Fragen an Katerina Jacob

Anna (Katerina Jacob) und Herr Kurtz (Ernst Stötzner) stolpern von einem Tabubruch zum nächsten.
Anna und Herr Kurtz stolpern von einem Tabubruch zum nächsten. | Bild: ARD Degeto / Guido Engels

Katerina Jacob spielt Anna Welsendorf

Ohne Job aber voller Tatendrang führt Anna ein aktives Leben. Mit feinem Gespür für die Nöte anderer, weiß die Anfang 60-Jährige mit ihrer aufgeschlossenen Art zu helfen und eigene Probleme mit Humor zu lösen. Das Weltabgewandte ihres neuen Untermieters ist für Anna Ansporn, Herrn Kurtz für das Leben in Rente fit zu machen.

Fragen an Katerina Jacob

Die Geschichte rund um Anna und Herrn Kurtz greift das Lebensgefühl der jungen Alten auf – Höhen und Tiefen inklusive. Wie haben Sie während der Dreharbeiten Ihre Rolle Anna wahrgenommen?

Anna ist mir sehr ähnlich. Sie gibt nicht auf, sie versucht Lösungen zu finden. Was das Verhältnis zu Herrn Kurtz betrifft, versucht sie nett zu sein, läuft aber gegen eine Wand. Ich persönlich wäre nie so stur, um nicht zu sagen rechthaberisch. Während des Drehs kam ich mir selber manchmal zu barsch vor, aber mein wunderbarer Regisseur Ralf Huettner hat es geschafft, die plötzlich veränderte Lebenssituation zweier älterer Menschen ohne Ressentiments zu beschreiben. Dadurch agieren die Figuren wie im richtigen Leben, dadurch entsteht eine besondere Komik.

"Anna und ihr Untermieter" stellt die Generation 60+ in den Fokus. Vor allem ältere Schauspielerinnen berichten häufiger über Schwierigkeiten, noch interessante Rollenangebote zu bekommen. Für Sie ist es der erste Film nach einer längeren Pause.

Ich kann persönlich nicht jammern. Obwohl ich über 60 bin, habe ich nach wie vor Anfragen. Dennoch sind Rollen für ältere Schauspielerinnen rar gesät. Der nordamerikanische Markt hingegen hat die Alten entdeckt. Vielleicht machen wir mit "Anna und ihr Untermieter" den ersten Schritt in diese Richtung. Alleine dafür bin ich den Verantwortlichen dankbar und hoffe auf eine gute Resonanz beim Publikum.

Im Film verlieren Sie Ihren Job als Leiterin einer Parfümerieabteilung. Annas Hoffnung, in ihrem Alter noch eine gute berufliche Alternative zu finden, ist gering – und dennoch lässt sie den Kopf nicht hängen. Finden Sie etwas von sich in Ihrer Rolle wieder?

Aufgeben war nie eine Option für mich. Als es bei mir nach dem "Bullen von Tölz" kaum mehr Angebote gab, hab‘ ich umgesattelt und angefangen zu schreiben. Meine Mutter hat es mir vorgelebt, auch sie hat nach einer Durststrecke ihr eigenes Tournee-Theater "Das Ensemble" gegründet und war sehr erfolgreich damit. Man muss nur den ersten Schritt tun, alles andere kommt von allein.

Um finanziell über die Runden zu kommen, sucht sich Anna einen Untermieter, der ihr Leben erst mal durcheinanderwirbelt, bis sie – pragmatisch, wie sie ist – die Rollen tauscht und sein Leben auf den Kopf stellt …

Da kann ich leider nicht mitreden. Für mich wäre eine WG Höchststrafe. Ich bin gern allein und brauche meinen Freiraum, außerdem würde ich dann diejenige sein, die kochen, putzen und alles organisieren würde, denn in mir steckt auch ein kleiner Kontrollfreak und Unordnung oder schief hängende Bilder gehen gar nicht. So jemand wie Herr Kurtz hätte ich auf kurz oder lang aus der Wohnung geschmissen – Menschen mit erhobenem Zeigefinger sind für mich ein absolutes NO GO.

Im Film engagieren Sie sich in der Telefonseelsorge und sind somit weiterhin ganz dicht dran am Leben außerhalb der eigenen vier Wände. Ist so ein Engagement auch ein Thema in Ihrem Leben bzw. ist das überhaupt machbar mit zwei Lebensmittelpunkten in Kanada und Deutschland?

Ich habe einen ziemlich erfolgreichen Blog auf Facebook mit über 120.000 Abonnenten, von denen mich viele oft um Rat in Lebenssituationen anfragen. Ich versuche natürlich so gut ich kann zu helfen, aber oft sind mir die Hände gebunden. Da sollten die Betroffenen dann um professionelle Hilfe ansuchen. Das Internet macht es ja möglich, auf der ganzen Welt aktiv zu sein, nur eben – wie bei mir – mit Zeitunterschied. Manchmal nimmt es auch überhand, dann ziehe ich mich immer für eine Weile zurück. Das wird bei meinen Fans nicht so gern gesehen, aber ich komme ja immer wieder.

Im Film haben Sie einen guten Draht zu Ihrer Enkelin Nele und überhören auch schon mal Erziehungsvorgaben von Neles Mutter, Ihrer Filmtochter. Sie selber sind Großmutter. Welche Freiheiten gönnen Sie sich bei Ihren Enkelkindern?

Meine Tochter schlottert immer, wenn ich für ein paar Tage die Kinder übernehme. Natürlich dürfen sie bei mir fast alles, aber was Tischsitten betrifft, führe ich ein strengeres Regiment als meine Tochter. Gerade habe ich meinem 14-jährigen Enkel Kaniel das Autofahren beigebracht – er macht das gar nicht schlecht. Ich will, dass sie mich als Freundin akzeptieren, der sie alles erzählen können und die hilfreich zur Seite steht, wenn mal etwas schief läuft. Bei mir dürfen und müssen sie viel in die Natur. Mein Mann bringt ihnen Bootfahren und Fischen bei, alles Dinge, die ein kanadischer Junge können sollte. Und ich mache die besten "Pfannekuchen", damit krieg‘ ich alle, auch meinen Mann.

2 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.