Peter Lohmeyer im Gespräch

Gerd (Peter Lohmeyer) ziemlich ungeschickt bei der Hausarbeit.
Nur wenn er diese Aufgabe übernimmt und sich vom Tag der Einschulung an als reifer, verantwortungsvoller Hausmann erweist, wird sie endlich seinen Heiratsantrag annehmen – so ist es abgemacht. Gerd ziemlich ungeschickt bei der Hausarbeit. | Bild: WDR / Kai Schulz

»Es gibt da diese Krankheit, dass man glaubt: Wenn man einen lustigen Film dreht, muss man lustig sein.«

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie das Drehbuch zu "Gerd" lasen?

Mir hat gefallen, dass es intelligent geschrieben ist und mich etwas angeht. Das ist für mich immer wichtig. Was habe ich damit zu tun? Und da ich nun mal vier Kinder habe, dachte ich: Alles gut. Mir hat auch der Humor gefallen. Ein Film mit dem Titel "Väter allein zu Haus" – könnte ja auch seichte Unterhaltung sein, so nach der Art: Wir sind jetzt mal lustig.

Die Komik in "Gerd" ist ja zum Glück eine komplett andere ...

Richtig. Und trotzdem musste man beim Dreh aufpassen, dass wir richtig damit umgehen und es nicht doch noch ein Schenkelklopffilm wird.

Wie geht man denn richtig damit um?

Man muss seine Figur ernst nehmen. Ich habe mich sehr darauf gefreut, mal wieder eine Komödie drehen zu können, und es hat auch Spaß gemacht. Aber gleichzeitig weiß ich eben aus meiner Erfahrung heraus, dass eine Komödie zu drehen, kein leichtes Ding ist. Wenn man gute Unterhaltung machen will, ist das genauso anspruchsvoll wie – sagen wir – ein Krimi.

Die Gefahr zu scheitern, ist also nicht gering.

Vielleicht ist es gar nicht so ein deutsches Phänomen, aber mir ist aufgefallen, dass man sich hierzulande mit Komödien schwertut. Es gibt da diese Krankheit, dass man glaubt: Wenn man einen lustigen Film dreht, muss man lustig sein. Die Komik ergibt sich aber erst aus der Tragik der Figur. In diesem Fall ist es die Tragik, dass Gerd seinen Betrieb verkaufen musste, nun alleine zu Hause ist und nicht so recht weiß, was er mit sich anfangen soll. Und dann wird auch noch seine mittlere Tochter schwanger. All das muss man ernstnehmen und nicht versuchen, die komischen Elemente darin ständig zu unterstreichen und lustig zu sein. Ich habe mal mit einem englischen Regisseur gearbeitet, der mir folgende Regel mit auf den Weg gegeben hat: Don’t be interesting. Da denkt man als Schauspieler erst mal: wie jetzt?

Hätte ich auch gedacht.

Aber er hatte recht! Es geht darum, dass die Geschichte interessant wird, nicht, dass wir Schauspieler interessant sind.

Haben Sie sich eigentlich das australische Vorbild angeschaut?

Da habe ich bewusst die Finger von gelassen und mir gesagt: Ich gucke es mir danach an.

Warum?

Viele Verhaltensformen sind ja von Kultur zu Kultur unterschiedlich, und ich wollte nichts unbewusst übernehmen, was vielleicht gar nicht hierher passt. Mir war wichtig, die Figur so zu spielen, wie ich sie mir denke, mit meiner Kultur, mit meiner eigenen Verschrobenheit, mit meiner eigenen Biografie.

Das heißt?

Ich war sehr nah dran an dieser Figur, da ist viel Peter Lohmeyer drin. Das ist die Kunst, die ich auf der Schauspielschule gelernt habe: Eine Distanz zu der Rolle zu haben und trotzdem drin zu sein und auch von sich zu erzählen.

Dass Sie selbst mehrfacher Vater sind, hat also geholfen.

