Fragen an Ruth Reinecke

Ruth Reinecke
Ruth Reinecke in ihrer Rolle als Oma Gisela | Bild: ARD Degeto / Erika Hauri

War es schwierig für Sie, Zugang zu einem vielschichtigen Charakter wie Gisela zu finden?

Ich dachte schon beim ersten Lesen, ja, das ist etwas für mich. Der komödiantische Plot und die verschiedenen Amplituden der Figur – von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt ist alles drin. Ich bin auch mit großer Freude auf Gisela zugegangen, es machte Spaß, an die tieferen Schichten ihres Charakters heranzugehen, ihre Verletzlichkeit, die sie hinter ihrer unwirschen Art verbirgt, ihre Traurigkeit, ihr Eigensinn, den ich sehr mag. Aber ebenso ihre Unverblümtheit und ihren Humor, mit dem nicht jeder umgehen kann, ihre unkonventionelle Art... Außerdem habe ich mich konkret damit beschäftigt, wie das ist, plötzlich in einem Rollstuhl zu sitzen und aus dem gewohnten Leben herauskatapultiert zu werden. Ich habe mir einen Rollstuhl ausgeborgt und bin damit herumgefahren und habe festgestellt: Die Perspektive ändert sich. Man muss zu den Leuten aufschauen, und die wiederum beugen sich zu einem runter. Es gibt keine Augenhöhe. Diese Situation ist nicht leicht zu verarbeiten.

Kämen Sie auf die Idee, sich im Alter bei Verwandten einzuquartieren wie Oma Gisela?

Das ist eine ambivalente Frage, denn das Entscheidende ist erst mal, was man überhaupt für ein familiäres Verhältnis entwickelt hat. Ob so etwas dann möglich ist oder nicht. Ich wünsche mir natürlich, dass dieser Schritt nicht notwendig wird. Aber niemand ist vor gesundheitlichen Einbrüchen geschützt. Und wenn ein Elternteil allein lebt, wird es für alle eine Herausforderung. Ich wünsche mir, dass man offen miteinander ist und ansprechbar bleibt. Dann kann man vielleicht eher Verabredungen und Lösungen finden, anders als in der Filmfamilie.

Im Mittelpunkt von "Oma ist verknallt" stehen vor allem Gefühle. Ist die Liebe denn ein Garant für Lebensfreude?

In unserer Komödie geht es um die Liebe – und das bei mehreren Personen. Bei der pubertierenden Bille genauso wie bei Oma Gisela. Auch zwischen Matthias und Nina geht es um die Liebe, und der kleine Tom will sich analytisch der Liebe nähern. Und ja, natürlich, die Liebe hält unser ganzes Sein zusammen, und das meine ich gar nicht kitschig. Es ist ein großes Glück, wenn man liebt und geliebt wird. Ich finde, jeder hat ein Recht darauf. Die Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit bleibt, auch wenn man 89 ist. Unsere Gesellschaft wird immer älter, und nun stellen Sie sich mal vor, die Liebe wäre auf einmal kein Thema mehr. Das wäre schrecklich, ein Alptraum.

Gisela erfüllt sich ja einen Traum und geht nochmal auf die Kampenwand. Gibt es etwas, das Sie sich gern erfüllen möchten?

Für Gisela ist es ja nicht unbedingt ein Traum, auf die Kampenwand zu gehen. Wenn Gisela und Matthias da hochfahren, haben beide mit ihren Erinnerungen und Ängsten zu kämpfen. Das verbindet sie ganz stark. Ein sehr schöner Moment. Mein Traum wäre weniger die große Japanreise oder der Jakobsweg. Mein Traum wäre eher, dass man nicht stehenbleibt im Leben, sondern gemeinsam weitergeht, Veränderungen annimmt. Das wär’ mein Wunsch.

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