Fragen an Leo Reisinger

Frauenärztin Luise (Wolke Hegenbarth) und Entbindungspfleger Toni (Leo Reisinger) beginnen eine Praxisgemeinschaft.
Frauenärztin Luise und Entbindungspfleger Toni beginnen eine Praxisgemeinschaft. | Bild: ARD Degeto / Kerstin Stelter

Wussten Sie vor der Zusage für dieses Projekt, dass es männliche Geburtshelfer überhaupt gibt? Und was haben Ihre Recherchen dann diesbezüglich ergeben?

Ehrlich gesagt, nein, ich dachte, dieser Beruf sei bisher dem weiblichen Geschlecht vorbehalten. Zumindest hatte meine Frau bei den Geburten unserer Kinder weibliche Hebammen, welche stets schnell zu Verfügung standen. Dass ein Hebammen-Mangel in Deutschland herrscht, war mir nicht bewusst und wurde mir erst nach meiner Recherche klar. Laut Statistik liegt die Zahl der männlichen Entbindungspfleger im einstelligen Bereich. Das Thema unserer Reihe ist also aktuell, wenngleich sich der Inhalt und die Konflikte auf die Figur des Toni konzentrieren.

Sie sind mehrfacher Familienvater – inwieweit haben Ihnen die Erfahrungen als Vater bei der Rolle geholfen?

Schauspieltechniken habe ich viele ausprobiert, der Favorit bleibt die "Leo-Reisinger-Methode": Mein Bauchgefühl gepaart mit Fantasie kreiert die Logik der Figur – die ich dann mit dem/der Regisseur/in abspreche. In unseren Büchern gefielen mir die Dramaturgie und die Figurenkonstellation, die "aus dem Leben" geschrieben waren. Tonis Handlungen im Umgang mit einer werdenden Mutter oder der eigenen Familie zuhause kamen mir schon sehr bekannt vor. Natürlich muss man kein Gangster sein, um einen zu spielen – doch in diesem Fall war es mir hilfreich, routinierte Abläufe aus dem echten Leben in die Filmfigur einfließen zu lassen.

Als "Münchner Kindl" bringen Sie auch die entsprechende Mundart in die Filme mit ein, die in Ihrem Geburtsort spielen. Wie wichtig ist Ihnen das stimmige Lokalkolorit, und was bedeutet Heimat für Sie?

Mich zwickt es, verlangt eine Rolle einen gebürtigen Oldenburger inklusive plattdeutschem Heimatdialekt. Weniger zwickt es mich bei Toni, ein Münchner Entbindungspfleger. Sprachfarben finde ich dennoch wunderschön. Ziel bei Geschichten bleibt es doch, den Zuschauer in eine Welt mit Figuren zu entführen, die er glaubt und nicht in Frage stellt. Den Begriff Heimat charakterisiere ich persönlich mit einem kleinen Dorf im Münchner Süden, wo ich als Kind aufwuchs. Dort erhielt ich Klavierunterricht, spielte Fußball, schloss die Lehre zum Schreiner ab. Meine Familie und mein bester Freund wohnen immer noch dort. Eine prägende Zeit, sozusagen das stabile Fundament in meinem Leben.

Sie sind nicht nur als Schauspieler tätig, sondern entwickeln aktuell auch eine Fernsehserie – welcher Aspekt beim Filmemachen macht Ihnen am meisten Spaß und wieso?

Vergleiche ich Filmemachen mit Kochen, denke ich, dass selbst die besten Zutaten nur dann ein wohlschmeckendes Gericht ergeben, wenn sie durch ein gutes Rezept harmonieren. Im übertragenen Sinne wären Schauspieler, Regie, Kamera, Licht, Ton, Kostüm, Maske, Ausstattung usw. Zutaten, das Drehbuch das Rezept. Bisher war ich als Schauspieler gern Zutat, verspürte dann jedoch den unbedingten Drang, einen Schritt weiterzugehen und mich an das Rezept zu trauen.

15 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.