Fragen an Ulli Maier

Elsa (Ulli Maier) betrachtet die Vergangenheit.
Elsa betrachtet die Vergangenheit. | Bild: ARD Degeto / Marc Reimann

Jahrzehntelang bewahrte Elsa ein Familiengeheimnis: Können Sie nachvollziehen, dass sie so lange darüber schweigt?

Nein, das kann ich nicht nachvollziehen – da gibt’s so einiges, was mir an Elsa fremd ist. Aber eine Affäre zu verschweigen, das kommt natürlich auch im wirklichen Leben vor. Gerade in den bürgerlichen Verhältnissen, in denen Elsa lebt, gibt es großen gesellschaftlichen Druck, so dass man nicht einfach diese gesellschaftlichen Fesseln durchbrechen kann. Man muss aber auch sagen, dass Elsa schon ein bisschen feige ist. Erst jetzt findet sie ihren Mut, Stück für Stück. Aber genau das finde ich spannend an der Figur, dass sie auch im höheren Alter ihr Leben nochmal umdreht und mit Georg ihre Liebe lebt, die wohl schon ewig in beiden geschlummert hat.

Um Ferdinand endlich die Wahrheit über seinen Vater zu sagen, wartet sie ja auf "den richtigen Zeitpunkt". Gibt es eigentlich für so eine Beichte den richtigen Zeitpunkt?

Den richtigen Zeitpunkt gibt es wohl nicht. Und wie sich herausstellt, hat so ein spätes Geständnis Konsequenzen. Dass der Sohn nicht leichthin sagt, ach, Mami, schön, dass du es gesagt hast, und jetzt wird alles wieder gut, ist verständlich. Die Gefahr, dass es zu einem Bruch kommt, ist natürlich groß, und ich finde es psychologisch nachvollziehbar, wenn man diese Konfrontation erst einmal verschiebt. Aber dieses ewige Verschieben auf den Sankt-Nimmerleins-Tag ist eigentlich die nächste Katastrophe. Ich selber spreche schwierige Themen sehr schnell an, zumal ich privat eine sehr schlechte Lügnerin bin. Wer mich kennt, sieht mir schon aus zehn Kilometer Entfernung an, wenn ich etwas mit mir herumtrage, das mich belastet.

Und dann taucht auch noch Elsas Schwester Michi auf, und die beiden sind nicht gerade das, was man "ein Herz und eine Seele" nennt. Woher kommt dieses angespannte Verhältnis? Haben Sie selbst auch Geschwister?

Ich glaube, so ein Verhältnis gibt es relativ häufig. Ich hab auch eine Schwester, die lustigerweise ebenfalls Michi, also Michaela, heißt. Auf der einen Seite lieben wir uns, auf der anderen Seite können wir auch sehr angespannt miteinander umgehen. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich denke, ich verstehe sie nicht, und sie denkt dasselbe über mich. Und dann wiederum sind wir uns ganz, ganz nah und füreinander da. Ich glaube, dass Familienstrukturen ohnehin schwierig sind, denn da werden verschiedene Menschen in einer Konstellation zusammengewürfelt, ob sie wollen oder nicht. Da können Konkurrenzverhältnisse entstehen - der eine macht Karriere, der andere weniger, der eine hat ein bisschen mehr Glück im Leben, der andere weniger. Wie bei Elsa und Michi. Ich denke, die zwei mögen sich zwar, sonst würde Elsa sie nicht bei sich wohnen lassen, andererseits gibt es große charakterliche Differenzen. Im realen Leben fände ich Michi auch etwas anstrengend, aber mit Michaela May, mit der ich zum ersten Mal gedreht habe, habe ich mich umso besser verstanden.

Zusammen mit Michi eröffnet Elsa dann einen Hofladen – wie wichtig sind Ihnen selbst Bio-Produkte?

Ich lebe in Wien, da ist es zwar mit Hofläden schwierig, aber wenn es irgendwie geht, kaufe ich Bio-Produkte. Leider bin ich nicht vegetarisch orientiert, was ich aus ethischen Gründen gern wäre. Aber ich habe Blutgruppe 0 – die klassischen Fleischesser - und deshalb fällt es mir besonders schwer, auf Fleisch zu verzichten (lacht). Aber auch hier versuche ich, Bio-Fleisch zu kaufen. Wenn man allerdings an die Massentierhaltung und riesigen Schlachthöfe denkt, vergeht einem der Appetit. Die Zustände dort, auch bei uns in Österreich, sind indiskutabel, da sollten dringend Maßnahmen ergriffen werden. Ich bin noch ganz anders aufgewachsen, es gab es nur einmal die Woche Fleisch, und es wurde viel einfacher und gesünder gekocht. Ich finde, Fleisch sollte wieder mehr ein Luxusprodukt werden. Zumal die Gewichtungen auch nicht stimmen, wenn Gemüse zum Beispiel teurer ist als Schweinefleisch – das sollte dringend reguliert werden.

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