Fragen an Carin C. Tietze

Blumenhändlerin Tina (Carin C. Tietze) liebt ihren Beruf und züchtet selbst.
Blumenhändlerin Tina liebt ihren Beruf und züchtet selbst. | Bild: ARD Degeto / Frank W. Hempel

Warum wollten Sie die Tina gern spielen?

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Eine wirklich gut geschriebene Komödie mit tollen Dialogen – wie ein böses Märchen. Außerdem wusste ich, dass Francis Fulton-Smith den Armin spielt, ein hervorragender Kollege. Das Gesamtpaket war einfach Bombe.

Wie kommt es eigentlich, dass Tina einen Nesthocker herangezogen hat?

Es ist ein Phänomen der jungen Generation, "Hotel Mama" super zu finden. Und wir selbst sind Helikopter- Eltern, die es nicht zulassen, dass das Kind mit 15 mit der S-Bahn allein in die Stadt fährt. Oder Kampf- Helikopter-Eltern, die ihre älteren Kinder nachts von der Party abholen und dergleichen. Auf der anderen Seite sind wir aber die Generation, um die man sich gar nicht groß gekümmert hat. Wir sind ja noch ohne Helm Fahrrad gefahren und haben unangeschnallt im Auto gesessen. Ich denke, durch das ganze Internet ist man inzwischen so überinformiert, was alles passieren kann, dass man natürlich viel mehr Ängste hat. Überfälle in der S-Bahn, Kindesentführungen, vieles kam damals gar nicht in die Presse.

Wer klammert eigentlich mehr: Tina oder Hendrik?

Schwer zu sagen. In der Geschichte selbst kam nie der Punkt, an dem Tina sagte, so, jetzt musst du aber ausziehen. Das ist ein Selbstläufer geworden zwischen den beiden. Und Bequemlichkeit leitet uns eigentlich alle: Wenn etwas gut ist, warum soll man es dann ändern?

Sie sind Mutter von zwei Kindern, können Sie gut loslassen?

Ich denke, ja. Schon die Pubertät ist ein krasser Einschnitt, wenn du plötzlich so einen Alien bei dir zu Hause hast. Das, egal, was du sagst, dich nur anmotzt. Aber man sollte sie trotzdem ernst nehmen. Und manchmal versuche ich halt, sie mit Humor wieder ins richtige Fahrwasser zu bringen – ab und zu merken sie es dann selber und lachen darüber. Ich glaube, man muss ihnen einfach eine lange Leine lassen.

... und wenn Ihre Kinder später lieber daheimbleiben möchten, so wie Hendrik?

Noch wohnen sie bei mir zu Hause, sie sind ja noch Schüler. Der eine macht gerade das Abi, und das andere Kind holt das Abitur nach. Klar denke ich über ihren Auszug nach – man muss sie ins Leben entlassen, sie müssen selbstständig werden. Außerdem ist es ohnehin nicht so leicht, wenn man zwei fast Erwachsene bei sich hat, die natürlich einen komplett anderen Tagesablauf haben. Das Problem beim Loslassen sind heutzutage z.B. auch teure Mieten, so dass viele Eltern es sich gar nicht leisten können, die Kinder auszuquartieren. Meine beiden müssen erst mal die Schule abschließen, und wenn dann der Plan steht, was sie danach machen wollen, unterstützen wir sie. Wenn jetzt einer von ihnen in Passau studieren möchte, dann ermöglicht man auch das und muss zur Not einen Kredit aufnehmen, so wie in Amerika (lacht). Die Studenten dort können kaum noch nebenher jobben bei den umfangreichen Bachelor- und Master-Studiengängen – das ist nicht mehr das coole Studentenleben wie früher.

Und wie war das, als Sie sich selbst von Ihren Eltern abgenabelt haben?

Meine Generation hat, glaub ich, besser funktioniert. Wir hatten nicht viel Geld, wollten aber den Eltern nicht auf der Tasche liegen und haben schon früh angefangen zu jobben. Ich hab’ erst in München studiert – eine Freundin von mir hatte eine Wohnung, und ich durfte dort ein Zimmer bewohnen. Das hat damals 300 DM gekostet, und das konnten meine Eltern stemmen. Mit 20 ging ich dann nach New York auf die Schauspielschule, hatte nebenher verschiedene Jobs und konnte meine Eltern dadurch entlasten. Und als ich zurückkam, war ich eigentlich sofort finanziell unabhängig. Ich hatte einfach Glück, dass es schnell ging, und die Drehbücher nur so ins Haus flatterten.

Bei einem Date im Film animiert die frisch verliebte Tina ihren Armin, mal etwas Verbotenes zu tun. Was war das Verrückteste, das Sie je gemacht haben?

Das ist schon ewig her: Wir sind mal nach der Disco nachts ins Ungerer-Freibad in München eingestiegen und schwimmen gegangen, nackig. Das war ziemlich schräg, besonders, weil sich spontan eine prominente Sängerin anschloss, die wir erst kurz vorher im Club kennengelernt hatten. Klar war das Hausfriedensbruch, aber es ist ja nichts weiter passiert, wir haben nichts kaputt gemacht oder randaliert. Und was wir sonst noch verbotenerweise gemacht haben: Bei uns am Berg sind wir mal einen kleinen Ski-Hang mit dem Auto runtergefahren. Aus Versehen haben wir dabei auch noch ein Schild umgefahren, auf dem stand: "Schlitten fahren verboten".

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