Fragen an Gertrud Roll als Martha

Martha (Gertrud Roll, re.) versteht die Probleme von Marie (Catherine Bode).
Martha versteht die Probleme von Marie. | Bild: ARD Degeto / Arvid Uhlig

Marthas große Leidenschaft ist die Bienenzucht. Sehen Sie Bienen durch die Dreharbeiten jetzt mit anderen Augen?

Ja. Natürlich haben sie mich schon vorher interessiert, und ich hab´ mich ein bisschen schlau gemacht, wie wichtig die Bienen sind, was sie alles schaffen können und leider auch, wie gefährdet sie ja sind. Am Set war ein Fachmann, der mir viel über sie erzählt und mir gezeigt hat, wie ich mich verhalten soll. Mich hat weder eine Biene angegriffen noch hatte ich Angst davor. Auch jetzt beschäftigt mich das Thema noch, vor allem wenn Menschen abfällig über Bienen sprechen oder Landwirte weiter ihre Düngemittel und Pestizide einsetzen, was den Bienen schadet, und immer mehr Wiesen und damit Lebensräume für die Bienen verschwinden. Ein schwieriges Thema, zumal die Nähe zur Natur und ihre Bedeutung ohnehin immer mehr verloren geht!

Dass Martha Analphabetin ist, konnte sie ihr Leben lang vor ihrem Sohn und anderen Menschen verbergen. Verstehen Sie, dass sie ihr Problem so lange verschwieg und sich niemandem anvertraute?

Als ich das im Drehbuch gelesen habe, dachte ich: Wie ist so etwas möglich in unserer Zeit? Ich fand das ungeheuerlich! Dann habe ich mich mit unserem wunderbaren Regisseur Markus Imboden, den ich sehr mag und mit dem ich früher schon gern gearbeitet habe, darüber unterhalten, wie verbreitet Analphabetismus aus den unterschiedlichsten Gründen auch in Deutschland ist. Ich habe versucht, Marthas jahrelanges Schweigen zu verstehen. Ich glaube, dass sie eine Frau ist, die unglaublich viel Kraft hat,und sie wollte sich eben vor ihrem Sohn nicht schämen müssen.Vielleicht wäre ihr Verhältnis auch einfacher gewesen, wenn sie es ihm gegenüber früher zugegeben hätte. Es hat großen Spaß gemacht, eine Frauenfigur wie Martha zu spielen, die so widerborstig, stur und auch stark ist, trotz ihrer schweren Krankheit.

Martha möchte unbedingt daheim sterben. Können Sie ihren Wunsch nachvollziehen?

Absolut. Und ich möchte auch, wenn es nicht mehr gehen sollte und ich es mir finanziell leisten kann, jemanden hier zu Hause haben, der mich dann versorgt. Aber noch bin ich ja gesund – toi,toi,toi! Marthas Sterbeszene war nicht so einfach, ich glaube, das war das erste Mal, dass ich in einer Fernsehrolle gestorben bin – auf der Bühne stirbt man ja öfter. Und als ich dann aus dem Allgäu zurückkam, hatte ich drei Tage später bei einer anderen Produktion, den „Vorstadtweibern“, ebenfalls eine Sterbeszene. Auch wenn ich versucht habe, das wegzustecken und irgendwie auch von der komischen Seite zu sehen, so schnell hintereinander in einer Rolle zu sterben, war dann doch nicht so leicht zu verarbeiten. Ich habe sogar ein paarmal davon geträumt!

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