Interview mit Marc Benjamin

Max Wolf (Marc Benjamin) will auf jeden Fall seinen Hof halten, gegen alle Widerstände.
Max Wolf will auf jeden Fall seinen Hof halten, gegen alle Widerstände. | Bild: SWR / Maor Waisburd

Herr Benjamin, ein moderner Western auf der Schwäbischen Alb und eine Herde Wasserbüffel … Was hat Ihnen an diesem modernen Heimatfilm gefallen?

Die Verantwortlichen des Films haben mich gekriegt, indem sie mir einen Western und eine Kneipenprügelei versprochen haben. Dass wir tatsächlich auf der Schwäbischen Alb drehen, konnte ich ja nicht wissen (lacht). Ich habe dann für mich beschlossen, trotzdem so zu tun, als wären wir im Wilden Westen. Dies war für mich auch der Schlüssel zur Figur.

Inwiefern?

Das Spannende war, einen Jungen zu spielen, der in seiner eigenen abgeschlossenen Welt aufwächst, fernab der modernen und schnellen Gesellschaft. Das brachte Dinge mit sich, die für mich komplett neu waren, die ich aber während des Drehs erfahren durfte. Je länger wir vor Ort verbrachten, desto "entschleunigter" war die Zeit. Der Druck, ständig erreichbar zu sein, fiel allmählich ab. Unsere Handys hatten schlechten bis keinen Empfang. Man war immer mehr einfach nur im Moment.

Und das gefiel Ihnen an dieser doch eher skurrilen Geschichte...

Ja, ich mochte die Idee eines kleinen Kosmos, in der noch andere Regeln gelten. Pferde statt Autos, Handschläge statt Verträge. Hinzukommt, dass die Geschichte einen wahren Hintergrund hat und nicht einfach frei erfunden ist, was immer einen besonderen Reiz erzeugt. Sie ist etwas ausgeschmückt, zugegeben. Aber so macht Geschichten erzählen doch viel mehr Spaß. In diesem Fall fand ich besonders diese endlose Weite toll, in der sich irgendwo, unbemerkt von dem Rest der Welt, ein kleines Familiendrama abspielt.

Nach welchen Kriterien suchen Sie sonst Ihre Rollen bzw. Drehbücher aus?

Es gibt kein bestimmtes Muster. Entweder es regt die eigene Fantasie an oder eben nicht. Schön ist, wenn man beim Lesen eines Buches das Bedürfnis entwickelt, eine Figur zu verteidigen.

Wie bei Max?

Genau. Max wuchs ohne Vater auf und musste sehr früh diese Rolle selber übernehmen. Da ging für ihn ein Stück Kindheit verloren, denn schon in jungen Jahren musste er eine riesige Verantwortung tragen, wodurch der Raum zum Träumen verschwunden ist. Auf der anderen Seite entwickelte Max dadurch starke Tugenden – Loyalität, Ehrlichkeit, Ehrgeiz, um nur ein paar zu nennen. Und die Familie stand für ihn immer an erster Stelle. Aber Max ist auch enorm stur, was den Umgang mit ihm nicht einfach macht.

Und dann gab es da noch die rumänischen Wasserbüffel. Wie war der Dreh für Sie mit einer nicht gerade kleinen Rasse?

Für mich waren nicht nur die Büffel eine Herausforderung, sondern auch die Pferde. Beides keine kleinen Tiere. Ich war als Kind nur einmal in meinem Leben auf einem Pony. Und prompt saß ich auf einem Pferd, umringt von hundert Büffeln. Ich wusste weder, wie das Pferd auf mich, noch wie es auf die Büffel reagieren würde, und umgekehrt. Dies sorgte für eine ordentliche Spannung in der Luft. Das war keine ganz alltägliche Situation. Aber das ist genau das Schöne an diesem Beruf.

Hatten Sie Angst?

Es gab diesen einen Moment, als es kurz still wurde am Set. Einer dieser liebevollen Büffel spürte plötzlich nach zwanzig Sekunden Rebellion den Drang, mit seinem Kopf gegen ein Eisengehege zu springen. Dass danach drei dicke Eisenstangen komplett durchgebogen waren, wurde dann von allen vehement verdrängt. (lacht)

Würden Sie gern einmal in einem "echten" Western mitspielen?

Unheimlich gerne. Mit solchen Filmen bin ich aufgewachsen. Als kleines Kind stand ich verkleidet vor dem Spiegel und habe mich selbst erschossen.

Wieviel "Cowboy" steckt in Marc?

Ein ganzer!

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