Gabriele Grote-Kux

Leiterin "Soziale Dienste der Justiz" Berlin, Beraterin der Reihe

Eine Runde ohne Reue: Bewährungshelferin Klara (Mariele Millowitsch, Mitte li.) mit Knast-Opa Rudi (Christian Grashof, li.), Merle Scheffner (Nadja Becker, re.), Dennis (David Hürten, Mitte) und seinem Heimkollegen (Sascha Stenzel, Mitte li.).
Eine Runde ohne Reue: Bewährungshelferin Klara mit Knast-Opa Rudi, Merle Scheffner, Dennis und seinem Heimkollegen. | Bild: ARD Degeto / Frank Dicks

Mit der neuen Reihe "Klara Sonntag" wird mit der Bewährungshilfe ein sehr seltenes Thema in den Fokus gestellt.Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, diesen Beruf mehr in die Öffentlichkeit zu bringen?

Ich finde das sehr wichtig! Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer tragen als professionelle Akteure der staatlichen Straffälligenhilfe täglich dazu bei, dass Haftentlassene zurückfinden in ein sozialverträgliches und möglichst straffreies Leben. Und dass Straffällige ohne vorherige Inhaftierung ihr Leben durch fachkompetente Begleitung möglichst nachhaltig und ohne weitere Straftaten stabilisieren können. Sie übernehmen im Auftrag der Gerichte auch Kontrollaufgaben und überwachen die Einhaltung von Auflagen und Weisungen. Mit der Wahrnehmung dieser Aufgaben leisten Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit und zum sozialen Frieden in der Stadt.

Inwieweit konnten Sie der Serie beratend zur Seite stehen?

Ich selbst habe lediglich Informationen zum gesetzlichen Auftrag und den Kernleistungen der Bewährungshilfe gegeben.Die Beschreibung der konkreten Aufgabenfelder und der damit verbundenen fachlichen wie persönlichen Herausforderungen im Arbeitsalltag erfolgte durch eine erfahrene Bewährungshelferin der Berliner Sozialen Dienste der Justiz. Mittels ausgewählter Fallbeschreibungen konnte, so hoffen wir zumindest, ein ungefähres Bild des Tätigkeitsfeldes skizziert werden. Meines Wissens haben allerdings auch Mitarbeitende der Kölner Bewährungshilfe Beratungsleistungen geleistet.

Was muss man unbedingt mitbringen, um diesen Beruf erfolgreich ausüben zu können?

Neben dem Hochschulabschluss als Sozialarbeiter sind vor allem soziale Kompetenz, Geradlinigkeit, Glaubwürdigkeit, Lebenserfahrung, Menschenkenntnis, Zuverlässigkeit, Kontaktfreudigkeit und Empathie sowie die Fähigkeit zur Einhaltung professioneller Distanz und zur Selbstreflexion Grundvoraussetzungen, um in der Funktion einer Bewährungshelferin oder eines Bewährungshelfers überzeugende Arbeit leisten zu können.

Sie haben den ersten Film "Klara Sonntag" bereits gesehen. Unabhängig von fiktionalen Elementen – wie realistisch wird Ihr Beruf dargestellt?

Wenn man weiß, dass es sich um das Filmformat einer Komödie handelt, dann sind zwangsläufig hinsichtlich der authentischen Darstellung des eigenen Arbeitsfeldes Abstriche zu machen. Es lassen sich aber durchaus einige Momente mit hohem Wiedererkennungswert ausmachen. Bei den fiktionalen Zuspitzungen wird entweder aus Unwissenheit oder wegen des dramaturgischen Kalküls mit Tabus gebrochen: die grenzenlose Durchmischung von dienstlichen und persönlichen Interessen, das private Verhältnis zu einem Richter, der zugleich die Fachaufsicht über den Bewährungsfall hat, das Duzen der Probanden …

Wie gefällt Ihnen Mariele Millowitsch in der Rolle der Bewährungshelferin?

Ich bin da nicht wirklich objektiv. Als langjähriger Fan ihrer Fähigkeiten, angenommene Filmrollen gleichermaßen authentisch wie glaubwürdig zu spielen, war ich überzeugt davon, dass Frau Millowitsch das auch in ihrer Rolle als Bewährungshelferin gelingen wird. Mit ihrer Interpretation der Rolle könnte sie hier durchaus eine Kollegin sein, die mit ihren markanten und eigenwilligen Persönlichkeitsmerkmalen sicherlich beliebt ist, gelegentlich aber auch nerven kann. Ich würde Frau Millowitsch gerne als Mitarbeiterin und Kollegin im Team der Sozialen Dienste in Berlin sehen. Sie ist herzlich eingeladen, sich bei uns vor Ort mit den realen alltäglichen Herausforderungen einer Bewährungshelferin vertraut zu machen.

Was würden Sie ihr für die nächste Folge noch mit auf den Weg geben?

Weniger Frau Millowitsch als den Drehbuchautoreninnen und -autoren würde ich empfehlen: der Rolle mehr professionelle Distanz zu den Probanden "einzuhauchen", weniger persönliches "Drama" der Hauptdarstellerin, sondern mehr Lebensrealität einer Bewährungshelferin (Grenzen der Empathie, Enttäuschungen aus dem Arbeitskontext, Auseinandersetzungen…), denn die ist bei allen Anstrengungen in der Tat sehr bunt und abwechslungsreich.

0 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.