Fragen an Christiane Hörbiger

Lilo (Christiane Hörbiger) und der Charmeur Roland (Mario Adorf) nehmen einen zweiten Anlauf.
Lilo und der Charmeur Roland nehmen einen zweiten Anlauf. | Bild: ARD Degeto / Marion von der Mehden

Frau Hörbiger, Sie spielen in der Komödie "Einmal Sohn, immer Sohn" Lilo, die knapp 80-jährige Herausgeberin ihres gleichnamigen Frauenmagazins und eine Ikone der Frauenbewegung. Was hat Sie gereizt, diese Rolle anzunehmen?

Ich habe mich gefreut, nach den vielen Dramen, für die ich in den letzten Jahren vor der Kamera stand, endlich wieder einmal in einer Komödie mitzuwirken. Es war das sehr gute und stimmige Drehbuch, das mich sofort überzeugt hat, diese Rolle zu spielen. Ich hatte großen Spaß an meiner Figur, da ich es liebe, boshafte Frauen zu verkörpern! Lilo ist eine streitsüchtige, schonungslose Frau, die ohne Rücksicht auf andere ihren Weg geht. Beruflich wie privat. Ihre Schwiegertochter mag sie nicht, nur ihren Sohn Ruben liebt sie und vor allem ihren Enkelsohn.

Aber an ihrem Sohn, immerhin ein angesehener Brückenbauer, mäkelt Lilo doch ständig herum?

Aus Liebe. Sie möchte, dass ihr einziger Sohn überall die Nummer 1 ist. Deshalb nimmt sie auch wieder Kontakt zu ihrem früheren Lover, dem Architekten Roland Hartwig, auf. Lilo hofft, dass er Ruben unterstützt. Mit Sebastian Bezzel zu spielen, der meinen Filmsohn verkörpert, hat mir großes Vergnügen bereitet – schauspielerisch wie menschlich.

Geben Sie als erfahrene Charakterdarstellerin jungen Schauspielern auch etwas mit auf den Weg?

Nein, das mache ich nicht. Und was Sebastian Bezzel betrifft: Er ist viel zu gut und erfahren, eher würde ich mir etwas von ihm und seinem Spiel abschauen.

Mit Mario Adorf standen Sie schon einmal vor sieben Jahren für die Literaturverfilmung "Die lange Welle hinterm Kiel" vor der Kamera. In "Einmal Sohn, immer Sohn" spielt er den Architekten Roland Hartwig, Lilos Liebhaber aus früheren Zeiten. Inwiefern erleichtert es Ihnen das Spiel, wenn Ihnen ein Kollege vertraut ist?

In diesem meinem Fall überhaupt nicht. Mir haben die Knie vor Aufregung gezittert, denn ich habe großen Respekt vor Mario Adorf. Als ich hörte, dass er zugesagt hat, diese Gastrolle zu übernehmen, habe ich mich schrecklich gefreut! Mario Adorf ist ein wirklich großer Star und die Spielszenen mit ihm waren einfach wunderbar.

Würden Sie sagen, dass Lilo in ihrem hohen Alter noch eine Entwicklung durchmacht?

In gewisser Weise ja. Sie wird weicher. Dazu hat sicherlich auch die gemeinsame Nacht mit Roland Hartwig beigetragen … Und sie sieht allmählich ein, dass sich nicht immer alles um sie dreht, dass es auch etwas anderes gibt als ihren Beruf, von dem es ihr schwer fällt, sich zu verabschieden. Ich glaube, Lilo hat auch verstanden, dass sie als Mutter und Familienmensch viele Jahre lang versagt hat.

Worin lag für Sie die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Es war insgesamt sehr anstrengend für mich. Die Rolle war ja sehr groß, folglich stand ich ununterbrochen vor der Kamera. Als sehr unangenehm habe ich das Spiel mit den verbundenen Augen empfunden. Ich konnte nichts sehen und war immer froh, wenn ich die Augenbinden in der Mittagspause abnehmen konnte. Aber um diese Situationen wirklich glaubhaft zu spielen, wollte ich nichts sehen. Man bewegt und verhält sich als nicht sehender Mensch ganz anders und kann sich so besser in eine Person einfühlen, die tatsächlich blind ist.

Inwieweit empfinden Sie es als schwieriger, eine Komödie zu spielen als ein Drama?

Auf der Theaterbühne ist es leichter, eine Tragödie zu spielen als eine Komödie. Man erlebt sofort die Reaktionen des Publikums, die manchmal eben auch nicht so positiv ausfallen können. Bei einer Komödie, für die man vor der Kamera steht, ist man abgeschirmter, denn der Regisseur und der Cutter entscheiden im Schnitt darüber, an welcher Stelle die Pointen gut gesetzt sind.

Sie selbst haben einen erwachsenen Sohn. Kamen Ihnen manche Momente in dem Film bekannt vor, Szenen etwa, in denen Lilo ihren Sohn maßregelt?

Überhaupt nicht. Ich würde es nie wagen, meinen Sohn zurechtzuweisen.

Sie werden im Oktober 80 Jahre alt und spielen in dieser Komödie eine 80-jährige. Wenn Sie zurückblicken: Hat sich das Schauspiel im Laufe Ihrer Karriere verändert?

Das Schauspiel selbst nicht. Einen Unterschied gibt es schon: Man hat sich früher mehr Zeit gelassen. Mittlerweile ist das Tempo schneller geworden, und das ist gut so.

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