Fragen an Aglaia Szyszkowitz

Billy (Aglaia Szyszkowitz) wartet mit Marcel (Finnlay Berger) während seine Mutter aussagen muss.
Billy wartet mit Marcel während seine Mutter aussagen muss. | Bild: SWR / Tom Trambow

Fragen an Aglaia Szyszkowitz

Billy Kuckuck ist eine Frau, die sich gern einmischt, wenn sie Unrecht wittert, wie hier bei Louisas Problemen mit dem Jugendamt. Wie verhalten Sie sich selbst, wenn Sie Ungerechtigkeiten erleben, mischen Sie sich auch gern ein – so wie Billy?

Nun, ich hab mir das Einmischen ehrlich gesagt ein bisschen abgewöhnt. Meist ist damit ein nicht zu unterschätzendes Risiko verbunden, selbst ordentlich eingeschenkt zu bekommen, wenn man sich unvorsichtig und es gut meinend einmischt – und das ist nur bedingt lustig. Ich übe mich also im Raushalten, was mir aber nicht immer gelingt. Logisch.

Wie nah oder wie weit entfernt von Ihnen ist überhaupt Billys Charakter?

Billy ist geduldiger und harmoniebedürftiger, als ich es bin. Im Umgang mit ihrer wirklich anstrengenden Mutter beispielsweise – oder ihrem Ex-Mann, der sich gerne wie ein großes Kind verhält – hat sie eine bewundernswerte Sanftheit, die mir oft fehlt. Ich explodiere viel schneller. Leider. Ich erinnere mich da an meine Turnlehrerin im Gymnasium in Graz, die immer, wenn ich beim Ballspielen abgeschossen wurde und mich lauthals beschweren wollte, sagte: „Aglaia, immer erst bis zehn zählen. Dann schimpfen!“ Den Trick hab ich mir gemerkt.

Im Film eine Kernfrage – deshalb auch die Frage an Sie: Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Mutter aus?

Das ist eine so komplexe Frage. Mir war und ist es immer wichtig gewesen, nicht zu viel von meinen Kindern zu erwarten – und sie ihren eigenen Weg gehen zu lassen. Ich erlebe oft Mütter, die sich mit dem Loslassen sehr schwer tun und ihre erwachsenen Kinder beispielsweise jeden Tag anrufen. Damit tut man ihnen keinen Gefallen. Viel wichtiger als Aufgaben und Erwartungen an und in die Kinder ist meiner Meinung nach die Vorbildfunktion von uns Eltern. Wenn wir gerne musizieren/schwimmen/lesen erleben sie Eltern, die ihre Begeisterung weitergeben. Und das prägt sie. Bezüglich des Loslassens bringt es Kahlil Gibran auf den Punkt, der uns auffordert, sie als Gäste zu sehen, die zu uns kommen und die wir dann aber weiterziehen lassen müssen: „Sind die Kinder klein, gib ihnen Wurzeln, sind sie groß, gib ihnen Flügel!“

In der Folge „Eine gute Mutter“ gibt es viele sehr emotionale Szenen – welche hat Sie am meisten berührt?

Nina Gummich und Finnlay Berger haben mich in all ihren Szenen berührt. Da gibt es keine spezielle. Nina lässt einen die Verzweiflung dieser Mutter so fein spüren, sie spielt das ganz großartig – und auch Finnlay spielt das toll. Thomas Freundner hat gut mit ihnen und uns allen gearbeitet, und besonders schön für mich ist, dass er einen ähnlichen Humor hat wie ich. Und wenn der stimmt, dann spielt sich der Rest von selbst.

Billy trifft sich mit Louisa und ihrem Verehrer Lukas auf der Eisbahn. Für Billy war das Eislaufen eine Premiere – für Sie auch?

Meine Mutter – eine gute! – hat uns am Grazer Thalersee eislaufen beigebracht. Ich bin als Kind gelaufen, vor unseren Dreharbeiten aber leider lange nicht mehr. Es hat großen Spaß gemacht, wobei Bernd und ich gefährlich ins Schleudern geraten sind, weil wir natürlich immer übermütiger wurden. In solchen Momenten wird man wieder zum sportbegeisterten Kind … eigentlich herrlich, wobei zwei Komparsen bei Runde 87 dann einen Zusammenstoß hatten, das hat uns schnell wieder vernünftig werden lassen. Eigentlich hatte ich den festen Vorsatz, es im Winter fortzusetzen – aber der nächste steht ja vor der Tür!

Mit gesunder Ernährung nimmt es Billy Kuckuck manchmal nicht so genau – sie lässt sich einen Burger schmecken, und zum Abendbrot gibt’s schon mal Pudding. Wie wichtig ist Ihnen selbst gute Ernährung? Gönnen Sie sich auch mal Essenssünden?

Da ich glutenfrei essen muss, sind meine Möglichkeiten oft sehr eingeschränkt. Ich bin aber zutiefst davon überzeugt, dass man möglichst viel im Leben sehr bewusst genießen sollte, also esse ich auch immer wieder sehr gut. Beim Dreh viel Gemüse, privat oder in Drehpausen für mein Leben gern Erdnussmus oder Nougatcreme aus dem Glas direkt, Käsefondue, steirisches Alm- ochsensteak usw. Gerade im Urlaub in Italien hatten wir zum ersten Mal seit Jahren Vollpension. Man sollte es nicht glauben, aber es war köstlich, dreimal am Tag gut zu essen, statt wie beim Drehen abends nur am Salatblatt zu lutschen.

Im Privatleben versucht sich Billy mit ihrer Patchworkfamilie aus Tochter, Ex-Mann und dessen neuer Familie zu arrangieren. Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis eines guten Patchworks?

Kommunikation. Humor! Selbstironie. Toleranz. Die Fähigkeit zu verzeihen. Und Spielabende in der Großfamilie!

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