"Er hat etwas sehr Eigenwilliges und sehr Exzentrisches"

Interview mit Benedict Cumberbatch

Benedikt Cumberbatch als Sherlock Holmes
Benedikt Cumberbatch als Sherlock Holmes | Bild: ARD Degeto/BBC/Hartswood Films

Warum, glauben Sie, ist Sherlock Holmes so beliebt in der Welt?

Er wird seit 120 Jahren geliebt, weil er etwas sehr Eigenwilliges und sehr Exzentrisches an sich hat, und dabei so britisch ist, dass sein Charakter universal verstanden wird. Sherlock ist der meist verfilmte Charakter aller Zeiten! Kein Grund aber, sich deswegen unter Druck zu setzen.

Haben Sie die Idee, Sherlock vom viktorianischen Zeitalter in unsere Zeit zu versetzen, auf Anhieb gut gefunden? Glauben Sie, dass das funktionieren kann?

Zuerst dachte ich: "Müssen wir das so umsetzen?" Aber sobald ich das Script gelesen hatte, war mir klar, dass wir das machen müssen. Es ist einfach zu gut!

Ist das ein Sherlock für das Cyber-Zeitalter?

Absolut. Dieser Sherlock hat seinen Deerstalker und seine Pfeife hinter sich gelassen. Dennoch sind wir dem Geist der Bücher treu geblieben. Wir wollen Sherlock aber aus dem Nebel bringen. Die Geschichten kann man nicht verbessern, das ist uns klar, aber wir wollen sie erweitern.

Was ist sonst noch modern an diesem Sherlock?

Er ist ein anziehend gebrochener Charakter. Er ist nicht dieser gemeißelte 'Alpha-Mann', der das Mädchen immer bekommt. Er ist enorm problembeladen. Er ist ein Außenseiter, der keinen an sich heranlässt, er hat einen auf Sucht angelegten, obsessiven Charakter, ist Sprungbrett aller modernen Ermittler mit ihren Alkohol- und Drogenproblemen. Aber das macht ihn richtig gut, eher dreidimensional, er braucht die Achillesferse, sonst wäre Sherlock zu perfekt, nicht menschlich. Er kann nicht unfehlbar sein.

Ist Sherlock ein Actionheld – mehr Rambo als Rimbaud?

Ja, da gibt es keine sicheren, gesunden Seiten an diesem Mann. Als Sherlock schieße ich auf Menschen, rolle mich über Autos, schmeiße brennende Ölfässer aus der Gefahrenzone oder fliege bei Explosionen durch die Luft. Normalerweise werde ich als elegischer, problembeladener Intellektueller und schlechter Liebhaber besetzt. Es macht mir Spaß, endlich einmal einen Actionhelden zu spielen.

Die Filme betonen die Freundschaft zwischen Holmes und Watson. Würden sie dieses Verhältnis als "Bruderromanze" bezeichnen?

Ich weiß es nicht so genau – wir leben im Film in einer WG zusammen. Sherlock und John sind co-abhängig. Holmes braucht Watson, um sich zu erden, Watson braucht Holmes, der ihm das Gefühl eines Abenteurers gibt.

Können Sie diese Beziehung näher beschreiben?

Da ist viel Zuneigung zwischen den beiden. Ein Wort umschreibt das am besten: Kameradschaft. Sie ist hart erarbeitet und nicht sentimental, aber Vertrautheit wächst durch das, was sie gemeinsam erleben. Klar, die Tatsache, dass sich zwei junge Männer eine Wohnung teilen, wirft Fragen auf, die wir auch ziemlich oft in den Filmen ansprechen ...

Was ist zu Sherlocks Charakter noch zu sagen?

Er ist keine "Wiedergeburt" von etwas, was Holmes in den vergangenen Zeiten war. Er ist ein völlig neuer Charakter. Er ist weit weg von dem viktorianischen Holmes, bleibt aber sehr nah an der Geschichte, an der Seele des Originals, auch wenn die Geschichten in der Jetztzeit spielen.

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