Clelia Sarto spielt Rosa

Rosa (Clelia Sarto) trägt eine schwere Last mit sich.
Rosa trägt eine schwere Last mit sich. | Bild: ARD Degeto / Raymond Roemke

Sie haben italienische Wurzeln.Wie war es für Sie, in Italien zu drehen?

Es war herrlich, einfach phantastisch, wie ein Nach-Hause-Kommen! Ich konnte wieder italienisch sprechen – vor allem außerhalb der Dreharbeiten mit dem Team und den Bewohnern. Ich selber stamme aus dem Norden, dem Veneto. Die Menschen in Apulien habe ich als sehr nett, offen und herzlich erlebt. Sie zeigen eine unglaubliche Charakterstärke und angenehme Neugierde. Sie leben ja vom Tourismus und Olivenöl, und selbst durch den CoronaLockdown verzagen sie nicht. Und sie haben noch ein anderes Problem: Ihre Olivenernten sind tatsächlich vom rätselhaften Xylella-Bakterium bedroht, was ja auch Thema im Film ist,für das noch kein Gegenmittel gefunden wurde. Tausende Jahre alte Olivenbäume, so etwas Schönes und Beeindruckendes hab‘ ich noch nie zuvor gesehen, sind jetzt bedroht. Aber die Menschen verzweifeln nicht, sondern zeigen eine unglaubliche Grandezza. Die bringt nichts so schnell aus der Fassung.

In welchen Situationen spüren Sie vor allem Ihre italienische Seite?

Ich sträube mich immer ein bisschen zu urteilen, das ist jetzt typisch deutsch oder typisch italienisch.Vieles ist da Klischeedenken. Ich kenne Deutsche, die gar nicht so pünktlich und diszipliniert sind, aber Italiener, die das sind. Mich haben vor allem meine Eltern geprägt mit ihrer Liebe zur Musik, darunter natürlich italienische Opern. Mein Vater ist Koch, deshalb liebe ich gutes, gesundes Essen.Überhaupt, es sich gut gehen lassen, die Schönheit in Dingen zu sehen, da bin ich schon sehr von meinen Eltern beeinflusst. Nur weiß ich nicht, ob das besonders italienisch ist. Ja, und wenn man Klischees mag, ich hab‘ mit Sicherheit viel Temperament und schmeiße mit Tellern (lacht). Ein Teil meiner Familie ist aber sehr introvertiert, das gibt’s auch bei uns. Natürlich spüre ich schon einen starken deutschen Anteil in mir. Ich bin ja hier geboren und aufgewachsen, meine jetzige Familie lebt hier, auch alle meine Freunde. Im Grunde bin ich beides, deutsch und italienisch, und fühle mich in beiden Gefilden wohl. Und das ist mir total wichtig!

Rosa ist schwer krank, was sie aber vor ihrer Familie verheimlicht.Wie haben Sie sich in diese Rolle hineinversetzt?

Ich habe, wie immer bei solchen Rollen, erst mal ausgiebig recherchiert.Worum geht’s da eigentlich, wenn jemand einen Gehirntumor hat? Und ich habe ganz großes Glück gehabt, als ich auf Prof. Dr. Martin Glas stieß, einen Spezialisten für Neuroonkologie an der Uniklinik Essen. Prof. Glas war bereit, mich mit Patienten und Angehörigen zusammenzubringen. Für mich ist es wichtig, zu beobachten, zuzuhören, mit den Menschen zu reden und unter die Oberfläche zu schauen. Man muss ihre Geschichten im Hinterkopf haben, trotzdem war es mir wichtig, so authentisch wie möglich und mit allerhöchstem Respekt den Betroffenen gegenüber eine Filmfigur zu erschaffen, mit der man mitgeht und der man glaubt.Und in der Rollenentwicklung gemeinsam mit unserem Regisseur Sascha Bigler und der Produzentin Vanessa Lackschéwitz mussten wir entscheiden:Was ist Rosas krankheitsbedingte Verhaltensänderung und was wirklich noch ihre freie Entscheidung? Sie distanziert sich ja immer mehr von ihrer Familie und holt sich zwei neue Frauen ins Haus, die ihre Familie versorgen sollen, wenn die OP schiefgeht.Wie viel Liebe, wie viel Kummer, wie viel Sorge musst du in dir tragen, dass du bereit bist, sogar deinen Platz als Ehefrau freizumachen? Ein spannender Drahtseilakt, wobei sich Rosa ja immer schräger und auch gemeiner benimmt. Für mich als Schauspielerin ein echter Genuss, und ich habe dabei tolle Rückendeckung von allen Kollegen bekommen. Saskia Vester war großartig, ebenso Janek Rieke und die Kinder, die ja einiges aushalten mussten, mit mir als Rosa. Im Ensemble fühlte ich mich aufgehoben wie in Mamas Schoß.

Können Sie Rosas Entscheidung verstehen, nicht die Wahrheit über ihre Gesundheit zu sagen?

Ja, ich kann das sehr gut nachempfinden. Es gibt ja ein Trauma, weil Jahre zuvor Bennos Vater an Krebs gestorben ist und die ganze Zeit von seiner Familie versorgt worden war. Das will sie jetzt ihrer Familie nicht mehr zumuten. Aber ich kann auch die Wut und Verzweiflung ihrer Angehörigen verstehen, dass ihr Mann Benno denkt, er wird nicht mehr geliebt, und die Situation immer mehr eskaliert.Wenn ich selbst so eine Diagnose bekäme, würde ich mit Sicherheit meine Familie einweihen, weil sie die Chance haben müsste, mit dieser Entwicklung klarzukommen und sich im schlimmsten Fall dann auch auf den Abschied vorbereiten könnte. Aber da ich ja gesund bin, gehe ich mit einer riesigen Dankbarkeit durchs Leben und versuche weitestgehend, ein netter Mensch zu sein. Und ich würde mir wünschen, dass sich die Zuschauer ebenso Gedanken machen, wie sie sich wohl entscheiden würden, wie schnell so etwas passieren kann – und dann dankbar für ihre Gesundheit sind und sich in der Familie öfter in den Arm nehmen.

0 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.