Fragen an Andrea Sawatzki

Connie (Andrea Sawatzki) genießt die grüne Weite Irlands.
Connie genießt die grüne Weite Irlands. | Bild: ARD Degeto / Martin Maguire

Frau Sawatzki, in der Komödie „Sprachlos in Irland“ sind Sie in der Rolle von Connie zu sehen, die aus beruflichen Gründen einen Sprachkurs in Irland bucht. Ein Aufenthalt, der ihr bisheriges Leben gehörig auf den Kopf stellt. Was hat Sie an dieser charmanten Rolle gereizt?

Auf jeden Fall die komischen Momente, in die Connie immer wieder unbeabsichtigt stolpert. Ich mag Figuren, die von sich glauben, alles im Griff zu haben, und sich dann im Lauf der Geschichte immer weiter in sich selbst und den sorgsam gespannten Fäden verwickeln. Und das hat mich auch am Drehbuch überzeugt: die Situationskomik. Die schönen, manchmal schrägen Dialoge. Die Schlagfertigkeit der Figuren und ihr Innehalten im „Nicht mehr weiter wissen ...“. Wie im Leben!

Connie ist durch und durch Perfektionistin. Gestalten auch Sie Ihr Leben vollkommen durchgeplant oder eher spontan?

Ich bin der völlige Gegensatz zu Connie. Ich mag Pläne nicht so gern bzw. ich habe sie gern vor Augen, um sie dann über den Haufen zu werfen und in die andere Richtung zu marschieren.

Connie und Max (Götz Schubert), der andere Sprachschüler an der irischen Sprachschule, könnten gegensätzlicher nicht sein. Was unterscheidet Connie von Max?

Eben dieses Festhalten an den eigenen Regeln, an einem möglichst risikoarmen Leben. Ein Leben auf der Standspur. Und dann kommt Max mal eben auf der Überholspur vorbei und reißt Connie mit sich.

Wie war das Spiel mit Ihrem Schauspielkollegen Götz Schubert?

Mit Götz zu spielen, macht großen Spaß. Wir kannten uns schon aus früheren Filmen. Wir gehen, glaube ich, recht unterschiedlich an die Arbeit heran. Er ist eher ernsthaft bei der Sache, kann aber Blödsinn nicht widerstehen. Das hat uns ziemlich zusammengeschweißt.

Und was schätzen Sie besonders an ihm?

Das Konstruktive. Das Zweifelnde. Das Suchende. Die Freude, wenn‘s klappt.

Die Sprachschule in Irland, bei der Connie landet, ist keine Sprachschule im eigentlichen Sinne, sondern ein Bestattungsunternehmen. Wie gehen Sie persönlich mit dem Thema Tod um?

Nicht gut. Ich fürchte ihn.

Die Inhaberin der Sprachschule ist Bestatterin, die Leichen präpariert. Wie groß wäre Ihre persönliche Hemmschwelle, eine Leiche anzufassen?

Ich habe schon Leichen angefasst in meinem Leben. Es macht mir Angst. Vielleicht ist es leichter, fremde tote Menschen anzufassen. Die Kälte des Körpers fährt mir durch alle Glieder. Ich kann nicht glauben, dass der Mensch, den ich gerade noch lebend gesehen habe, nie mehr wiederkommen wird. Daran werde ich noch üben müssen. Der Tod lässt sich nicht verdrängen. Bestatterin sein könnte ich nicht. Mir fällt es schon schwer, tote Haustiere in einem Loch im Garten zu platzieren und die Erde drauf zu schütten.

Der Dreh fand an der irischen Westküste statt. Was hat Ihnen an Irland und der Gegend, in der Sie gedreht haben, besonders gut gefallen?

Die Natur, das Wilde, das Unberechenbare. Die Stürme, die sich in Sekunden legen, Wärme, die sich in Bruchteilen in Eiseskälte verwandelt, Regen, der genauso schnell aufhört, wie er gekommen ist. Das wilde Meer, die kleinen „Pools“ in den Felsen, Wasser, das nach der Ebbe dort zurückgeblieben ist und worin man herrlich geschützt schwimmen konnte. Die glücklichen Kühe überall auf den Weiden ...

Was schätzen Sie besonders an der irischen Bevölkerung?

Ihren Humor, die Hilfsbereitschaft, die Lust am Leben, am Singen, am Tanzen, am Feiern. Was mich aber am meisten beeindruckt hat, war ihr Umgang mit Temperaturen an der Gefriergrenze. Je kälter es wurde, desto weniger hatten sie an. Und sie machen das Klippenspringen, das wir im Film zeigen, tatsächlich. Ohne sich vorher abzukühlen. Wo wir Deutschen erst mal einen Kälteschock davontragen und vielleicht infolgedessen ertrinken würden, springen sie aus zehn Metern Höhe ins eiskalte Meer, tauchen minutenlang und können gar nicht genug kriegen von der Kälte. Unsere irischen Beleuchter hatten sich beim Klippenspringen mit einem Delphin angefreundet. Jedes Wochenende, bei Wind und Wetter, sommers wie winters, trafen sie sich an der Klippe, um mit dem Delphin zu schwimmen, der schon auf sie wartete, der genau wusste, wann sie wiederkommen würden. Bis er eines Tages nicht mehr da war. Was unsere Freunde ziemlich getroffen hat. Diese Tierliebe, der Respekt vor anderen Lebewesen ... auch das sind die Iren.

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