Fragen an Oliver Konietzny

Martin (Oliver Konietzny) hat bei seinem Forschungsprojekt die Frist versemmelt.
Martin ist als praktischer Tierarzt gescheitert und arbeitet in der Forschung – bis jetzt, denn auch diesen Job verliert er. Martin hat bei seinem Forschungsprojekt die Frist versemmelt. | Bild: ARD Degeto / Christine Schröder

Fragen an Oliver Konietzny

Als Sie anfingen, sich mit dem Drehbuch zu „Viele Kühe und ein schwarzes Schaf“ zu beschäftigen, wie war der Zugang zu Ihrer Rolle Martin?

Objektiv widerfährt Martin eine ordentliche, hausgemachte Krise. Eine meiner Paraderollen. Seine Umwelt drängt ihm die Frage auf: „Was will ich eigentlich vom Leben?“ Diese Frage besucht mich ebenfalls regelmäßig. „Comfortzoning“ als Reaktion ist womöglich der Menschheitssport schlechthin. Balancieren zwischen einem In-sich-Spüren, Aktivität und Denken ist mein Umgang damit. Martin hingegen stagniert mit sich. Er ist nicht ohne Ambitionen, aber seine Publikationen generieren wenig Aufmerksamkeit. Zusätzlich nimmt ihm seine Mutter die Eigenverantwortung in großen Teilen ab, in dem sie fast übergriffig die Fäden im Hintergrund zieht.

Wissen Sie persönlich immer, wo sich wichtige Unterlagen befinden? In Ihrer Rolle finden sich entscheidende Papiere auch schon mal unterm Schreibtisch…

Tendenziell weiß ich genau, wo sich bei mir Unterlagen verstecken. Ich trainiere, Ordnung zu machen – etwa wie andere ins Fitnessstudio pilgern. Mittlerweile sorge ich intuitiv und ruhig für einen aufgeräumten Zustand in alle Richtungen. Das Leben füllt den Rucksack mit Chaos schon selbst auf.

Obwohl in seiner wissenschaftlichen Forschung anerkannt, steht sich Martin immer wieder mit seiner chaotischen Art selbst im Weg …

Sich dauer haft nicht selber im Weg zu stehen, ist wirklich das Paradies. Das widerfährt mir eher selten. Diese Gewohnheit Martins, Chaos zu kreieren, hat für mich sehr viel mit Überforderung zu tun. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich in mir wie von selbst sortiert, wenn das Thema ein wenig friedliche Aufmerksamkeit erhält.

Durch einen Arztfehler haben Sie sich in Ihrer Rolle selbst die Karriere als Veterinär verbaut – ein Beruf, den sie sowieso vor allem auf Drängen Ihrer Eltern gewählt haben. Inwieweit holen Sie sich Rat bei wichtigen Entscheidungen?

Am Ende entscheide nicht wirklich ich allein, sondern die vielen Umstände des Lebens, die mir widerfahren und die sich wechselseitig beeinflussen. Was ich daher wirklich gerne tue, ist, in mich reinzuhören, wie sich etwas anfühlt – und ausharren, ausharren … Dazwischen nutze ich alle möglichen verwirrenden Mittel wie Familie, Freunde bis hin zu Feinden.

Martins kurze Berufstätigkeit als Großtierarzt ist vor allem eine Story des Misserfolgs…

Das Wort Misserfolg hat ja schon fast was von Selbst-Bestrafung in sich. Ich frage mich zum Beispiel: „Ist es wirklich mein alleiniges Scheitern, wenn ich eine bestimme Rolle nicht bekomme?“ Nein , denn in der Summe bleiben manche Umstände immer mysteriös. Daher hat es für mich Priorität, friedlich, sanft und realistisch mit mir und anderen Personen umzugehen. Diesen Umgang pflege ich wie einen Bonsai-Baum.

In Ihrer Rolle leben Sie mit Ihrer Filmpartnerin Tessa in einer Stadtwohnung mit Industrie-charme. Aufgewachsen sind Sie in „Viele Kühe und ein schwarzes Schaf“ auf dem Land…

Ich lebe in Frankfurt, bin jedoch auch eher ländlich aufgewachsen. Meine Kindheit habe ich gefühlt nur draußen verbracht, beim Kicken, bei Räuber- und-Gendarm-Spielen und – im Sommer – beim Wandern. Es gibt einen starken Zug in Richtung Natur und Einsamkeit. Der ist ungebrochen und auch sehr notwendig, um Raum in mir zu schaffen. Nichtsdestotrotz fühle ich mich aber auch sehr lebendig in der Vielfalt einer Stadt wie Frankfurt. Vielleicht lässt sich das eher als ein symbiotischer Lebensentwurf beschreiben: Die Stadt läuft bei mir Hand in Hand mit der Natur.

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