Zur Funktion der Musik im Film

Regisseur Niki Stein

Ludwig van Beethoven (Tobias Moretti, li.) kann seine Musiker nicht mehr bezahlen.
Ludwig van Beethoven kann seine Musiker nicht mehr bezahlen. | Bild: ARD Degeto/WDR/ORF/EIKON Media

Wenn man einen Film über Beethoven macht, darf sich die Frage nach der Musik nicht stellen: Man nimmt die Musik Beethovens, was sonst!

Wenn man einen Film über einen kleinen Jungen macht, der im Hoforchester einer kleinen Residenzstadt am Rhein zum Musiker reift, muss man sich fragen, was da gespielt wurde.

Der Blick auf die Programmzettel der damaligen Zeit überrascht von heutiger Warte aus: Bis zu vierzig Opern im Jahr, von Rameau, über Händel, Telemann, die Italiener, Franzosen ... und Mozart, immer wieder Mozart. – Hier ist also schnell die zweite Linie gefunden: Die Musik, die den jungen Beethoven geprägt hat, ist ein Kanon durch die musikalische Kulturgeschichte Europas.

Durch seinen Lehrer Neefe kommt die Musik der Bachs hinzu. Johann Sebastian war durchaus keine Größe in jener Zeit südlich der Elbe. – Erst im frühen 19. Jahrhundert wurde seine immense Bedeutung wiederentdeckt. (Einzige Ausnahme natürlich mal wieder Leopold Mozart, der seinen Sohn durchaus mit der Musik Bachs bekannt machte). "Louis van Beethoven" bedeutet zwangsläufig auch eine Wiederentdeckung der frühen Werke Beethovens: Die Kurfürstensonaten, die ganz erstaunlichen Klavierquartette, die Righini Variationen und die wunderschönen 12 Variationen für Klavier und Violine über "Se vuol ballare, Signior contino" aus dem Figaro von Mozart. Sie werden ein wenig zum Leitmotiv des Films.

Und dann natürlich die späten Streichquartette. – Beethoven ist mit ihnen beschäftigt, als er mit Karl bei seinem Bruder in Gneixendorf Unterschlupf sucht. Er ringt mit ihnen, einsam, erschüttert, dass diese Musik von niemandem verstanden wird.

Die Streichquartette sind weniger Filmmusik als innerer Monolog Beethovens. Beethoven spricht zu uns und die Bilder des Films bieten nur die Untermalung. Einen Film über einen Musiker wie Beethoven zu machen, bedeutet: man muss sich die Musik erarbeiten, sie nicht aus Konserven nehmen zur Untermalung. – Zwangsläufig sieht man die Schauspieler auch musizieren. – In ihren Augen, ihrem Gestus, liest man, ob sie die Musik verstehen oder nur "verstehen" spielen. Wir haben uns deshalb schon sehr früh entschlossen, die meiste Musik, die im Film zu hören und zu sehen ist, beim Drehen einzuspielen. Das haben uns die musikalisch vermögenden Schauspieler ermöglicht, allen voran das junge Klaviergenie Colin Pütz.

Als Hoforchester fungiert das wunderbare "Czech Ensemble Baroque" aus Brno, exzellente Musiker die auf historischen Instrumenten der Musik aus Beethovens Jugend eine über-raschende Frische einhauchen.

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