Fragen an Pasquale Aleardi

Mirko (Pasquale Aleardi) bleibt keine Wahl: Er muss den Chor übernehmen.
Pasquale Aleardi in seiner Rolle als Mirko Mortauk.  | Bild: ARD Degeto / Thorsten Jander

Der Hit "Bingo" hat Mirko einst berühmt gemacht, aber 20 Jahre danach ist er darüber gar nicht mehr so glücklich. Gibt es etwas, was Sie bereuen und würden Sie die Zeit dafür zurückdrehen wollen?

Natürlich gibt es Dinge in meinem Leben, die ich "damals" gerne anders gemacht hätte. Aber ich würde dennoch die Zeit nicht zurückdrehen wollen. Rückblickend sind gerade all die Entscheidungen und gegangen Wege von damals dafür verantwortlich, dass ich heute viel bewusster und dankbarer bin, als ich es vor 20 Jahren war. Schwierige Momente oder Zeiten waren eher Herausforderung und gleichzeitig Motor, die mich angetrieben haben, etwas Positives daraus zu machen.

Musik spielt eine große Rolle in Ihrem Leben: Mit Musicalengagements und einer eigenen Band. Sie haben die Songs selbst eingesungen. Wie war es in die Rolle eines Schlagerstars zu schlüpfen?

Das Vorbereiten und Einsingen, die musikalische Komponente der Schlagerwelt und das Performen waren für mich ein besonderer Reiz und haben tierisch Spaß gemacht. Eigentlich hat mich aber weniger der Schlagerstar, sondern viel mehr Mirkos Innenleben beim Lesen des Drehbuchs fasziniert. Durch seine Sehnsucht nach schnellem Erfolg und Anerkennung und einer gewissen Naivität hat er sich damals blenden und bis an die Schmerzgrenze manipulieren lassen. Wie er es da wieder rausschafft, und seine ganze Reise zum Ausdruck zu bringen, war eine spannende Aufgabe und an einigen Drehtagen emotionaler, als ich geahnt hatte.

Musik verbindet: Was verbindet Sie mit Musik?

Alles! Musik ist essenziell für mich. Ich kann mir ein Leben ohne Musik schlichtweg nicht vorstellen. Musik war die erste große Liebe in meinem Leben. Als ich mit elf Jahren ein Klavier bekam, habe ich förmlich nur noch daran geklebt, und das Ding nicht mehr losgelassen. Musik hat mir den Weg in die Schauspielerei und überhaupt in alles Künstlerische geebnet. Musik erdet mich. Musik erinnert mich daran, dass ich mehr bin, als Fleisch und Blut. Sie sehen, ich drifte ab und sollte mich doch zügeln. Musik ist Liebe in all ihren Farben.

Die Chorszenen im Film sind sehr bewegend: Wie haben Sie diese mit Ihren tollen Schauspielkolleginnen und –kollegen erarbeitet? Wie kam es zu dem Song?

Die Songs wurden speziell für den Film komponiert. Vor dem Dreh und wann immer möglich während des Drehs, haben wir geübt und versucht, möglichst viele Farben rauszukitzeln. Nebst des Talents der jeweiligen Kollegen, verband uns allerdings auch eine großartige Chemie. Und wenn die Chemie stimmt und gute Musik dazukommt, trifft das meistens ins Herz.

Wie war es für Sie beim Dreh den "Bingo"-Song live zu performen?

Das hat Spaß gemacht. Ein Teil des Publikums waren eingeweihte Statisten und mimten inbrünstig Megafans des fiktiven "Mirko Mortauk", während der andere Teil des Publikums nicht wusste, was da vor sich ging. Es war herrlich, in all die fragenden Gesichter zu singen und die Irritation zu sehen. Man konnte förmlich ablesen "Who the fuck is Mirko Mortauk?" und was zur Hölle ist "BINGO". Während die spielenden Statisten vor Freude und Ekstase fast in Ohnmacht fielen.

Haben Sie auch einen Song, der Sie verfolgt? Wenn ja, warum?

Nicht einen speziellen. Es sind immer wieder andere. Wenn ich z.B. mit meiner Band "die Phonauten" an einem Song arbeite, ist die innere Schallplatte so richtig im Arbeitsmodus und läuft eigentlich ständig auf Repeat, sucht nach Lösungen, Wendungen, Rhythmuswechseln usw. "Bingo" lief in meinem Hirn jeweils auch rauf und runter und war auch nachts kaum zu stoppen. "Bingo" war vor und während der Dreharbeiten sowohl ein Spaßkatalysator als auch eine echte Nervensäge.

Im Film geht es auch um das Heimkommen? Was bedeutet das für Sie? Was macht Sie wahrhaft glücklich?

Wahrhaft glücklich machen mich meine Frau und meine Kinder. Sie sind das größte Geschenk. Für mich bedeutet "ankommen", wenn ich voll und ganz in einer Sache aufgehe, was auch immer das sein mag. Wenn es mir gelingt, etwas voll und ganz zu tun, wenn ich die Zeit darüber vergesse und sozusagen "voll drin" bin, und wenn das übliche Gedankengeschnatter nicht dazwischen funkt. Dann fühle ich mich jeweils sehr zufrieden und verbunden. Für mich hat also "ankommen" eher was mit "bei mir selbst" anzukommen zu tun.

Wie haben Ihre Eltern auf die Entscheidung für eine Künstlerkarriere reagiert?

Zuerst konnten sie nicht viel damit anfangen. Sie wollten, dass ich etwas "Richtiges" lerne, wie z.B. Anwalt, Arzt etc. Als sie dann aber sahen, wie glücklich es mich macht, waren sie selber auch glücklich darüber und haben mich unterstützt.

Als Vater wünscht man seinen Kindern nur das Beste, was würden Sie Ihnen für ihre Zukunft mit auf den Weg geben?

Ich würde sie immer darin unterstützen, etwas zu finden, was ihnen große Leidenschaft und Liebe schenkt.

Vergangenes ziehen lassen ... vor dieser großen Herausforderung steht auch Mirko Mortauk. Haben Sie sich schon einmal von einer Vision verabschieden müssen?

Ich ziehe viel Kraft aus meinen Visionen. Es macht mir Spaß, mir die bestmögliche Zukunft auszumalen. Und sicher habe ich mich auch immer wieder von Visionen verabschieden müssen. Das gehört zum Leben dazu. Aber glücklicherweise ist nach einer Enttäuschung auch immer wieder eine neue entstanden. Und einige davon haben sich realisiert. Zum Beispiel die Vision, Schauspieler, Sänger und Musiker zu werden. In der ersten Hälfte meines Lebens hätte ich von dieser Vision nicht weiter entfernt sein können.

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