Interview mit der Regisseurin Franziska Buch

»Der Film erzählt die Geschichte einer Befreiung.«

Regisseurin Franziska Buch
Regisseurin Franziska Buch  | Bild: dpa

Käthe-Kruse-Puppen sind weltberühmt. Was haben Sie mit dem Namen in Verbindung gebracht?

Als mir die Regie von "Käthe Kruse" angeboten wurde, brachte ich mit dem Namen zunächst, wie vermutlich fast alle, die weltberühmten Puppen in Verbindung. Erst nachdem ich mich näher mit der Materie beschäftigt hatte, stellte ich fest, was für eine faszinierende künstlerische Persönlichkeit hinter dieser einzigartigen Erfolgsgeschichte steht. Absolut einzigartig auch, weil Käthe Kruse aus einfachsten Verhältnissen stammte. Sie war eine der ganz wenigen erfolgreichen Frauen ihrer Zeit, die ihr Unternehmen nicht geerbt, sondern selber geschaffen haben.

Käthe hat für ihre Zeit und Lebensumstände eine ganz und gar ungewöhnliche Karriere gemacht. Wie würden Sie Käthe Kruse charakterisieren?

Käthe Kruse war eine moderne selbstbestimmte Frau, die sich freiheitsliebend und kämpferisch von den Schatten ihrer Vergangenheit und gängigen Wertvorstellungen ihrer Zeit emanzipierte. Gleichzeitig eine leidenschaftliche Frau, die viele Jahre mit dem bekannten Berliner Bildhauer Max Kruse in wilder Ehe lebte, bevor er sich schließlich durchgerungen hat, sie zu heiraten. Käthe Kruse war auch eine der ersten "Working Moms". Sie bekam acht Kinder und wurde mit ihrer Puppenmanufaktur zu einer der wichtigsten Unternehmerinnen des 20. Jahrhunderts. Eine Wegbereiterin, fast schon Visionärin – doch es war kein einfacher Weg.

Sie legen in Ihrem Film einen starken Fokus auf die Beziehung zwischen Käthe und Max Kruse. Inwiefern war diese Beziehung besonders?

Käthe Kruse befand sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Max. Sie blieb bei ihm, obwohl er nicht heiraten wollte, lebte mit ihm in wilder Ehe und setzte sich damit gesellschaftlicher Ächtung aus. Das zeigt, wie stark diese Bindung war, obwohl er sie nicht immer gut behandelte. Das Leben von Käthe Kruse war auch das Drama einer Frau, die sich fast nicht aus einer Beziehung herauslösen konnte. Erst spät schaffte sie es, sich nach und nach von Max zu emanzipieren. Ohne diese Emanzipation wäre ihr enormer Erfolg undenkbar gewesen. Ich erzähle mit meinem Film auch die Geschichte einer Befreiung.

Mit Friederike Becht haben Sie eine beeindruckende Schauspielerin für die Rolle gefunden. Warum haben Sie sich für sie entschieden?

Friederike Becht ist eine von Deutschlands interessantesten und herausragendsten jungen Schauspielerinnen, die wir für die Rolle der Käthe Kruse gewinnen konnten. Ich war von ihrer erstaunlichen Präsenz, ihrem Fleiß und ihrer Professionalität sowie ihrer beeindruckenden Wandlungsfähigkeit immer wieder begeistert. Ich habe mich sehr für sie gefreut, als ich hörte, dass sie den Ulrich- Wildgruber-Preis erhalten hat. Man wird in Zukunft noch sehr viel von ihr hören.

Was stellt Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung beim fiktionalen Erzählen historischer Figuren dar?

Beim fiktionalen Erzählen historischer Figuren, kommt es darauf an, einen Fokus zu finden, wenn man einer Figur gerecht werden will. In unserem Fall ist es der Werdegang von Käthe Kruse in ihrer Bindung zu Max Kruse. Natürlich sind die Fakten eines Lebens dabei wichtig, aber sie müssen auch durch Fiktionalisierung mit Leben erfüllt werden, sonst wird es langweilig. Man muss sich trauen zu interpretieren, nur dann bekommt die Geschichte einen Fokus.

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