Christina Große im Kurzinterview

Michaela Frick (Christina Große) trifft die Männerrunde im Garten: Mark Lanius (David Rott), Andreas (Tobias van Dieken), Timo Savona (Tim Oliver Schulz)
Erschwerend hinzukommt, dass Michaela von einer Hochzeit auf einmal nichts mehr wissen will und plötzlich seine zweitjüngste Tochter Nele auf der Matte steht. | Bild: WDR / Kai Schulz

»Wir sind sozusagen die Nullserie, und dass es da knirscht, ruckelt und auch mal kracht, ist ja nur logisch.«

Was war für Sie inhaltlich das Besondere an dieser Produktion?

Mich reizte die Leichtigkeit des Stoffes. Allein schon die Geschichte mit der Hasensuche in der Schwebebahn fand ich sehr lustig. Die Figuren und ihre Themen miteinander waren mir vertraut und erinnerten mich gleich beim ersten Lesen an Menschen, die ich kenne; meine Figur ist einer sehr guten Freundin von mir verblüffend ähnlich. Außerdem werde ich in letzter Zeit häufig von Menschen auf der Straße gefragt, warum es so unendlich viele Krimis im deutschen Fernsehen gibt, sie würden doch lieber andere Filme sehen. Daran musste ich auch denken, und ich hoffe, dass diejenigen an unserem Film Spaß haben werden.

Zwischen Michaela und Gerd mag es zwar manchmal haken, letztlich ergänzen sich die beiden aber hervorragend. Können Sie verstehen, dass Michaela nicht gleich Ja zu Gerd sagt?

Ja, das verstehe ich. Gerd und Michaela sind ganz offensichtlich ein Paar, das es gut miteinander hat. Sie haben ein wunderbares Kind. Sie wissen um ihre gegenseitigen Bedürfnisse und auch um ihre Schwächen. Sie haben ein bestimmtes Maß an Vorsicht miteinander, weil sie aufgrund ihres Alters keine so richtigen Anfänger mehr sind, was Beziehungen angeht, sie leben seit sieben Jahren glücklich miteinander. Was will man mehr? Michaela sieht in ihrer pragmatischen Art überhaupt keinen Grund, diesen mehr als idealen Zustand durch eine Hochzeit zu ändern. Sie braucht das Gefühl, verheiratet zu sein, nicht. Außerdem war Gerd ja bereits zweimal verheiratet, und da finde ich es nahezu folgerichtig, nicht die dritte Ehefrau sein zu wollen.

Der Mann kümmert sich um den Haushalt, die Frau geht wieder arbeiten – ist das in Ihrer Wahrnehmung bereits ein weit verbreitetes Phänomen, oder stehen wir da erst am Anfang?

Wir stehen am Anfang. Da sprechen die statistischen Zahlen ganz für sich. Nur als Beispiel: 2016 bezogen 95 Prozent aller Mütter Elterngeld für den Großteil der Elternzeit, aber nur 35,7 Prozent aller Väter und das meist nur für kurze Zeit. Teilzeit arbeiten sechs Prozent aller Väter, aber zwei Drittel aller Mütter. Trotzdem ist in den letzten 20 Jahren eine große Bewegung in dieses Thema gekommen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist es nahezu selbstverständlich, dass die Väter daheim bleiben oder geblieben sind und wir Frauen arbeiten können oder konnten, wobei das im freischaffenden Bereich sicher auch eine Sondersituation ist. Bis das eine wirklich gelebte Selbstverständlichkeit ist, braucht es noch Zeit. Aus meiner Sicht entstand der wirkliche Wunsch, sich all die verschiedenen Aufgaben einer Familie wirklich zu teilen, ja im Prinzip erst in unserer Generation. Wir sind da sozusagen die Nullserie, und dass es da knirscht, ruckelt und auch mal kracht, ist ja nur logisch. Was den Film "Gerd" angeht, muss ich gestehen, dass ich das eigentliche Problem dieser Aufgabenteilung beim ersten Lesen des Drehbuches nicht verstanden habe. Gerd muss seinen Beruf aufgeben, um sich ausschließlich um die gemeinsame Tochter zu kümmern, die aber schon in die Schule geht und nicht mehr ein Kleinkind ist? Sowohl der Regisseur als auch der Produzent mussten mich darüber aufklären, dass es in München beziehungsweise Köln in Sachen Ganztagsbetreuung anders zugeht, wie ich das aus Berlin hier kenne.

Wie finden Sie die in "Gerd" dargestellte Aufgabenverteilung persönlich?

Ich kann und möchte mir das gar nicht mehr anders vorstellen und habe das mit dem Vater meiner Söhne auch nie anders gelebt. Ich empfinde es als unglaubliche Bereicherung für alle Beteiligten. Das ist einfach nur gerecht, wobei es grundlegend ist, dass die Gehälter von Frauen an die der Männer wirklich angepasst werden müssen.

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