Interview mit Michael Lerchenberg

Werner (Michael Lerchenberg) versteht sich immer besser mit Mila (Jördis Richter).
Werner versteht sich immer besser mit Mila. | Bild: ARD Degeto / Christiane Pausch

Interview mit Michael Lerchenberg

Werner Bauer leitet seit 40 Jahren die Schreinerei, die er von seinen Eltern übernommen hat. Ist es das Leben, das er sich gewünscht hat?

Werner Bauer kommt sicher aus einer starken Familie in einer wertkonservativen Gegend, Oberbayern eben, wo viele Leben schon bei der Geburt vorgezeichnet sind. Übernahme des elterlichen Betriebes, d.h. eingeschränkte Berufswahl. Dazu Feuerwehr, Fußball und, eher früher als spät: die eigene Familie gründen und ein Haus bauen. Das geht dann alles seinen geordneten Gang oder vielleicht auch Trott, bis die Kinder groß und selbstständig werden und man ab 55 anfängt, eher zurück als nach vorne zu blicken. Und dann? Aber, das ist der Film.

Sein Bruder Franz ist das Gegenteil von Werner. Wie würden Sie die beiden unterschiedlichen Charaktere beschreiben?

Der Bruder Franz ist der gesellschaftliche Gegenentwurf. Er hatte den Mut, den vorgezeichneten Weg – Firma, Feuerwehr, Fußball, Familie – zu verlassen und sich seine persönliche Freiheit genommen. Diese Selbstbestimmtheit und die vermeintliche Freiheit von Franz ist ein ständiger Stachel im Fleisch von Werner. Wie man erfährt, hätte er sich auch gerne seine Freiheit genommen. Aber Franz war wie immer der Schnellere damals und Werner fügte sich dann in sein „oberbayerisches Schicksal“. Aber wäre ein Werner glücklicher gewesen als frustrierter Touristenbespaßer im sonnigen Süden, am Rande des Existenzminimums? Sicher nicht! Die Freiheit, die sich Gisela und Werner zum Ende unseres Films gönnen, können sie sich jetzt auch leisten – nach einem Leben voller Arbeit. Und das ist was anderes.

Haben Sie Kroatien schon vor den Dreharbeiten gekannt? Wie haben Sie das Land erlebt?

Die Drehorte in Istrien waren für mich ein einziges Déjà vu. Unseren ersten Familienurlaub haben wir 1985 in Rovin verbracht. Wir waren am Kap Kamenjak, und meine Frau und ich sind dort von den Klippen gesprungen. Eine Zufallsentdeckung, denn wir hatten damals den Tick, immer an die Landspitze einer Insel oder Halbinsel zu fahren. Und nach einem Besuch in Pula haben wir nach einer abenteuerlichen, Achsen und Reifen stressenden Autofahrt über Stock und Stein dieses damals noch touristisch völlig unerschlossene Highlight entdeckt. 1990 haben wir bei einem weiteren Istrien-Urlaub diesen Ausflug wiederholt. Jetzt war auch unser kleiner, sechsjähriger Sohn mit uns an der Spitze Istriens von der Klippe gesprungen. Aber ich gestehe, den tollen Drehort mit dem Zehn-Meter- Klippensprung hatten wir gar nicht entdeckt. Wir waren damals mit unseren drei oder vier Meter hohen Klippen, heute im Naturschutzgebiet, schon glücklich.

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