Regisseur Stephan Wagner im Interview

Stephan Wagner, Regisseur
"Wir alle sehnen uns danach, bessere Menschen zu werden. " | Bild: dpa / Rolf Vennenbernd

Was ist das Spezifische, das Sie bei "Wer aufgibt ist tot" hat zugreifen lassen? Gibt es bei einer Zeitschleifen-Tragikomödie über das Thematische hinaus auch eine Art technischen Reizes?

Der christliche Wertekatalog, der das aktuell vielgepriesene Abendland prägt, lehrt uns, dass wir alle Sünder sind. Jeder kennt die Sehnsucht, eine Lebensentscheidung zu korrigieren. Was wäre passiert, wenn der Zug des Lebens an einer bestimmten Weiche eine andere Route genommen hätte? Wir alle sehnen uns danach, bessere Menschen zu werden. Jedoch kann niemand im "wahren Leben" die Zeit zurückdrehen und eine Korrektur vornehmen. Aber Film kann das. "Wer aufgibt ist tot" erschafft eine Illusion und macht diese Sehnsucht lebendig. Sie ist die Grundlage, auf der unsere Geschichte gedeiht.

Worauf kommt es denn an, wenn man Zeitschleifen inszeniert? Wie sind Sie mit Wiederholung und Veränderung umgegangen, wie organisiert man die Informationen?

Es kommt auf die Details an. Kleine Unterschiede haben große Wirkung. Das Buch von Christian Jeltsch entfaltet dabei seine eigene Logik, der meine Inszenierung gerne folgt. Der Reiz liegt darin, dass sich unsere Hauptfigur in der Illusion verliert, über äußere Eingriffe in sein Leben dieses mit aller Macht umzugestalten. Eine trügerische Illusion, denn die Veränderungen führen zu neuen Schwierigkeiten, die wiederum die Haltung von Paul Lohmann verändern. Das ist der Beginn seiner wahren Veränderung.

Paul Lohmann ist eine Art Jedermann, dessen Fehler nicht zu übersehen sind. Wie wichtig war es für den Film, einen Schauspieler wie Bjarne Mädel zu finden, der uns trotzdem ans Herz wächst?

In dieser Besetzung liegt der Schlüssel zum Film. Bjarne gelingt es, uns durch die Leichtigkeit seines Spiels auf eine sehr unmittelbare und berührende Weise zu unterhalten. Sein Paul Lohmann macht die Tragik der Figur mit all seinen Schwächen so erlebbar, dass wir uns köstlich über ihn amüsieren können. Diese Fähigkeit ist nicht vielen gegeben. Deshalb verfolgen wir seinen Weg, trotz des immer wiederkehrenden Scheiterns, über Veränderungen seinem Ziel, der persönlichen Erlösung, Schritt für Schritt näher zu kommen, bis zum Ende. Bjarne interpretiert den Paul Lohmann auf eine Weise, die es unmöglich macht, der Figur böse zu sein. Vielleicht, weil wir uns in ihm auf eine sehr berührende und direkte Weise wiedererkennen?

1 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.