Familie Weigel vs. Familie Galkin: Die Darsteller

Bernd (Oliver Mommsen, li.) und Viktor (Jevgenij Sitochin) feiern.
Bernd und Viktor feiern. | Bild: ARD Degeto/Mona Film/Tivoli Film / Philipp Brozsek

Fragen an Oliver Mommsen, Susanna Simon, Jevgenij Sitochin, Katerina Medvedeva

Wodka trinken und ein Huhn als Haustier: Wie würden die Weigels die Familie Galkin beschreiben?

Susanna Simon: Die Galkins sind eine Familie jenseits aller Konventionen. Der Wodka ist als Elixier zur Erhaltung des seelischen Gleichgewichts vorrätig, und falls eine Hungersnot droht, ist das Huhn für die Suppe in greifbarer Nähe. Die Galkins sind praktisch, lebensfroh und total verrückt!

Oliver Mommsen: Für die Weigels ist das Zusammentreffen mit den Galkins so, als seien sie auf einem anderen Planeten gelandet. Aber während Daniela schwer fremdelt, ist Bernd neugierig. Im Gegensatz zu dem doch recht braven Leben der Weigels tobt der leidenschaftliche Wahnsinn bei den Galkins.

Und wie sehen die Galkins die Weigels – spießige Spaßbremsen, oder?

Jevgenij Sitochin: Viktor Galkin versteht diese kopflastige Art zu denken der Weigels nicht. Er gibt sich Mühe, scheitert aber immer wieder.

Katerina Medvedeva: Auf den ersten Blick scheinen die Weigels richtig deutsch zu sein. Da gibt es aber diesen komischen Moment: Als die Weigels und die Galkins zusammensitzen, zeigen sie sich von einer ganz anderen Seite: Wodka trinken und Witze machen. Und Svetlana Galkin, die Russin, ist die Einzige, die sich nicht betrinkt.

Haben Sie auch schon mal den kleinen Spießer in sich entdeckt?

Susanna Simon: Der kleine Spießer in mir meldet sich immer, wenn es um Pünktlichkeit und Ordnung geht …

Oliver Mommsen: So klein ist der gar nicht. Ich brauche bei all dem Trubel des Drehens, Reisens und Unterwegsseins auch immer wieder den Rückzug, das Unspektakuläre, das Überschaubare und das Handfeste. Ich habe kein Problem damit, um 21 Uhr im Bett zu liegen.

Frau Medvedeva, Herr Sitochin, Sie beide stammen aus Russland. Mit welchen Eigenheiten der Deutschen mussten Sie sich erst einmal vertraut machen? Und was waren Ihre persönlichen Herausforderungen?

Jevgenij Sitochin: Als ich nach Deutschland kam, habe ich gemerkt, dass die Leute hier viel größere Köpfe haben als in Russland. (lacht) Ich musste lernen, die Worte "Logik" oder "Konzept" ernst zu nehmen. Ich musste lernen, Entscheidungen nicht nur aus dem Bauch, sondern auch aus dem Kopf heraus zu treffen.

Katerina Medvedeva: Manchmal bin ich überrascht, wie unterschiedlich der Humor ist. Selbstironie wird in Russland nämlich sehr großgeschrieben. Die Deutschen dagegen nehmen alles sehr ernst. Da prallen doch Kulturen aufeinander. Und dann kommt noch die Sprache hinzu – meine persönliche Herausforderung als ich vor 26 Jahren nach Deutschland gekommen bin: der, die, das. (lacht)

Russische Gastfreundlichkeit versus deutsche Spießigkeit: Was meinen Sie, wie viel ist wirklich dran an den vermeintlich kulturellen Unterschieden? Und wieviel steckt von Ihnen selbst in der Rolle?

Oliver Mommsen: Zur Vorbereitung habe ich mir mit großem Vergnügen Bücher von Daniil Charms, Bulgakow und Kaminer wieder zu Gemüte geführt. Eines ist klar: Die russische Seele ist definitiv mehr im Phantastischen und Absurden zu Hause als die deutsche Seele. Auch der Hang zur großen Geste, emotional, politisch und überhaupt geht bis auf kleine Ausnahmen an Russland.

Susanna Simon: Ich denke, die russische Mentalität hat sehr viel mit der Größe und Weite des Landes zu tun. Angesichts dessen rückt man zusammen und lässt bei einem Glas Wodka und viel Essen, die Gedanken und Gefühle (aus)schweifen. Bei den Deutschen ist alles etwas überschaubarer, die Mengen, die Zeit, die Emotionen. Ich selbst bin in Almaty geboren, mit einem deutschen Vater und einer russischen Mutter. Ich empfinde mich eher als deutsch, mit einer Sehnsucht zu großen Emotionen, weiten Landschaften und dem Klang der russischen Sprache.

Jevgenij Sitochin: Meiner Meinung nach gibt es viel mehr kulturelle Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Russen als Unterschiede. Von mir selbst steckt nicht sehr viel in der Rolle des Viktor, außer vielleicht meine Lust, mit meinem Sohn Fußball zu spielen.

Katerina Medvedeva: Ich habe das Gefühl, dass die Russen vielleicht noch ein Stück weit offener gegenüber anderen sind. Die Deutschen sind sehr regelorientiert. Ich selbst sehe als Teil von mir in Svetlana, dass sie allen gerecht werden möchte. Auch sind wir beide eher ernstere Charaktere.

War das Aufeinandertreffen der Kulturen auch bei den Dreharbeiten zu spüren?

Oliver Mommsen: Ich hatte einen unglaublichen Spaß! Jevgenij ist ein wundervoller Clown, im schönsten Sinne dieser Kunst. Er quillt über vor verrückten Ideen und hat, wie man sagt, "funny bones". Manchmal musste ich der Spielverderber sein und ihm klarmachen, dass wir vielleicht einfach nur das spielen sollten, was im Buch steht. Nicht immer zu seiner Freude ...

Katerina Medvedeva: Und Oliver hat mich spaßeshalber aufgezogen wegen meines Deutsch. Er: Ich habe keinen Bock auf so schlechtes Deutsch. Ich: Da musst du durch. Es war eine wunderbar kollegiale Stimmung am Set, nicht wahr, liebe Frau Susanna?

Susanna Simon: Und die russischen Kollegen waren da im Vorteil: Was nicht für deutsche Ohren bestimmt war, wurde auf Russisch besprochen ... (lacht)

Jevgenij Sitochin: Ja, die Arbeit war wirklich toll und hochprofessionell.

Genug der Differenzen: Was finden Sie persönlich an der jeweils anderen Kultur toll?

Oliver Mommsen: Genau das, was uns voneinander unterscheidet, aber auf jeden Fall der Mut zur Phantasie, zum Poetischen und zu den großen Gefühlen. Ich war einmal in Sankt Petersburg, habe russische Literatur genossen und mit tollen russischen Kollegen gedreht, aber was weiß ich schon?

Jevgenij Sitochin: Ich verneige mich vor der deutschen klassischen Musik.

Katerina Medvedeva: Nationalität spielt für mich keine Rolle. Was ich allgemein an Menschen schätze: Ehrlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft. Und das erlebe ich auch in Deutschland.

Susanna Simon: Der Klang der russischen Sprache ist wunderschön! Und für mich persönlich war das Arbeiten mit den russischen Kollegen auch ein Stück weit Erinnerung an eine ferne Heimat.

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