"Wir wollten den 'Hafenpastor' etwas leichter machen. Ich finde, das ist uns gut gelungen."

Interview mit Jan Fedder

Jan Fedder als Stefan Book.
Jan Fedder als Stefan Book.

Trägt der neue "Hafenpastor" komödiantische Züge?

Wir wollten den "Hafenpastor" etwas leichter machen. Ich finde, das ist uns gut gelungen. Jedenfalls bin ich vom Endergebnis sehr angetan. Es ist ein lockerer, schöner Film geworden. Darüber freue ich mich wirklich.

Hat man Ihnen gesagt: So, Herr Fedder, jetzt mal ein bisschen mehr Komödie?

Das muss man mir nicht extra sagen. Komödie geht bei mir ganz automatisch. Und im Übrigen: Auch wenn ich schon 61 bin, ich lerne noch jeden Tag mit Freude dazu.

Der Pastor drängt seine Gemeindemitglieder vor den Hochzeitsaltar, er selber aber würde sich niemals trauen lassen.

Richtig, weil er genau weiß, wozu eine Heirat führen kann. Eben noch unter die Haube gebracht und jetzt schon wieder geschieden – da sagt er sich doch, och nö, die Ehe lasse ich mal besser bleiben.

Er käme auch nicht auf die Idee, mit seiner Freundin Sabine unter einem Dach zu leben. Führt er eine moderne Beziehung?

Ja, das kann man wohl sagen. Als Partner ist der Pastor sehr tolerant. Sonst würde er sie wohl nicht nach Sri Lanka ziehen lassen. Doch er ist sich sicher, nach zwei Jahren wird sie zu ihm zurückkehren. Ich glaube, getrennte Wohnungen sind der Schlüssel zu einer glücklichen Ehe. Das habe ich auch in meinem privaten Leben nie anders gehalten. Mit meiner Frau bin ich jetzt 20 Jahre glücklich verheiratet – ohne einen gemeinsamen Haushalt zu führen.

Waren Sie schon immer so klug?

Was heißt klug? Ich bin meinem Instinkt gefolgt. Nur mit meiner allerersten Liebe habe ich vier Wochen zusammengelebt. Zu "Boot"-Zeiten wohnten hier ganz andere Leute, Heinz Hoenig, Uwe Ochsenknecht oder Ralf Richter. Schauspielerkollegen und Regisseure kamen manchmal über Wochen oder Monate bei mir unter. Aber bei Frauen habe ich immer gesagt, lass’ uns mal lieber getrennt wohnen. Ich kann hier meine Pizza-Reste liegen lassen, mache die Tür zu und habe meine Ruhe.

Bodo hat ganz andere Vorstellungen von der Liebe als der Pastor.

Ja, das kann man wohl annehmen. Mit Gummi 50, ohne Gummi 100. Beide kennen sich von klein auf, beide sind auf dem Kiez hängengeblieben. Der eine wurde Pastor, der andere Puffbesitzer. Als der Pastor kurz davor ist, mit Sabine nach Sri Lanka zu gehen, sagt er zu Bodo: "Ich werde dich vermissen, du Arschloch!" Dieser Satz stammt von mir. Er ist mir spontan eingefallen, um zu zeigen, dass die beiden sich irrsinnig lange kennen, aber nicht so richtig verstehen. Man hat im Leben ja immer so einen Freund-Feind. Einen, den man nicht so mag, aber ohne den man nicht leben kann. Je älter der Pastor wird, desto wichtiger wird ihm diese "Freundschaft".

Entdeckt der "Hafenpastor" auch die Geschwisterliebe?

Der Pastor fetzt sich mit seiner Schwester Rita nicht mehr so oft wie früher. Das hat mit Altersmilde zu tun. Man achtet mehr darauf, dass man seine Geschwister auch lieb hat. Beide erkennen, wie ähnlich sie sich sind. Sie ist immer noch die verbissene Polizistin, die sich von niemandem beeinflussen lässt und voll ihr Ding durchzieht. Und er tut auch nicht immer das, was der liebe Gott, die Gemeinde oder das Gesetz von ihm verlangen. Mich wundert es nicht, dass sie noch immer keinen Partner hat. Es ist doch oft so, dass die attraktivsten Frauen allein sind. Weil die Männer Angst vor toughen, intelligenten Frauen haben. Ich kenne viele Beispiele von Superfrauen, die als Single leben.

Haben Sie selber Geschwister?

Ich habe einen Bruder, der sieben Jahre älter ist als ich. Wir haben uns jetzt einige Zeit nicht gesehen. Wenn ich krank bin, will ich niemanden um mich haben. Dann bin ich wie ein einsamer Löwe, der sich in eine Höhle zurückzieht. Es tat mir Leid für die anderen, aber diese Zeit im Krankenhaus musste ich allein mit mir ausmachen. Mein Bruder hat das auch respektiert. Jetzt, wo es wieder aufwärts geht, melde ich mich wieder.

Hat es etwas von einem Familientreffen, wenn Sie den "Hafenpastor" drehen?

Alles was ich drehe, hat mit Familie zu tun. "Großstadtrevier" ist meine älteste Familie, dann kommt "Neues aus Büttenwarder", eine Serie, die ich seit 20 Jahren mache. "Der Hafenpastor" ist meine dritte Familie. Sie ist topbesetzt. Margarethe Broich, Marie-Lou Sellem, Anna Brüggeman, Uwe Bohm und Tim Grobe kommen immer gern, wenn wir rufen. Viele sagen meinetwegen zu. Mit Jan einen Film drehen? Dann verschiebe ich meinen Urlaub! Das finde ich ganz großartig von meinen Kollegen.

4 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.