Fragen an Miroslav Nemec

Georg (Miroslav Nemec) mit Enkeltochter Leni (Falka Klare).
Georg mit Enkeltochter Leni. | Bild: ARD Degeto / Georges Pauly

Wie gut können Sie Georg und sein Verhalten verstehen?

Mein Adoptivvater war Ingenieur und Konstrukteur und hatte eine ähnliche Mentalität. Und bei Georg darf man nicht vergessen, dass er seinen Sohn verloren hat, und muss ihn auch über diesen Schmerz definieren. Ansonsten ist er durch und durch ein klassischer Handwerker – das sind eher Tüftler und präzise Arbeiter, aber keine besonders gesprächigen, kommunikationswütigen Menschen. Ihre Gefühle liegen ihnen nicht auf der Zunge, aber sie haben natürlich welche, und können andererseits sehr herzlich sein. Ich mag das alte Handwerk sehr, in unserer Nachbarschaft in Zagreb gab es Schreiner, Schuster, Schneider, alles großartige Gewerke, und manche gibt es heute kaum noch. Wir haben den Film übrigens in und neben einer echten Schreinerei gedreht.

Dann kamen Ihnen als Georg manche Handgriffe bestimmt bekannt vor?

Mein Adoptivvater hatte eine Modelleisenbahn-Werkstatt, und bei ihm hab‘ ich fräsen, gravieren und technisches Zeichnen gelernt. Ich musste auch lernen, wie man eine Feile und einen Lötkolben richtig hält und wie man mit der Schublehre umgeht – da war er sehr streng. Für die Dreharbeiten zeigte mir dann der Schreinermeister, wie man mit dem Hobel arbeitet. Gar nicht so einfach, so ein richtiger Zug mit dem Hobel ist schon eine professionelle Angelegenheit. Aber für meine Szenen hat er ihn so eingestellt, dass es leicht aussieht.

Woher kommt eigentlich Georgs Sturheit und Unerbittlichkeit Julika gegenüber, als ein neuer Mann Platz in ihrem Leben findet?

Das ist einfach Georgs Weltbild, das noch aus einer etwas anderen Zeit stammt. Vielleicht kommt es aus einer Tradition heraus, dass er an ein bestimmtes Familien- und Ehe-Prinzip glaubt und sich mit neuen Entwicklungen nicht so ganz arrangieren kann. Das war die Zeit der ewigen Treue, der Ein-Weg-Ehe, wo man sich nicht scheiden lässt und zusammenbleibt, auf Biegen und Brechen. Und in Georgs Fall spielt wie gesagt immer noch der Tod des Sohnes eine große Rolle.

Also Treue bis über den Tod hinaus. Einmal Witwe - immer Witwe, meint Georg ja an einer Stelle im Film. Wie sehen Sie das?

Das ist natürlich schon sehr kategorisch (lächelt). Ich denke, das sagt er vielleicht aus seiner Wut heraus. Aber er ist ja dann doch sehr einsichtig und hat ein großes Herz, doch er kann manchmal nur schwer über seinen Schatten springen.

Georg und die ganze Familie trauern sehr über den Unfalltod des Sohnes, alles soll noch an ihn erinnern, nichts darf im Haus verändert werden. Wann ist nach Ihrer Meinung der Zeitpunkt gekommen, um – bei aller Trauer – loszulassen?

Das ist ganz individuell, würde ich sagen. Für den Film ist alles natürlich ein bisschen typisiert, und Georg ist der Gegenpol, um die verschiedenen Positionen herauszustellen. Aber ich denke, irgendwann sollte man trotz der Trauer ein neues Leben anfangen. Und wenn jemand das nicht kann, gibt es sicherlich Gründe dafür. Ist es ein Festhalten an romantischen Vorstellungen oder an Vorstellungen, die vielleicht gar nicht zugetroffen haben und die man jetzt glorifiziert? Das kommt durchaus vor oder es war eben die einzige, wahre Liebe.

Georg ist ja ein ausgesprochener Familienmensch – was bedeutet Ihnen selbst Ihre Familie?

Sie ist natürlich der Halt. Ich komme auch allein im Leben klar, wenn keiner da ist, aber die Familie ist natürlich die schönere Variante. Mit meiner Frau und den Töchtern, das ist eine sehr emotionale, sehr starke und sinngebende Bindung. Mein Beruf ist der Hauptmotor, der mir viel gibt, aber ohne die Familie wäre die Balance nicht da. Meine Frau ist ja Dokumentarfilmerin, aber über unsere Arbeit sprechen wir zu Hause eher sporadisch. Meistens geht es um Kind, Schule, Privates und natürlich auch Organisatorisches, also, wer wann wo ist – mit wem oder ohne (lacht).

Mit dem richtigen Maß von Nähe und Abstand hat Georg ja so seine Schwierigkeiten. Können Sie gut loslassen oder sind Sie derjenige in der Familie, der alles gern managt?

Ja, ich hab‘ gern die Fäden in der Hand. Das versuche ich jedenfalls. Aber ich kann auch loslassen – manchmal muss mich meine Frau allerdings dazu anhalten (lacht).

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