Interview mit Friederike Becht

Sie spielt Käthe Kruse

Friederike Becht in ihrer Rolle als Käthe Kruse
Friederike Becht in ihrer Rolle als Käthe Kruse | Bild: ARD Degeto/Rich and Famous Overnight Film/Repro

Hatten Sie schon einen Bezug zu Käthe Kruse, bevor Ihnen die Rolle angeboten wurde?

Nicht bewusst, aber während der Auseinandersetzung mit ihr, habe ich allerdings schnell herausgefunden, dass mir Käthe Kruse in gewisser Weise schon früher "über den Weg gelaufen" ist. Im Kinderbett meines Sohnes z.B. liegt eine Käthe-Kruse- Spieluhr, die ihn seit Beginn seines Lebens begleitet und die ihm das Einschlafen und mir das Kinderhüten leichter macht. Außerdem bin ich ein großer Fan von "Urmel aus dem Eis" – dieses tolle Kinderbuch hat ihr Sohn Max Kruse geschrieben.

Käthe Kruse gilt als eine der wichtigsten Unternehmerinnen des 20. Jahrhunderts. Was hat sie an der Rolle gereizt?

Käthe Kruse hat etwas Zähes, Widerstandsfähiges, aber auch etwas Zerbrechliches, Schutzsuchendes. Sie ist eine Lebenskünstlerin, die sich über die Konventionen ihrer Zeit hinwegsetzte. Am Anfang war sie nur ein mittelloses, vom Vater ungeliebtes Kind und am Ende steht da eine der berühmtesten Unternehmerinnen ihrer Zeit. Ein spannender Lebensweg. Sie ist eine, die mit den Schwierigkeiten des Lebens umzugehen vermochte und sich nicht von ihnen entmutigen ließ, allen Widrigkeiten zum Trotz. Ich hatte mich bei der Vorbereitung auf die Rolle sehr gefreut, hinter der allseits bekannten Puppenmacherin Käthe Kruse einem so vielschichtigen Menschen zu begegnen.

Wie würden Sie Käthe Kruse charakterisieren?

Sie ist eine große Sehnsüchtige, sehnsüchtig nach einem besseren Leben, nach Liebe und Geborgenheit. Und eine absolute Macherin. Der Satz "Wenn das Glück nicht von alleine kommt, dann kümmere ich mich eben selber drum!" könnte von ihr sein. Sie steckt den Kopf nicht in den Sand, wenn das Leben schwer wird, sondern versucht, stark zu bleiben.

Hat sich Ihr Bild von Käthe Kruse im Zuge der Dreharbeiten verändert? Und wenn ja, wie?

Sagen wir mal so, erst wusste ich nur von den Puppen, und das auch nur so am Rande, und durch die Arbeit durfte ich einem mit Lebenshöhen und Tiefen bestickten Menschen begegnen. Wie ein Forscher fühlt man sich da. Wenn ich heute, eine Weile nach Drehschluss, über sie nachdenke, bleiben vor allem zwei Worte: "Lebensfroh" und "Power" in meinem Kopf und der Satz: "Dich hätte ich gern mal getroffen."

Um die Karriere ihres Mannes nicht zu gefährden, verlässt Käthe Kruse Berlin und lebt eine Weile auf dem Monte Verità. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Wenn ich ihre Freundin gewesen wäre, hätte ich versucht, ihr diesen Mann auszureden. Aber wie sagt man so schön: "Wo die Liebe hinfällt." Käthe Kruse hat so viel für ihn getan und ausgehalten. Schon vor dem Monte Verità. Sie war eine Schauspielerin in Berlin mit zwei unehelichen Kindern, einer kranken Mutter und einem Mann, der Ihre Existenz sehr lange, sogar vor engen Freunden, geheim hielt und sie partout nicht heiraten wollte, obwohl er ihr damit das Leben so sehr erschwerte. Und trotz alledem nahm sie ihren Mann Max immer in Schutz und träumte weiter davon, dass er sie doch einmal heiraten und zu ihr stehen würde. Aber na ja ... und ab einem gewissen Punkt, vor allem mit Kindern und in dieser Zeit, kann man nicht einfach zurückrudern. Das hat Käthe Kruse selbst in einem Brief an ihre Mutter auch einmal geschrieben: "Ich kann nicht mehr zurück." Sie konnte nur die Schultern straffen und vorwärts blicken. Was sie auch gemacht hat! Und dafür bewundere ich sie.

Glauben Sie, dass es für Frauen heute deutlich einfacher ist, ihren Weg zu gehen?

Rein vom Gesetzlichen und den Umständen her gedacht: Natürlich! Heute sagen die Behörden einem nicht einen "sittenlosen Lebenswandel" nach, wenn man zwei uneheliche Kinder hat. Aber ganz egal, ob heute oder vor hundert Jahren: Seinen eigenen Weg zu gehen ist nie einfach! Man muss dafür mutig sein. Und das kostet viel Kraft! Aber ich bin sicher, es lohnt sich.

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