Uljana Havelmann

Regisseurin

Vicky (Jessica Ginkel) bleibt in Monschau.
Vicky bleibt in Monschau. | Bild: ARD Degeto / Hardy Spitz

Berlin, Los Angeles, Monschau: Liegen zwischen diesen Städten für Sie Welten?

Ja, selbstverständlich – und das nicht nur flächenmäßig! (lacht) Berlin ist meine Heimatstadt – noch heute ist die Stadt eine Zweigeteilte, in ihr ist die deutsch-deutsche Geschichte lebendig an jeder Ecke. Los Angeles ist riesig und dominiert vom Verkehr – aber im wahrsten Sinne des Wortes eine Stadt, in der mir begegnet ist, dass dort wirklich alles möglich ist. Ich habe dort meine eigenen Filme gedreht und überall Support erfahren. Die Menschen sind so offenherzig und kreativ und multikulti – davon kann Berlin nur träumen. Monschau ist wiederum winzig, eher ein großes Dorf – aber eine Perle, weil sie als eine der wenigen Städte im II. Weltkrieg komplett verschont wurde von den Fliegerbomben – ganz im Gegensatz zum benachbarten Köln. Dadurch wandelt man durch die kleinen Gassen und kann sich spielend in vergangene Jahrhunderte hineinträumen. Und Monschau ist ein Beweis dafür, wie schön Deutschland einmal war. Die Stadt ist eine Augenweide, wenn Sie sich die Touristenmassen wegdenken – oder wie in unserem Fall – durch Absperrungen zurückhalten, damit wir überhaupt drehen konnten.

Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit an fiktionalen Projekten im Vergleich zu Dokumentationen?

Simpel gesprochen, vor allem dadurch, dass man mit Schauspielern arbeitet, an einer vorgegebenen Geschichte, die in einem Drehbuch steht. Beim Dokumentarfilm beobachtet man reale Situationen und Menschen, man ist häufig zu dritt: Kamera, Ton & Regie. Die Arbeit ist sehr intim – nah am Protagonisten. Beim Spielfilm beginnt die Crew bei ca. 30 Teammitgliedern. Für mich liegt der Hauptunterschied aber in meiner inszenatorischen Arbeit: Beim Dokumentarfilm nehme ich mich komplett aus dem Geschehen heraus, trete als Regisseurin zurück. Der Film entsteht hauptsächlich im Schneideraum. Beim Spielfilm liegt in jedem Detail meine Vision – vom Kostüm über die Drehorte, den Look und in der Inszenierung. Und zur wahren Freude wird es dann, wenn sich Schauspieler und Team für diese Vision begeistern können und ihr Talent in jedem Gewerk, in jeder Szene mit einfließen lassen. Dann beginnt die Magie.

Worin liegt für Sie der Reiz einer „Endlich Freitag im Ersten“-Reihe?

Gute Unterhaltung auf höchstem Niveau für ein breites Publikum – das war mein Anspruch an mich selber.

Welche neue Farbe bringen Vicky und ihre Familie mit in die „Eifelpraxis“?

Das muss der Zuschauer beurteilen. Im besten Fall fühlt sich der treue Fan der Eifelpraxis in seinem Format zu Hause und wird überrascht von einem neuen Look, neuem, frischen Wind. Und der Erstseher begeistert sich für moderne, tolle und sehr emotionale Filme.

Inwieweit fließt Ihre Erfahrung als Casting Director in Ihre Arbeit mit den Schauspielern ein?

Auf allen Ebenen! Ich finde, dass sich die beiden Bereiche permanent gegenseitig befruchten. Das habe ich als Casting Director immer schon gedacht – denn ein präzise und überraschend besetzter Film ist ein Glück für jede Regie. Und natürlich kenne ich viele Schauspieler und kann sie heute als Regisseurin direkt anrufen und ihnen eine Rolle anbieten – das macht vieles leichter. Da herrscht auf beiden Seiten viel Vertrauen.

Wie haben Sie die Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen erlebt?

Anfänglich fühlte es sich so an, dass wir keinen Film vorbereiten, sondern eine Abstandsregelübung an einer riesigen Ampelkreuzung – alle Szenen waren markiert mit den Ampelfarben mit Rot/Gelb/Grün. Das heißt, ich musste mich der Produktion gegenüber verpflichten, Szenen zu inszenieren komplett ohne, mit etwas oder mit Körperkontakt. Ich wusste natürlich nicht, wie ich gerade in einem Medical-Format, in dem Menschen in Lebensgefahr schweben und von Medizinern behandelt werden müssen, wie das ohne Berührung möglich sein soll. Im Laufe der Zeit sind uns dann im Team viele kreative Lösungen eingefallen. Aber es kam auch vor, dass wir eine Szene dreimal auf den Drehplan setzen mussten, denn immer war ein anderer Schauspieler in Quarantäne. Das ist natürlich krass, denn am Ende darf der Zuschauer dem Film natürlich nicht anmerken, dass Wochen zwischen den einzelnen Einstellungen vergangen sind. Alles sollte so aussehen wie ohne Corona, eben ganz selbstverständlich.

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