David Rott im Gespräch

Mark Lanius (David Rott) macht Anna (Ida Sophia Wieland) für die Schule fertig.
Mark Lanius macht Anna für die Schule fertig. | Bild: WDR / Kai Schulz

»Ich finde es, ehrlich gesagt, viel anstrengender, wenn man nur ein Kind hat und nicht viele.«

Ein zeitgemäßes Thema, ein prominent besetzter Cast, ein erfahrenes Regie- und Drehbuchteam ... Ich könnte mir vorstellen, dass man bei einer Produktion wie "Mark" sehr gerne mitspielt.

Ja, ich freue mich wirklich sehr über das ganze Projekt. Mich hat schon die Idee gereizt, nicht einen alleinstehenden Film zu machen, sondern quasi ein Portfolio von Vätern in unterschiedlichen Lebensaltern und Lebenssituationen zu zeigen, die gemeinsam haben, dass ihre Kinder in dieselbe Klasse gehen.

So etwas gab es bislang noch nicht im deutschen Fernsehen ...

Genau, und das fand ich super. Außerdem hätte man zu dem Thema ja auch einen anheimelnden Familienfilm drehen können, oberflächlich und seicht. Das hätte mich nicht so sehr interessiert, und das haben wir auch nicht gemacht. Wir erzählen die Geschichte von diesen Vätern sehr liebevoll und mit einem guten Humor. Ich hatte früher übrigens immer das Gefühl, ich kann keine Komödie. Drama fällt mir leicht, kein Problem. Bei einer Komödie aber ist es ein bisschen so, als wenn man einen Witz erzählen würde, den man schon total gut kennt, und das dann dreimal hintereinander. Am Ende lacht keiner mehr. So ähnlich kann man sich Komödie spielen vorstellen, und damit habe ich mich immer sehr schwergetan. Deshalb freue ich mich, dass ich das mit diesem Film so ein bisschen nach Hause geholt habe.

Was gefällt Ihnen noch an "Mark"?

Wir sind nah dran an den Figuren. Der Film hat eine ganz eigene Atmosphäre, in der man sich gerne aufhält, und ich 10 " finde auch, dass der Cast sehr gut ist. Felicitas Woll, die meine Frau spielt, und ich passen sehr gut zusammen. Es hat wirklich Spaß gemacht, mit ihr zu arbeiten. Und das gilt auch für die anderen Kollegen. Tatsächlich ist der Film noch besser geworden, als ich vermutet habe.

Inwieweit?

Es gibt da eine Sache, die ich anfangs nicht ganz verstanden habe: Warum wird so ein Aufstand wegen eines einzigen Kusses gemacht? Die Lehrerin und Mark küssen sich einmal, und der restliche Film dreht sich darum, wie schlimm – oh Gottogott – das jetzt sei. Aus dem Drehbuch erschloss sich mir das nicht so richtig, weil ich die komplette Welt von Mark und Judith noch nicht genau kannte. Schon während der Dreharbeiten habe ich dann gemerkt, dass in dem Wertekontext dieser Figuren der Kuss ein echt großes Ding ist. Das ist mir, als ich mir den fertigen Film angesehen habe, noch einmal klarer geworden. Ich kann dem Regisseur, der ja auch der Drehbuchautor ist, da nur Recht geben.

Kommen wir doch mal zu den Schauspielern, die die anderen Väter spielen ...

Wir verstehen uns sehr gut. Seit den Dreharbeiten haben wir eine WhatsApp-Gruppe, in der wir uns ständig schreiben. Das ist sehr schön.

Und, worüber schreiben Sie? Über Erziehungstipps?

Nein, wir reden nur über Bier und Fußball.

Sie haben fünf Kinder. Wundern Sie sich da nicht über die Probleme, die Ihre Figur Mark damit hat, ein Kind und einen Halbtagsjob unter einen Hut zu bekommen?

Ich finde es, ehrlich gesagt, viel anstrengender, wenn man nur ein Kind hat und nicht viele.

Warum?

Wenn man nur ein Kind hat, teilt man den Alltag in das Leben mit dem Kind und das Leben ohne das Kind auf. Und genau das geht mit mehreren Kindern nicht. Der Stress, die ganze Zeit hin- und herswitchen, entfällt. Zwischen Mark und mir gibt es aber eine sehr große Schnittmenge: Meine Frau ist tatsächlich Ärztin und von morgens bis abends in der Klinik. Das heißt, wenn ich nicht drehe, bin ich hauptsächlich mit der Versorgung unserer Kinder befasst.

Arbeitet Ihre Frau Vollzeit?

Ja, in einer Klinik, und das ist furchtbar. Weniger für uns als für sie, weil die Ärzte ihren Beruf gar nicht mehr so ausüben können, wie sie es für richtig halten. Das ist ein kapitalistisches Problem. Dadurch, dass heutzutage viele Krankenhäuser privatisiert sind und versucht wird, damit Geld zu verdienen, gibt es viel zu wenige Ärzte für viel zu viele Patienten. Für die Ärzte ist der Zeitaufwand wahnsinnig groß und für ihre Familien relativ schwer, das aufzufangen. In dem Film ist es ja ähnlich. Für Mark ist es gar nicht so einfach, mit seiner Halbtagsstelle auch noch irgendwie vorzukommen.

Ich vermute, dass es in Ihrem Umfeld nicht als exotisch gilt, wenn sich die Väter um die Kinder kümmern.

Ich bin in Schleswig-Holstein auf dem Land großgeworden, da war die Sensation, dass der Sohn vom CDU-Bauern am Sonntag selber den Kinderwagen durchs Dorf schob. Ich glaube, das hat sich mittlerweile sehr geändert. In den Metropolen sowieso. Es ist heutzutage nichts Besonderes mehr, dass man als Vater Windeln wechselt und ähnliche Aufgaben übernimmt. Das ist auch richtig so.

Sagen Sie mir als fünffacher Vater doch bitte noch, was Mark falsch macht.

Ich finde, der macht überhaupt gar nichts falsch! Er hat nur das Problem, dass er aus Versehen in einer Stresssituation die Lehrerin seines Kindes geküsst hat.

Und mit so einer Chefin wie der seinen muss man ja auch erst einmal klarkommen ...

Ja. Wohl wahr.

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