Klara Deutschmann spielt Rike Wildenstein

Mit Elan geht Rike (Klara Deutschmann) die große Herausforderung an, den hochverschuldeten Reiterhof Wildenstein wieder auf Kurs zu bringen.
Klara Deutschmann in ihrer Rolle als Rike Wildenstein. | Bild: ARD Degeto / Hendrik Heiden

Die rebellische Tochter wusste schon sehr früh, was sie wollte: weg von zu Hause! Vom Austauschjahr in den USA kam der Teenager nicht mehr zurück und ließ alles hinter sich – den strengen Vater, die Mutter, die ihr nicht wirklich zur Seite stand, und die unerbittlichen, traditionellen Zucht- und Dressurregeln, die auf dem Reiterhof der Familie oberstes Gesetz sind. Die Rike, die nach 13 Jahren zurückkehrt, ist eine selbstbewusste Frau, die als Trainerin von Wildpferden mit ihrem Lebenspartner Jack erfolgreich eine Ranch in Montana betreibt. Mit ihren Methoden, die auf Achtsamkeit und Intuition beruhen, hat sie sich einen Namen in der Branche gemacht. Um auch als neue Gutsverwalterin sattelfest zu werden und den Hof nach ihren Vorstellungen zu gestalten, muss sich "Pferdeflüsterin" Rike in einem Umfeld behaupten, das ihr viele Hindernisse in den Weg stellt. Ihre Beziehung zu Pferden wird für sie zum Schlüssel im Umgang mit Menschen.

Fragen an Klara Deutschmann

Pferde helfen Menschen auch über schwere Zeiten hinweg – davon ist Rike überzeugt. Können Sie Rikes innige Beziehung zu Pferden nachvollziehen?

Die bedingungslose Zuneigung, die Tiere dem Menschen entgegenbringen – unabhängig davon, was man geleistet hat, womit man unglücklich ist oder worüber man grübelt – kann sehr tröstend, ermutigend und stärkend sein. Pferde sind sensible Tiere. Ihr Vertrauen zu gewinnen, gibt einem viel Kraft.

Woher kommt es, dass man vor allem Mädchen und Pferden eine besondere Verbindung nachsagt?

Dass scheinbar gerade Mädchen ihre Zeit im Reitstall verbringen, liegt, glaube ich, zu großen Teilen an gesellschaftlichen Rollenbildern. Mädchen wird zugeschrieben, dass sie gerne kuscheln, Jungs, dass sie kompetitiv sind. Gerade im Spitzensport gibt es auch viele männliche Reiter. Rollenbilder können beeinflussen, welchen Weg Kinder einschlagen. Viele Kinder haben mit Tieren eine ungefilterte, naive und direkte Art zu kommunizieren, die wir im Älterwerden verlernen. Ich denke, dass es nicht per se mit dem Geschlecht zu tun hat, ob Jungen oder Mädchen eine Verbindung zu Pferden haben.

Sie hatten bereits einige Erfahrungen mit dem Reiten – wie haben Sie sich darüber hinaus auf die Rolle der "Pferdeflüsterin" Rike vorbereitet? Was mussten Sie speziell trainieren?

Es hat mir natürlich sehr geholfen, dass ich mit Pferden aufgewachsen bin und eine enge Beziehung zu ihnen hatte. Vor den Dreharbeiten habe ich viele Stunden im Stall verbracht, um das Selbstverständnis im Umgang mit Pferden wieder zu empfinden. Es war spannend, wie schnell sich mein Körper an all die Abläufe erinnert hat. Außerdem habe ich recht früh meine tierischen Spielpartner kennengelernt und die Grundlagen der sogenannten Freiheitsdressur – das Wechselspiel von Nähe und Distanz – erlernt. Gleichzeitig habe ich gezielt für das Dressurturnier trainiert, diese hohe Dressur bin ich früher nicht geritten.

Wie war es, mit Pferden als "Kollegen" zu drehen? Was war dabei die größte Herausforderung?

Das Schönste und gleichzeitig das Herausforderndste an der Arbeit mit Pferden ist ihre Unmittelbarkeit. In den seltensten Fällen machen sie zweimal das Gleiche. Somit bleiben die Szenen natürlich situativ und pur, und wir mussten spontan mit dem neuen Spielangebot der Pferde umgehen. Für die Anschlüsse und die technische Umsetzung konnte es aber auch ganz schön anspruchsvoll sein. Am meisten ist mir in Erinnerung geblieben, wie Jacomo bei einer Liebesszene, die vor seiner Box spielte, immer wieder seinen Kopf zwischen meinen Partner und mich streckte, kurz bevor wir uns küssen sollten. Als wollte er mich nicht mit einem anderen teilen. Wir mussten unglaublich lachen. Aber er hat das ziemlich verlässlich immer wieder an derselben Stelle gemacht, so dass wir seine Reaktion mit eingebaut haben.

Haben Sie sich im Vorfeld der Dreharbeiten näher mit den beiden Trainingsarten – klassische Dressur versus achtsame Herangehensweise – beschäftigt?

Da ich selbst beide Richtungen der Ausbildung erlebt habe, konnte ich Rikes alternative Herangehensweise gut nachvollziehen. Ich bin nach einer ganz klassischen Dressurausbildung einige Jahre auf einem Hof geritten, auf dem ich gelernt habe, welche Arten der Kommunikation zwischen Reiter und Pferd noch möglich sind. Das war eine spannende Erfahrung! Ich habe gelernt, wie ich ohne Sattel und Trense, nur mit Gewichtsverlagerung und den richtigen Hilfen mit dem Bein komplexe Übungen reiten kann. Klassische Dressur bedeutet ja nicht, dass man gewaltvoll mit den Tieren umgeht. Aber ich glaube, dass eine alternative Herangehensweise in der Ausbildung zusätzlich sehr bereichernd sein kann. Es geht dabei ja um Kommunikation und Vertrauen. Allerdings weiß ich, dass Gewalt im Reitsport oft stattfindet, und es steht außer Frage, dass das nicht der richtige Weg ist.

Rike verließ schon früh den elterlichen Hof und fand in Amerika ihr Glück. Welche Erfahrungen haben Sie selbst diesbezüglich gemacht, und wie haben Ihre Eltern reagiert?

In die Welt zu reisen, sei es ans andere Ende oder in die nächstgrößere Stadt, Gedanken anderer Menschen, Sprachen, Umgebungen und Kulturen kennenzulernen und so den eigenen Kosmos zu vergrößern, ist eine bereichernde Erfahrung. Ich habe auf meinen Reisen viel über mich selbst gelernt. Auf eigenen Füßen zu stehen und für meine Entscheidungen selbst Verantwortung zu tragen, hat mir Selbstvertrauen geschenkt. Dass ich entschieden habe, ein Jahr in Australien zu verbringen, hat meine Familie unterstützt – auch wenn sie sicher nichts dagegen gehabt hätten, wenn es nicht am anderen Ende der Welt gewesen wäre.

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