaupt eine Ahnung davon zu bekommen, worüber ich schreiben will. Zum Glück fand ich mit Jürgen Rudolph, einem ehemaligen Familienrichter und Experten auf dem Gebiet der Eltern-Kind-Entfremdung, einen ausgezeichneten Fachberater.

Aber dann fing die Arbeit erst an: Zuerst musste ich entscheiden, wer denn von beiden sein Kind entfremdet – die Mutter oder der Vater. Obwohl es für beide Fälle genügend Beispiele gibt, habe ich mich letztendlich dafür entschieden, der Mutter die so genannte »Täterrolle« auf den Leib zu schreiben. Das liegt vor allem daran, dass nach einer Scheidung die Kinder noch immer öfters bei ihrer Mutter leben als bei ihrem Vater. Aber man könnte diese Geschichte genauso gut andersherum erzählen. Der Vater als Täter, die Mutter als Opfer. Ich betone das so ausdrücklich, weil es mir keineswegs darum geht, mich auf nur eine Seite zu stellen. Mir geht es ganz allein um die Sicht des Kindes auf diesen Elternkonflikt. Deshalb habe ich die Geschichte anfangs nur aus der Sicht des Kindes erzählen wollen. Das hat leider nicht funktioniert, weil ich so die ganzen juristischen Auseinandersetzungen der Eltern und die daran gutverdienende Scheidungsindustrie hätte weglassen müssen.

Insgesamt habe ich zwei Jahre an dem Drehbuch gearbeitet, und der Film ist für mich ein echtes Herzensprojekt geworden. Wenn wir es schaffen, dass sich auch nur eine Mutter oder ein Vater in unserem Film wiedererkennt und ihr Verhalten danach ändert – Wenn wir es schaffen, dass sich auch nur ein Familienrichter in Zukunft nicht von der (manipulierten) Aussage des Kindes »Ich hasse meine Mutter oder meinen Vater« blenden lässt, sondern genau das hinterfragt, – Wenn wir es schaffen, dass das unmittelbare Umfeld eines zerstrittenen Elternpaares auf ihre Nächsten einwirkt, weil sie durch unseren Film sensibilisiert worden sind – dann hätten wir alles erreicht, was wir mit diesem Film wollten ...

65 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.