Klar hilft das. Gerade in den Situationen, die man auf eine ähnliche Weise erlebt hat, wenn auch nicht so krass: Von meinen Töchtern ist noch keine schwanger geworden. Jedenfalls hilft die eigene Lebenserfahrung. Gerds drei Kinder sind ja von unterschiedlichen Frauen, das ist bei mir sogar auch der Fall. Also, da weiß man schon, wo man so ansetzen muss, und zeichnet dann darum herum diese Figur Gerd, mit der ich ja vieles auch nicht gemein habe. Ich musste mir zum Beispiel nie Sorgen um meinen eigenen Betrieb machen.

Wie haben Sie die Entwicklung wahrgenommen, dass sich immer mehr Väter zumindest eine Zeitlang um die Kinder kümmern, während die Frauen arbeiten gehen?

Ich wohne in einem Viertel, in das viele Familien ziehen. Und wenn man sich das Straßenbild so ansieht, sind es genauso viele Männer wie Frauen, die den Kinderwagen schieben. Es sind auch viele Väter mit ihren Kindern auf dem Spielplatz. Wenn ich damals – vor mehr als 20 Jahren – mit meinen Kindern auf dem Spielplatz war, war ich oft der einzige Mann.

Von wegen, früher war alles besser ...

Ich finde diese Entwicklung super, aber wir sind immer noch am Anfang. Immerhin, die Bedürfnisse der Frauen werden endlich ernster genommen. Sieht man auch daran, dass Männer jetzt auch mal Vaterschaftsurlaub nehmen. Ich kenne so einige Männer in meinem Alter, die, was das Aufwachsen ihrer Kinder anbelangt, vieles verpasst haben. Jede Phase ist anders, jede Phase hat eine besondere Note, und an jeder Phase sollte man als Vater irgendwie teilnehmen. Das geht ja so schnell, schwups sind die Kinder aus dem Haus.

Sie haben diese Phase nicht versäumt.

Zum Glück nicht. Wenn man viel zu Hause ist und Verantwortung für die Kinder trägt, dann merkt man allerdings auch erst einmal, was für ein Mörderjob das ist. Abends dann ins Theater zu gehen und zu spielen, das war wie Urlaub.

Man hört, dass sich bei den Dreharbeiten zu "Väter allein zu Haus" die Väter richtig gut verstanden haben und weiterhin im Kontakt stehen. Passiert so etwas öfter?

Das passiert ganz selten. Normalerweise mache ich meinen Job, und dann geht es ab nach Hause. Das kommt durch meine Sozialisation mit den Kindern. Mir war immer wichtig, dass ich nach Drehschluss meine Arbeit beiseitelege und für die Kinder da bin. Das verstehen viele in meiner Generation gar nicht.

Und dieses Mal ist niemand direkt nach Hause gefahren?

Wir haben ja viel in Wuppertal und Köln gedreht, also waren wir bis auf Tobias weit weg von zu Hause – sozusagen auf Montage. Das spielte natürlich schon eine Rolle. Allerdings kann man natürlich auch mit Leuten auf Montage sein, die Flitzpiepen sind. Aber in diesem Fall waren das alle gute Jungs, und es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, mit ihnen zu arbeiten. So viel Spaß, dass wir auf jeden Fall auch noch einen vierten Film drehen wollen.

Was ja auch passieren wird. Klingt nach einer rundum erfreulichen Produktion ...

Wissen Sie, so ein Dreh ist Lebenszeit. Und wenn ich von meiner Familie weg bin, dann möchte ich nicht nur gute Arbeit leisten, ich möchte auch Spaß haben. Und das geht natürlich dann am besten, wenn man es mit Leuten zu tun hat, mit denen man auch gerne außerhalb der Arbeitszeit zusammen ist. Bei "Väter allein zu Haus" ist eine richtig gute Truppe zusammengekommen.

0 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.