Fragen an Catherine Bode

Marie Huber (Catherine Bode) trauert um ihren Vater.
Marie dagegen möchte Frieden für sich und ihr Baby – selbst, wenn sie dafür den maroden Hof aufgeben muss: Zwischen den Schwestern kommt es zum erbitterten Streit. | Bild: ARD Degeto / Hendrik Heiden

Fragen an Catherine Bode

Rolle Marie Huber

Auf Marie stürzen zwei geballte extreme Emotionen ein: Einerseits die Trauer über den Tod des geliebten Vaters, andererseits die Riesen-Glücksgefühle über die Geburt ihres Babys. Wie schwer ist schauspielerisch so eine Gefühlsspanne zu bewältigen? Und konnten Sie danach gut wieder abschalten?

Wenn ich beim ersten Lesen eines Drehbuchs solche großartigen, hochemotionalen Szenen lese, dann bin ich einfach nur begeistert. In der Vorbereitung auf die Dreharbeiten geht es für mich vor allem darum, die Nuancen dieser großen Momente zu entdecken. Und dann die große Frage: Wie komme ich selbst dahin? Nach der ausführlichen Vorbereitung kommt dann irgendwann der Tag VOR dem Dreh dieser Szene. Und da habe ich dann auch einfach mal nur Schiss, dass ich das alles nicht hinkriegen werde. Da hilft es mir, sehr früh ins Bett zu gehen und mich am Tag des Drehs vollkommen auf die Szene einzulassen und meiner Vorbereitung zu vertrauen. Irgendwann ist der Drehtag geschafft, und ich fühle mich zwar emotional aufgerieben, aber auch kribbelig, stolz und irgendwie high. Ganz ehrlich ist dann ein schönes Glas Wein mit Kollegen das Allerbeste zum Abschalten.

Sie haben selbst Kinder – wurden bei den Szenen von Maries letzten Tagen vor der Geburt manchmal Erinnerungen an Ihre eigenen Schwangerschaften wach? Und wie waren dann für Sie die Szenen mit Ihrem Film-Baby Fritzi, die sehr innig wirken?

Das Körpergedächtnis ist wirklich beeindruckend. Kaum wurde mir der dicke Bauch umgeschnallt – er war aus Silikon und schwer und fühlte sich von außen sehr echt an – war das Gefühl wieder da. Ich hatte selbst bei der Schwangerschaft mit den Zwillingen einen relativ kleinen und kompakten Bauch wie Marie und konnte bis zum Tag der Geburt rumlaufen und aktiv sein. Da gab es also schon eine Parallele. Ganz besonders war es dann bei den Geburtsszenen. Schon bei der Vorbereitung, als ich versucht habe, mich an das Atmen, das Ziehen und den Schmerz zu erinnern, kam alles wieder hoch, als ob es gestern gewesen wäre. Der Umgang mit der kleinen Fritzi dann war das Selbstverständlichste der Welt. Das Baby, das Fritzi spielt, hatte noch dazu sehr viel Ähnlichkeit mit meinen Kindern als Säugling, das hat auch geholfen. Und wie gesagt, der Körper hat einfach funktioniert, und das Gefühl war automatisch da.

Wie sehr hat die Geburt ihres Babys Marie verändert? Haben Sie ähnliche Erfahrungen machen können?

Die kleine Fritzi gibt Marie Kraft. Klar, ein Baby ist auch anstrengend und saugt einen ja förmlich aus, aber Marie hat jetzt eine neue Form der Verantwortung. Und das würde ich selbst auch als einschneidendste Erfahrung bezeichnen, wenn man Eltern wird: Ich bin nicht mehr alleine, allein mit meinen Sorgen und Zipperlein und Ängsten. Gerade schwierige Stationen, bei Marie der Tod des Vaters oder bei mir jetzt die Herausforderungen wegen Corona, lassen Eltern auch über sich hinauswachsen. Ich muss stark sein, ich bin der Schutzwall, ich bin der sichere Hafen für mein Kind, egal, was passiert, ich werde es beschützen und dafür sorgen, dass es ihm gut geht. Marie kann und will sich nicht in ein Loch fallen lassen, sie muss funktionieren, und das hilft ihr, weiterzukommen.

Marie ist nun alleinerziehend mit Kind – welche Rolle spielt das für die Schwestern, nach dem großen Zerwürfnis wieder zurück zu einem Familienzusammenhalt zu finden?

Alleinerziehend zu sein hat ja zwei Seiten. Ich weiß das, weil ich es eine Weile auch war. Einerseits hat man viel Verantwortung und viel Arbeit. Das ist manchmal zermürbend, frustrierend und anstrengend. Die andere Seite der Medaille ist aber, dass man ziemlich frei ist. Und das ist für Menschen wie Marie keine Belastung, sondern im Gegenteil eher Bedingung für ein glückliches Leben. Sie kann ihre Tochter aufwachsen lassen, wie sie es für richtig hält, sie muss sich nicht abstimmen und diskutieren. Dennoch spürt sie, dass sie den Verlust des Vaters alleine nicht verarbeiten kann, außerdem hat sie die zusätzliche Verantwortung für die Hütte, die sie nun alleine bewirtschaften muss. Ihre Schwester ist der einzige Mensch, der weiß, wie es ihr geht, die das Leben auf der Hütte kennt und die sich emotional als Tante zur kleinen Fritzi hingezogen fühlt. Zusammen sind die beiden Schwestern stark genug, sich den neuen Herausforderungen zu stellen, und das merken sie zum Glück

4 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.